Interview

Initiative Milch: "Ohne Milch? Ohne mich!"

Die Initiative Milch ruft zum Dialog auf und will sich für Kuhmilch stark machen. Kerstin Wriedt ist die Geschäftsführerin und spricht im Interview über Ziele und Herausforderungen.

Kerstin Wriedt setzt sich als Geschäftsführerin der Initiative Milch für das Image ein. Bei der Werbung setzt sie auf Influencer, die ein Grundlagenpapier mit Experten der Verbände an die Hand bekommen. Ziel ist, Milch zu einem Lifestyleprodukt zu machen. Allerdings rechnet sie auch mit Kritik.

Frau Wriedt, was genau steckt hinter der Initiative Milch?

Wriedt: Die Initiative Milch will sich für die Milch stark machen. Bisher gibt es kein bundesweites Organ, das mit einer einheitlichen Stimme über Milch in Richtung Verbraucher spricht. Wir wollen Kräfte bündeln, uns in Gespräche einbringen, sachlich aufklären, aber auch emotional erzählen. Bisher urteilen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Kritiker über die Milch, ohne dass jemand etwas dagegen setzt. Das ist gefährlich, weil sich die öffentliche Meinung insbesondere über die Google-Suche oder Soziale Medien bildet. Die Milch muss also auch im digitalen Raum lauter werden.

Wer hat die Initiative Milch ins Leben gerufen und wie finanziert sich das Projekt?

Wriedt: Die Idee der sogenannten Branchenkommunikation ist während der Ausarbeitung der Sektorstrategie 2030 entstanden. Initiatoren sind also die drei großen Verbände Deutscher Bauernverband (DBV), Milchindustrie-Verband (MIV) und Deutscher Raiffeisenverband (DRV).

Die Finanzierung erfolgt auf freiwilliger Basis durch Molkereien. Sie haben sich bereit erklärt, 15 ct/t angelieferter Rohmilch zu zahlen. Es ist gelungen, rund 80% der deutschen Milchmenge dafür zu bündeln. In Summe stehen 4 Mio. € für das Projekt zur Verfügung. Die Laufzeit ist erstmal auf vier Jahre angelegt.

Was genau verbindet Sie mit dem Thema Milch?

Wriedt: Unabhängig davon, dass ich immer Milch im Kühlschrank habe, hatte ich auch beruflich schon viel damit zu tun. Ich war in einer internationalen Agentur tätig, in der ich den Food-Bereich mit aufgebaut und später geleitet habe. Dort habe ich an der Seite von Unternehmen wie Danone oder Mars gearbeitet. Es ging in dem Job um Produktrezepturen, aber auch um integrierte Kommunikation und Mediengestaltung unter anderem für Milchprodukte.

Warum sind Sie die Richtige, um Imagewerbung für Milch zu machen?

Wriedt: Mich fasziniert das schöne Produkt Milch mit der Emotionalität, dem Genuss und der Vielfalt. Außerdem reizt mich die Herausforderung, viele Akteure der Branche zusammen in eine Richtung zu bringen. Es geht darum, gesellschaftliche Fragen ganzheitlich zu beantworten.

Meine Stärke ist außerdem das Übersetzen. Also die verständliche Vermittlung von komplexen Informationen. Das habe ich insbesondere während meiner Agenturzeit gelernt. Da ich in einer Großstadt lebe, kenne ich außerdem die Bedürfnisse junger Familien und Menschen, die weit entfernt von der Landwirtschaft sind. Das halte ich für sehr wichtig, da die Zielgruppe der Initiative Milch Verbraucher sind. Dennoch ist es mir natürlich wichtig, auch die Landwirte im Blick zu behalten.

Wie gelingt Ihnen das?

Wriedt: Meine große Aufgabe ist zurzeit ein Netzwerk aufzubauen. In Zeiten von Corona ist das nicht so einfach, da keine Veranstaltungen stattfinden. Umso schöner ist es, dass im Sommer wieder persönliche Begegnungen möglich waren, wie...


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