Guhl: Bauern melken sich in die nächste Krise

Nach drei Monaten des Aufatmens stehen für Peter Guhl, Vorstandsvorsitzenden der MEG Milch Board, die Zeichen wieder auf Sturm: „Sehenden Auges stehen die Verantwortlichen in den großen Verbänden da ohne zu handeln. Wie viele Krisen müssen noch folgen, bis die innovativen Modelle zum Mengenmanagement umgesetzt werden?“

Der Milch-Marker-Index hat sich zuletzt verbessert. (Bildquelle: Werkbild)

Nach drei Monaten des Aufatmens stehen für Peter Guhl, Vorstandsvorsitzenden der MEG Milch Board, die Zeichen wieder auf Sturm. Der Butterpreis habe in den letzten Wochen viel von seiner marktstützenden Wirkung verloren, die Preise für Milchpulver blieben unterirdisch, und auch im so wichtigen Käsesegment sehe es nicht gut aus. Alles in allem führe dies aktuell leider zu deutlichen und zügigen Milchpreisrückgängen. Fraglich sei nur: Wie weit werden die Preise sinken und steuern die Erzeuger bereits wieder auf eine neue Milchpreiskrise zu?
 
Für Guhl wird dies an der „Mengenfront“ entschieden: „Wir sehen aktuell einen deutlichen Mengenanstieg in Deutschland und anderen wichtigen Milcherzeugungsländern der EU. Dieser Anstieg führte uns aus einer relativ ausgeglichenen Angebots- und Nachfragesituation (hauptsächlich gestützt durch den Fettmarkt) wieder in eine Phase des Überangebots. Dies geschieht vollkommen unkontrolliert auf der Basis von einzelbetrieblichen Entscheidungen. Im Klartext bedeutet dies: Die Milcherzeuger melken sich aktuell kollektiv in die nächste Krise.“ Guhl vergleicht das aktuelle Szenario 1:1 mit der Entwicklung von 2015 und fasst es so zusammen: „Sehenden Auges stehen die Verantwortlichen in den großen Verbänden da ohne zu handeln. Ich frage mich, wie viele Krisen müssen noch folgen bis die innovativen Modelle zum Mengenmanagement umgesetzt werden.“
 
Dabei wäre seiner Meinung nach alles so einfach. Hätte im Sommer 2017 jeder Milcherzeuger einen Milchkaufvertrag über Mengen und Preise in der Tasche gehabt, wäre eine unkontrollierte Mengensteigerung kaum in diesem Ausmaß möglich gewesen. So werde aber nach wie vor jeder Liter Milch angedient, abgeholt und in Teilbereichen zu niedrigsten Preisen verwertet, so Guhl. Diese Teilbereiche würden den gesamten Markt von einem kurzen Preishoch ins nächste Tief stürzen.

Der Milch-Marker-Index ist nach aktuellem Berechnungsergebnis der MEG Milch Board von Juli bis Oktober 2017 um 1 % auf einen Stand von 99 (2010 = 100) gestiegen. Im letzten Vierteljahr hätten sich die Milcherzeugungskosten (ohne Umsatzsteuer) um 0,32 Cent auf 41,30 Cent pro Kilogramm erzeugter Milch erhöht. Beim Milchauszahlungspreis sei es zu einer erneuten deutlichen Anhebung um 3,16 Cent auf 40,35 Cent im Durchschnitt gekommen. Entsprechend habe sich das Preis-Kosten-Verhältnis verbessert, und es wurde eine 98-prozentige Deckung der Milcherzeugungskosten erreicht. So nah an die Kostendeckung sei die Preis-Kosten-Ratio seit der ersten Berechnung im Jahr 2014 noch nie gekommen.
 
Die Milcherzeugungskosten haben sich in allen drei Untersuchungsregionen Nord, Ost und Süd leicht erhöht, so die MEG Milch Board. In Ostdeutschland habe es mit 0,85 Cent pro Kilogramm erzeugter Milch den stärksten Kostenanstieg gegeben. Die leicht gesunkenen Preise für Mischfuttermittel für Rinder hätten die Milcherzeuger im Herbst 2017 teilweise zu höheren Ausgaben für zugekauftes Futter motiviert, aber auch die Energiekosten seien in allen Regionen leicht angestiegen.
 
Mit einem Plus von 3,8 Cent auf 40,78 Cent pro Kilogramm hätten norddeutsche Milcherzeuger im letzten Vierteljahr am deutlichsten von einer verbesserten Vergütung der Erzeugermilch profitiert. In Ostdeutschland stiegen die Preise laut Milch Board um weitere 2,58 Cent auf 40,48 Cent pro Kilogramm. Demgegenüber hätten die Auszahlungspreise in Süddeutschland trotz eines weiteren Anstiegs um 2,8 Cent mit durchschnittlich 39,83 Cent pro Kilogramm immer noch unter der 40-Cent-Marke verharrt, und die Milcherzeugungskosten blieben zu 15 % nicht gedeckt. In Nord- und Ostdeutschland lag die Preis-Kosten-Ratio erstmalig über 1 (bei 1,16 beziehungsweise 1,09), zeigten die Berechnungen. Deutlich geringere Milcherzeugungskosten auf der einen und eine höhere Milch-Vergütung auf der anderen Seite hätten in diesen beiden Regionen zumindest erst einmal kurzfristig für mehr als eine volle Kostendeckung gesorgt.
 
Das Jahr 2017 endete laut Guhl für die deutschen Milcherzeuger damit erfreulich, während es in den ersten beiden Quartalen noch eine Unterdeckung von 20 % gab. Blicke man auf die Krisenjahre 2016 und 2015 zurück, stimmten Ergebnisse von 0,68 und 0,72 alles andere als euphorisch. Für den Vorstandsvorsitzenden ist das knappe Erreichen der Kostendeckung im vierten Quartal kein Grund zu überschwänglicher Freude. „Kostendeckung ist eigentlich das Minimalziel eines Unternehmers. Richtig gute Jahre sind diejenigen, in denen man die Kosten deckt und darüber hinaus Geld auf die Seite bringt. Geld für neue Investitionen, für Risikovorsorge oder einfach nur für ein unbeschwertes Privatleben.“ 2017 sei, wenn man es in seiner Gesamtheit betrachtet, nicht so ein Jahr gewesen und das Traurige daran: 2018 wird es seiner Meinung nach auch nicht werden.
 



Artikel geschrieben von

Patrick Liste

Redakteur Rinderhaltung

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