Milchmarkt

Heumilch – mehr als ein Marketingbegriff

Heumilch ist eine Nische, die die Gläserne Molkerei besetzen will. Worauf es beim Grünland-Management und bei der Heutrocknung ankommt, war Thema bei einer Informationsveranstaltung in Sachsen.

Die Gläserne Molkerei sieht Potenzial im Heumilchsegment. Der Bio-Milchverarbeiter mit Standorten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg hat inzwischen acht Heumilchlieferanten. „Seit 2016 gibt es einen EU-Standard, vorher galt das Wort ‚Heumilch‘ als reiner Marketingbegriff“, erklärte Frank Wetterich bei einer Informationsveranstaltung zu dem Thema in Sachsen. Die Gläserne Molkerei war die erste Molkerei in Deutschland, die nach dem Standard zertifiziert ist, so Wetterich.

6 Cent Zuschlag

Die Verordnung gibt unter anderem vor, dass keine Silage und andere feuchte Futtermittel gefüttert werden dürfen. Der Milchverarbeiter ergänzt die Vorgaben für seine Milcherzeuger mit den Vorgaben bio-zertifiziert und Verbandsmitglied sein zu müssen. Außerdem müssen die Kühe in Laufställen untergebracht sein und Weidegang haben. Dafür erhalten die Heumilchlieferanten einen Zuschlag von 6 ct/kg Milch.

„Die Heutrocknung spielt für die Erzeugerbetriebe und auch für uns eine große Rolle“, erklärt der Leiter Team Landwirtschaft. „Am Boden getrocknetes Heu reicht von der Qualität oft nicht für die Milchkuhfütterung“, so seine Botschaft. Dr. Edmund Leisen, Grünlandberater von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen bestätigte das: „Schlecht gewonnenes Heu kann eine Bombe für Chlostridien sein.“ Das wirke sich nicht nur negativ auf die Tiergesundheit, sondern auch auf den Reifeprozess von Käse aus.

Flächen-Historie beachten

Er wies darauf hin, dass viele Faktoren den Ertrag und die Qualität bei der Heugewinnung beeinflussen: „Wir haben keine Reinsaat wie bei Getreide, sondern in den meisten Fällen artenreiche Mischungen.“ Für Landwirte ist es deshalb wichtig, die Bodenart, die Nährstoff- und Kalkversorgung, den Humusgehalt sowie die Fruchtbarkeit im Blick zu haben. „Führen Sie sich vor Augen, welche Geschichte die Fläche hat“, appellierte der Grünland-Experte. Nach Getreide kommt nach seiner Erfahrung ein kleereicher Aufwuchs. Nach Kartoffel komme dagegen fast nur Gras durch. Er empfiehlt, Nachsaaten nur bei Bedarf vorzunehmen. Auch Neuansaaten sollten nur im äußersten Notfall angewendet werden. „Für eine gute Grünlandqualität sind einzelbetriebliche Tests unumgänglich“, appellierte er und ergänzte: „Graben, nicht reden!“

Tipps für Heutrocknung

Tipps für die richtige Heutrocknung gab Matthias Barth von der Karl Barth AG aus der Schweiz. Zunächst einmal sei es wichtig, ein Konzept zu erstellen. „Die erste Frage, die sich Landwirte dabei stellen müssen ist, wie viel Trockenfutter konserviert werden muss“, so der Anlagenbauer. Weitere Fragestellungen sind, wo die Heutrocknung stattfinden soll. „Möglich ist es in Altgebäuden, Neu- oder Anbauten“, erklärte er. Die Sonnendachausrichtung spielt bei der Heutrocknung eine entscheidende Rolle. „Das Ziel bei der Heubelüftung ist, das Futter in drei Tagen zu trocknen. Dann erreicht man eine gute Qualität“, so seine Erfahrung. Wichtig sei, dass das Heu locker aufgeschichtet ist, sodass die Luft gut zurkulieren kann. „Wind sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstandes. Deshalb muss alles gleichmäßig aufgeschichtet sein.“ Sein Tipp: „Wenn die Luft kühler aus dem Heustock austritt als sie eingetreten ist, dann trocknet das Schnittgut.“