Immer mehr Bio-Milcherzeuger geben auf

Der Markt für Biomilch wächst und die Milchpreise waren in den vergangenen Jahren deutlich über denen, die die konventionellen Milchbauern bekamen. Viele Bauern wechselten in die Ökoschiene. Wenn man der Zeitung Die WELT glauben kann, herrscht nun aber ein Überangebot an Biomilch.

Rind in den Alpen (Bildquelle: Deter)

Der Markt für Biomilch wächst und die Milchpreise waren in den vergangenen Jahren deutlich über denen, die die konventionellen Milchbauern bekamen. Viele Bauern wechselten in die Ökoschiene.
 
Wenn man der Zeitung Die WELT glauben kann, herrscht nun aber ein Überangebot an Biomilch, weshalb einige bayerische Biomilcherzeuger Absatzprobleme hätten. Immer mehr müssten die Landwirtschaft einstellen, heißt es. Als Beispiel berichtet die Zeitung vom Hof von Maria Mayer aus dem oberbayerischen Petting, einem kleinen Ort nahe Traunstein.

Das Problem: Sie hätten ihren Milchbetrieb auf Bio umgestellt, ohne einen Vertrag mit einer Molkerei fest in der Tasche zu haben. Nun würden sie die Milch nicht los. Deutschlandweit hätten die Molkereien im Januar und Februar 8,9 Prozent mehr Biomilch verkauft; bei Milchmischgetränken sei der Anteil um 14,3 Prozent gestiegen. Mehr als die Hälfte der Biomilch wird in Bayern produziert. Und doch blieben Landwirte im Freistaat mittlerweile auf ihrer Milch sitzen, denn das Angebot übersteigt die Nachfrage. Auch bei Bio-Joghurt, Käse und Butter gehe der Absatz zurück, so die WELT.

Viele Molkereien hätten inzwischen einen Aufnahmestopp verhängt. Die Milchwerke Berchtesgadener Land beispielsweise hätten derzeit 100 Anwärter. Bei ihnen handelt es sich entweder um Mitglieder der Genossenschaft, die darauf warten, auf bio umrüsten zu können. Oder – und hier wird es problematisch – es sind externe Betriebe, die bereits umgestellt haben und dringend einen Abnehmer suchen. Sie könnten jetzt froh sein, wenn sie ihre Milch bei einem konventionellen Vermarkter loswerden – zu deutlich niedrigerem Preis, erklärt die Zeitung weiter.

Laut Markus Seemüller, Geschäftsführer der Milcherzeugergemeinschaft MeG Bayern, seien Betriebe im Alpenvorland besonders stark betroffen, da in dem milchstarken und kleinteilig strukturiertem Gebiet die Umstellung leichter ist als weiter im Norden, wo es viele Mischbetriebe gibt. „Auf der einen Seite fordern Politiker, dass stärker auf bio umgestellt wird, und auf der anderen Seite fehlen die Abnehmer“, schildert Seemüller das Dilemma. Er rät Erzeugern dringend, nur umzustellen, wenn sie bereits einen Vertrag mit einer Molkerei abgeschlossen haben.

Ausschlaggebend für den jetzigen Überschuss an Biomilch war der Preissturz von konventioneller Milch in den Jahren 2015/2016. Damals sank der Durchschnittspreis für einen Liter Milch auf 23,4 Cent – rund 40 Cent sind nötig für eine kostendeckende Produktion, erinnert die WELT. Der Biomilchpreis dagegen hielt sich stabil bei rund 48 Cent pro Liter. „Es gab eine regelrechte Umstellungswelle“, sagt Johannes Enzler von der Landesanstalt für Landwirtschaft. Unterstützt habe diesen Trend auch die erhöhte Umstellungsprämie.

Einen zwischenzeitlichen Hoffnungsschimmer hätte die Berliner Milcheinfuhrgesellschaft (B.M.G.) dargestellt. Sie bot einen vernünftigen Preis. Im Februar dieses Jahres folgte jedoch die Insolvenz. Von heute auf morgen standen in Bayern 15 Biomilch-Erzeuger ohne Vertrieb da, bundesweit waren es über 40, dazu Hunderte Erzeuger konventioneller Milch.

