Interview

Heinen-Esser: „Wir brauchen die Mutterkuhhalter“

Gekoppelte Prämien für Mutterkühe sollen kommen, der Wolf ist schon da: Welche Perspektive hat die Mutterkuhhaltung in NRW? - Das haben wir die Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser gefragt.

Der Chefredakteur vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, Patrick Liste, sprach mit Nordrhein-Westfalens Landwirtschfatsministerin Ursula heinen-Esser über die Sorgen der Mutterkuhhalter.

Wochenblatt: Frau Heinen-Esser, Rinder auf der Weide, kleine Strukturen, extensive Haltung: Viele Mutterkuhhalter machen das, was Politik und Gesellschaft fordern, kommen wirtschaftlich aber kaum über die Runden. Warum klafft so eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit?

Heinen-Esser: Die Mutterkuhhalter sind an der Schnittstelle zu dem, wie wir uns Landwirtschaft in Zukunft vorstellen. Sie machen bereits das, was mit Tierwohl, Umwelt- sowie Klimaschutz angedacht ist. Aber die finanzielle Entlohnung dafür ist noch nicht in ausreichendem Maße gegeben. Mit der Haltungsform sind hohe Kosten verbunden, die über den Preis für Rindfleisch und Förderinstrumente nicht ausreichend honoriert werden. In dieser Phase darf es nicht passieren, dass die Mutterkuhhalter aufgeben. Wir brauchen sie – und müssen deshalb gegensteuern.

Das könnte gelingen, indem Landwirte diese gesellschaftliche Leistung vergütet bekommen...

Heinen-Esser: Es gibt viele Fördermaßnahmen, von denen Mutterkuhhalter schon heute profitieren können. Dazu zählen vor allem Agrarumweltmaßnahmen wie die Förderung der extensiven Grünlandnutzung oder des Ökologischen Landbaus, zudem die Tierschutzmaßnahme „Haltungsverfahren auf Stroh“. Ich finde es gut, dass der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband und andere Verbände das „Mittelgebirgsprogramm“ erarbeitet haben. Darin fordern die Verbände unter anderem mehr Unterstützung der gesellschaftlich gewünschten Weidehaltung. Genau deshalb haben wir uns auf der Agrar­minister-Konferenz auch für die gekoppelte Prämie für Weidetiere ausgesprochen. Sie hat jetzt auch Eingang in den Beschluss des Bundeskabinetts gefunden.

Zudem müssen die Preise für Rindfleisch die Leistungen wertschätzen. Diese sollen über eine einfach verständliche Kennzeichnung sichtbar werden. Ich hoffe, dass die Umsetzung des Borchert-Plans trotz Bundestagswahl schnell vorankommt. Und dann auch Rindfleisch stärker im Fokus steht.

Kommen gekoppelte Prämien schon 2022?

Die gekoppelten Prämien sollen in der reformierten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bei 60 € pro Mutterkuh sowie 30 € für Schaf/Ziege liegen. Ist das sicher? Und will NRW die Prämien wie Niedersachsen schon 2022 zahlen?

Heinen-Esser: Wir planen die Einführung der gekoppelten Prämien wie vorgesehen für 2023. In Brüssel und Berlin sind alle gewillt, dass diese Prämien auch tatsächlich kommen.

Warum die ungleiche Aufteilung zwischen den Tierarten?

Heinen-Esser: Einige Bundesländer wollten ausschließlich gekoppelte Prämien für Schafe und Ziegen. Das lehnen wir ab. Wir haben unsere Zustimmung davon abhängig gemacht, dass auch Mutterkuhhalter eine gekoppelte Prämie erhalten. Vereinfacht ausgedrückt ergibt sich die Förderhöhe, indem...


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