Lieferbeziehung und Milchmarkt

ife-Bericht für BMEL: Die Milchmenge planen und steuern? Premium

Auszüge aus dem Abschlussbericht des ife-Instituts zum Thema "Mengenplanung und Mengensteuerung auf Molkereiebene".

Es gibt keinen Königsweg, die Milcherzeuger in der Wertschöpfungskette zu stärken und den Milchsektor krisenfester zu machen. Dieses Fazit lässt sich aus dem Abschlussbericht des ife-Instituts für Ernährungswirtschaft mit dem Titel „Übersicht, Ableitung und Bewertung von in der Praxis umsetzbaren Mengenplanungs- und Mengensteuerungsmodellen auf Molkereiebene“ ziehen.

Der 62-seitige Bericht liegt top agrar vor. Autoren sind Holger D. Thiele, Henrike Burchardi und Mareike Träger. Auftraggeber ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Als Schlussfolgerung aus ihrer Analyse halten die Autoren fest:

  • Jede Molkerei sollte betriebsindividuell prüfen, welches Modell geeignet ist, die einzelbetriebliche Verwertung z.B. in Überschusssituationen zu verbessern und einen wirklichen Beitrag zu höheren und/oder stabileren Milchpreisen für die eigenen Milchlieferanten zu leisten.
  • Bei der Prüfung der Modelle durch die Molkereien ist deren Heterogenität und Vielfalt der Milcherzeugerstrukturen und der regionalen Gegebenheiten zu berücksichtigen.
  • Die Diskussionen, Meinungsbildungen und Umsetzungen zur weiteren Verbesserung und Anpassung der Lieferbeziehungen sollten in den Molkereien, wie bereits in den vergangenen Jahren, weiter intensiviert werden.
  • Die deutschen Molkereien sollten die Genauigkeit ihrer Milchmengenplanungen deutlich verbessern, um einzelbetriebliche Mengensteuerungs- und Festpreismodelle überhaupt betriebswirtschaftlich einschätzen und bewerten zu können.
  • Für die Mehrheit der Molkereien mit flachen Verwertungskurven sind Preisdifferenzierungsmodelle zur Mengensteuerung ungeeignet.
  • Temporäre Preisdifferenzierungsmodelle eignen sich in Überschusszeiten, sind aber sehr genau vorab in jeder Molkerei auf die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit und Vorteile für den Milchpreis zu prüfen.
  • Festpreissysteme helfen bei der Verringerung der Preisunsicherheit und sollten mehr als bisher von den Molkereien geprüft werden.
  • Bei den Verkürzungen von Kündigungsfristen sind damit einhergehende mögliche Kosten auf der Molkereiseite zu berücksichtigen, die dann negative Milchpreiskonsequenzen haben.
  • Marktinformationen über einen längerfristigen zukünftigen Zeitraum sollten verstärkt für die Milcherzeuger angeboten werden.
  • Bei der Flexibilisierung der Lieferbeziehungen durch vermehrte Angebote an schuldrechtlichen Verträgen sollte nicht vernachlässigt werden, dass ein sehr großer Teil der Milcherzeuger hohes Interesse an einer Abnahmegarantie der Molkerei hat.

Zusammenfassung der Studie

Im Folgenden veröffentlichen wir die Zusammenfassung des Papiers im Wortlaut:

Vor dem Hintergrund der Diskussionen zur Modernisierung der Lieferbeziehungen zwischen den Rohmilchlieferanten und den Molkereien ist das Ziel dieser Studie aufzuzeigen, ob bzw. welche in der Praxis umsetzbare mengenplanende und mengensteuernde Regelungen von der Milchwirtschaft bereits getroffen wurden und wie diese besonders mit Blick auf die Stärkung der Milcherzeuger in der Wertschöpfungskette und auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Milchmenge und die Krisenfestigkeit des Milchsektors zu bewerten und auszugestalten sind.

Auf Basis eines mikroökonomischen Grundmodells wurde im Rahmen der ökonomischen Grundlagen zu Milchmengenplanung und –steuerung auf Molkereiebene verdeutlicht, dass es bei begrenzten Verarbeitungskapazitäten ein hohes betriebswirtschaftliches Interesse in jeder Molkerei gibt, die Milchanlieferungsmengen möglichst genau zu planen und zu steuern. Über die Milchverarbeitungsmenge steuert die Molkerei den Gewinn bzw. den Milchpreis inklusive eines enthaltenen Gewinnaufschlags und trägt zur Preisstabilisierung bei.

Mengenplanung und Mengensteuerung der deutschen Molkereien

Der Schwerpunkt der bisherigen Forschungsarbeiten liegt auf der Analyse der Präferenzen von Milcherzeugern zu den Milchlieferbeziehungen. Den Analysen zufolge möchte die Mehrheit der Milchlieferanten keine Festschreibung der Milchproduktionsmengen. Je nach Betriebsstruktur und Region gibt es unterschiedliche Vorstellungen der Milcherzeuger zu Mengensteuerungsmaßnahmen der Molkereien. Kleinere und mittlere Betriebe ebenso wie größere Wachstumsbetriebe im Westen Deutschlands lehnen mengensteuernde Maßnahmen eher ab als größere und spezialisierte Betriebe insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern.

Eine Erhebung zu den Präferenzen von Molkereien aus dem Jahr 2014 zeigte, dass die Molkereien seinerzeit mehrheitlich davon ausgingen, nach Ende der Milchquote die vollständige Abnahme der Milch bzw. keine mengensteuernden Maßnahmen durchzuführen. 57 % der Molkereien wollten zumindest für einen Monat im Voraus Festpreise festlegen. 29 % sahen die Notwendigkeit zu mehr Milchpreissicherung für die Erzeuger.