BÖLW: Biomilchabsatz ist um 12 % gestiegen

Der BÖLW widerspricht diesen Darstellungen. Eine Sprecherin verweist gegenüber top agrar online auf einen ähnlichen Artikel beim Bayerischen Rundfunk. Dort heißt es: „Grundsätzlich steigt zwar auch der Absatz von Biomilch und Biokäse kontinuierlich an – letztes Jahr um 12 Prozent. Gleichzeitig aber war die Bio-Milchproduktion letztes Jahr um 16,5 Prozent gestiegen.“
 
Der BÖLW sehe in den Quartalszahlen nicht, dass der Absatz zurückginge. Das Absatzwachstum sei weniger stark. Die letzte Erhebung dazu habe der BÖLW hier bekanntgegeben: https://boelw.de/themen/zahlendatenfakten/zdf-2018/umsatzentwicklung-bei-bio-lebensmitteln-2017/
 
Fazit der BÖLW-Sprecherin: "Der Welt-Artikel ist offensichtlich schlecht recherchiert. Die Entwicklung der Bio-Milchpreise sehen Sie auf http://www.biomilchpreise.de"

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Alois Fersch

Verzerrte Darstellung

Der Titel des Beitrages klingt eher nach Stimmungsmache als nach echter Berichterstattung. Bei der beschriebenen Situation geht es nicht um "immer mehr Biobauern, die aufhören". Es geht um Neu-Umsteller in die Biolandwirtschaft, die bedauerlicher Weise keine Abnehmer für ihre Biomilch gefunden haben bzw. durch die BMG-Pleite diesen verloren haben und dadurch schon beim Einstieg in die Biolandwirtschaft vor großen Problemen stehen.

von Andreas Schmid

Ich habe gerechnet.

Die Rechnung habe ich mit einem Berater gemacht. Ich würde 18 Cent Milchpreisdifferenz benötigen um denselben Gewinn wie bisher zu erreichen. Lohnt nicht.

von Renke Renken

Ohne all die

zusätzlichen Prämien, die für umstellungswillige Betriebe gezahlt werden, würde sowieso nicht die Hälfte der Betriebe auf Biolandwirtschaft umsteigen. Normalerweise muß der Markt es richten, aber wo Politik mit Geld eingreift, läuft es in aller Regel in die falsche Richtung

von Gerhard Steffek

Bezeichnend!

Das Beispiel von dem Hof ist bezeichnend für die ganze Situation. Liegt dieser Hof doch in unmittelbarem Einzugsgebiet zweier Molkereien. Zum Einen die "Berchtesgadener Alpenmilch" in Piding und zum Anderen die Molkerei "Bergader Käsewerk". Die ist sogar noch näher (8 km). Beides hochpreisige Molkereien mit Exportmöglichkeiten nach Österreich, Italien etc. Im Umkreis von 80 km sind sogar noch 6 weitere Molkereien zu finden. Das Problem von Maria Mayer wird aber auch das sein, was sich leichtfertig unter "Strukturproblem" verstecken läßt. D.h. der Betrieb ist für diese Molkereien zu klein. Mit ein paar hundert Litern am Tag ist man nicht interessant. Es ist gerade bei den kleinen Milchviehbetrieben in Oberbayern gang und gäbe gewesen mit der Umstellung auf Bio den Betrieb noch retten zu wollen. Entweder man ging in den `Neben- oder Zuerwerb, hier war der Tourismus auch schon immer hilfreich, oder man stieg um auf Bio, falls es reichte als Vollerwerb, aber auch als Nebenerwerb. Hier konnte man dann erst recht als Biobetrieb mit "Urlaub auf dem Bauernhof" punkten. Auf alle Fälle war jedoch dieser Schritt für viele auch nur noch der "Einstieg zum Ausstieg". Es ist und war für viele nur noch der Versuch bis zur Rente sein Einkommen zu sichern. Denn seien wir ehrlich, was für Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat ein Landwirt mit 50? Die Jungen haben sich schon längst anders orientiert, da es ersichtlich war das der Betrieb zu klein ist. Somit wird es in den nächsten Jahren in allen Bereichen ein "Massensterben" unter den Betrieben geben. Allen Beteuerung und Bestrebungen unserer Grünen zum Trotz. Besonders deshalb weil sie auch noch mit ihren ganzen Forderungen immer fleißig die Sargnägel dazu beigetragen haben. Man nehme nur die neue Forderung mit dem Verbot der Anbindehaltung oder die DÜV. Letztendlich gelten die Gesetze des Marktes. Angebot und Nachfrage regeln den Markt ist hier die oberste Prämisse. Wobei nicht außer Acht gelassen werden kann das beim Geld die Freundschaft aufhört. Allen Beteuerungen zum Trotz.

von Jörg Meyer

ideologische Agrarwende ohne Markt?

Der Artikel zeigt schön die Grenzen des Wachstums von Märkten auf, die durch ideologisch motivierte Förderpolitik gestört werden. Ich kann aber hier nicht nur Politikerschelte betreiben, sondern muss auch ganz klar Herrn Plagge von Bioland und Herrn v. Löwenstein mit den Verbänden Bioland und BÖLW stellvertretend für viele andere ähnlich gelagerte Verbände nennen, die ständig eine Agrarwende fordern mit noch höhere Prämien bzw Prämienverschiebungen zu lasten der konventionellen Kollegen! Ferner fordern diese Verbände ständig zusätzliche Auflagen bzw prangern angebliche Mißstände im konventionellen Bereich an ohne dabei zu berücksichtigen, dass sie ihren eignen Nischenmarkt immer mehr gefährden, wenn sich alle immer mehr angleichen! Diese Widersprüche und der Wettbewerb um die zukünftigen Subventionen müssen ehrlich und offen auch im Berufsstand diskutiert werden, was leider, zumindest nach meiner Beobachtung, nur sehr vorsichtig geschieht! Am Ende leiden die bäuerlichen Familienbetriebe unter falschen Investitionsanreizen. Unsere Region war vor 5 Jahren bei den Führungspersönlichkeiten das Allgäu Hessens, heute werden wir Ökomodellregion (eine von sieben? in Hessen..).

von Paul Siewecke

Marktgesetze gelten auch bei Öko...

dessen muss sich jeder umstellungswillige Landwirt bewusst sein! Kann bei örtlichem Überangebot die konventionelle Schiene noch ausreichend in den Export abschieben (dann aber zu Dumpingpreisen), geht das bei Öko nicht wirklich! Einfach drauflosproduzieren nach dem Motto, Ich werds schon verkauft bekommen, das geht oft nicht gut. Hier hilft aber die Mitgliedschaft in einem Verband mit verbandseigener Marktgesellschaft sehr gut weiter! Man muss aber auch zwingend kommunizieren, woran Bedarf besteht und die Abnahme auch vertraglich absichern... Dann kann man auch von den meist höheren Preisniveaus der Verbände profitieren!

von Henrik Plaas-Beisemann

Märkte müssen sich entwickeln, man kann diese nicht von oben verordnen!

Also liebe Politiker immer langsam mit den jungen Pferden. Wer mit Gewalt 20% Biobetriebe erzwingen will, macht es dem Biobetrieben schwer. Am Ende wird das 20% Ziel nicht nachhaltig oder wie beim Renate-Künast-EU-Biosiegel über Importe und starken Strukturwandel erreicht.

von Bernhard Klein-Schmeink

Ich kann nur davor warnen noch mehr auf Bio umzustellen dann ist auch dieser Markt kaput. Das gleiche passiert mit den ganzen Tierwohlprogrammen der Verbraucher fordert alles will aber nicht dafür bezahlen. Auf den Kosten bleibt der Landwirt sitzen. Schade das unser Eigener Verband dies nicht merkt oder nicht wahrhaben will. Von der Politik kann man nicht viel erwarten da fehlt der Sachverstand. Die spielen lieber im Sandkasten und zanken sich oft um ein Förmchen. Armes Deutschland !!!

von Wilhelm Bee

Bayern? Regional?