Einer Befragung des deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) im Jahr 2016 zufolge, haben die deutschen Genossenschaftsmolkereien im Jahr 2016 eventuelle rechtliche Änderungen der in Genossenschaften praktizierten ...

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Artikel geschrieben von

Patrick Liste

Redakteur Rinderhaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Dieter Müller

Die Kosten für diesen Bericht konnte man sich sparen, weil nur von Deutschen Molkereien die Rede ist.

Es ist doch völlig daneben, ob und wie Maßnahmen von den Deutschen Milchverarbeiter, im Krisenfall evtl. durchgeführt werden. Wirkung bei unterirdischen Milcherzeugerpreisen kann nur europaweit erreicht werden. Wären in der letzten Krise 2015/2016 ausschließlich Mengenreduzierungsprogramme in Deutschland gefahren worden, dann hätten sich die Milchpreise weiter bei ca. 23 Cent festgesetzt. Warum Frau Klöckner ein Gutachten in Auftrag gibt, bei dem nur inländische Möglichkeiten geprüft werden, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Fakt ist, dass wir eine europäische Monitorungstelle dauerhaft installiert haben und im Krisenfall auch obligatorische EU-Maßnahmen gefahren werden müssen. Das Geld für dieses Gutachten wäre in anderen Bereichen sicher besser ausgegeben worden. Vielleicht bei der Beschaffung, oder Instantsetzung von Flugzeugen, damit unsere Politiker/innen nicht noch öfter, wegen Pannen, ihre Termine nicht einhalten können.

von Paul Lieb

Wer beginnt???

welche Molkerei empiehlt, oder gar beschließt zuerst, das ab nächsten Monat jeder Milcherzeuger 1% oder 2% weniger anliefern darf? Die eine Molkerei ist mit guten Markenartikel noch gut im Geschäft, während die andere schon Milch auf dem stark gesunkenen Spotmarkt verramschen muss? Und dann noch der Druck, jedes Jahr Markt- anteile zu errobern! Die Molkereien sind doch an einem günstigen Rohstoff interessiert. Nein, die werden es nicht in unserem Sinne richten!

von Matthias Zahn

Mengensteuerung!?

Wenn man jede Molkerei für sich nimmt, wird die Luft dünn..... Was aber solche Studien nicht berücksichtigen (können) ist diese Tatsache. Würden alle Molkereien zu beginn der Krise reagieren würden kleine Mengenänderungen eine große Wirkung haben. Da aber immer erst mit Mengenrückführungen begonnen wird wenn der Milchmarkt mausetot ist, wird die Menge die reduziert werden muss immer größer. Das Problem ist nicht, dass es nicht machbar wäre, sondern dass man schon reagieren müsste wenn der Preis noch "gut" ist. 1,2, 3 % der Tagesmenge weniger würden reichen. Aber da will ja jeder melken. Dann kommt "Gier frisst Hirn" ins Spiel und alle zahlen am Ende durch schlechte Milchpreise mehr drauf als sie ein halbes Jahr vorher noch mit den 3% Mehrmenge verdient haben...... tolle Rechnung!

von Gerd Uken

Mag Zufall sein

Das da gerade das Friesland Campina Sammelfahrzeug her halten musste- die haben seit 1.1.eine angepasste Mengensteuerung auf Molkereiebene.

von Hans Nagl

Mengensteuerung auf andere Art.

Dünge Vo, Volksbegehren Rettet die Binnen, Dürre wie 2018. Wenn es mit Vernunft nicht geht, dann kommen andere ins Spiel.

von Hans Merk

Ewig langer Schmarrn

Kurzform: Mengensteuerung durch die Molkerei. Wer nicht spurt oder den richtigen Freund im Vorstand hat ist angeschissen. Die Molkerei hat das geschafft was nie hätte passieren dürfen: Quote weg und nun Quote bei der Molkerei. Danke an alle die dazu beigetragen haben!

von Gerd Schuette

Die Studie wurde in Auftrag gegeben um über die Umsetzung des Artikels 148 zu entscheiden...

Damit das BMEL evidenzbasiert über die nationale Anwendung des Artikels 148 der GMO zu den Vertragsbeziehungen im Sektor für Milch und Milcherzeugnisse entscheiden kann, ist eine aussagekräftige Bestandsaufnahme in Form einer zu erstellenden Studie dahingehend angezeigt, ob bzw. welche in der Praxis umsetzbaren mengenplanende/ -steuernde Regelungen von der Milchwirtschaft bereits getroffen wurden sowie wie diese besonders mit Blick auf die Stärkung der Milcherzeuger in der Wertschöpfungskette

von Rainer Hoffmann

Mengensteuerrung JA

Nur wie u auf Wesen Kosten ?, so ist die Zusammenfassung des Ellen langen Textes. Steuerung über Rausschmiss oder nicht Aufnahme von neu Mitgliedern,fast so wie das Leiharbeit System ,da früher die Firmen an guten Mitarbeitern festgehalten haben u Durststrecken überwanden u heute eben dieses unsoziale System praktizieren ,wie es eben tagtäglich von vielen Verantwortlichen vorgelebt wird ,eben NACHHALTIGKEIT pur ,das Wort was immer so gern genutzt wird um sich zu profilieren in der Politik.

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