Warum liefern bayerische Landwirte Biomilch nach Berlin? Regional wird doch im Süden so groß geschrieben. Naja, es reicht ja, wenn man mit "Regional" die Erzeugnisse der "Großagrarier" ausbremsen kann.

von Werner Kriegl

Fake News der Welt!

Ironie on***** In allen Umfragen kommt doch immer das Ergebnis, der Verbraucher ist bereit mehr für die Lebensmittel auszugeben wenn es "bio" ist. Außerdem würde eine große Mehrheit der Verbraucher solche Lebensmittel bevorzugen. Daher kann es sich hier nur um Fake-News handeln...*****Ironie off

von Wilhelm Gebken

Auch die mit Allmachtsfantasien ausgestattete bürokratische Planwirtschaft der Grünen kann die Marktgesetze nicht aushebeln.

Nur für die Produkte die der Verbraucher auch tatsächlich haben will, kann ein kostendeckender Preis erzielt werden. Allerdings leben wir seit ca. 30 Jahren in einer Experimentalrepublik in der einige wenige glauben, dass sich der Markt durch Moral und zwar durch die uns allen "geistig überlegene Moral des Gutmenschentums" ersetzen lässt. Die Rechnung dafür erhalten wir zur Zeit in kleinen Dosierungen, als Warnung für die Zukunft. Wenn wir den Glauben dieser Irren nicht endlich wieder durch Vernunft ersetzen wird der Weg wieder einmal direkt in die Hölle führen. P. S.: Es tut mit vor allem um die Betriebe leid, die nach der Milchpreiskrise noch mal allen Mut zusammen genommen haben, den Versprechungen der in der Regel anderweitig vollalimentierten Bessermenschen geglaubt haben und die jetzt vor den Scherben ihres Generationenvermögens stehen.

von Christian Bothe

Als Verfechter einer konventionellen industriellen Landwirtschaft bedaure ich das, weil ich weiß mit welchem Engagement die Biolandwirte versuchen mit der konventionellen LW Schritt zu halten. Ich habe schon mal an anderer Stelle gesagt: den Verbraucher interessieren in erster Linie Preis und die Sonderangebote. Leider ist das so und betrifft alle landwirtschaftlich erzeugten Produkte jeglicher Couleur. Deshalb müssen die Betriebe möglichst kostensparend produzieren, um die notwendigen DB zu erreichen. Interessant wird es momentan, wenn die Erntekampagne abgeschlossen ist, und Verträge mit dem LEH gemacht werden...

von Willy Toft

Es wird nicht genug nachgefragt!

Der Preis für Biomilchprodukte muss höher sein, wird aber nicht an der Ladenkasse honoriert! Unsere Geiz-ist- Geil- Gesellschaft hat für hochwertige Nahrungsmittel nicht die finanziellen Mittel über, leider! Die Forderungen uns gegenüber sind immens, nur bezahlen will es Keiner. Das ist bei allen mit höheren Auflagen produzierten Produkten so, und macht eben auch nicht vor Bioprodukten halt. Nahrungsmittel sollen nichts kosten, dass wird uns jeden Tag vor Augen geführt!!!

von Bernd Croonenbroek

Ja wie kann das den !!!

Vor einigen Tagen habt Ihr noch berichtet das immer mehr auf Bio Umstellen ????????? Zum Beitrag Bioverbände werben bei Konventionellen Landwirten ( geht es also doch nur um Mitgliederbeitrag ). Angebot trifft auf Nachfrage !!! Bei den Bio`s ist es ja so, die Profitieren noch einige Jahre von der Konventionellen Zeit des Ackerlandes, biss der Boden so ausgelaugt ist und dort die Erträge um bis zu 80% einbrechen. Das kann man gerade jetzt sehen bei der Trockenheit, fahren Sie mal bei einem Biobetrieb vorbei, dort seht Ihr nur Steppe und nebenan noch alles grün ist.

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