Tiergesundheit

Kälberverluste: Wo stehen wir, wo müssen wir hin? Plus

In den vergangenen 20 Jahren hat sich in der Kälberaufzucht auf Milchviehbetrieben viel verbessert. Doch noch immer ziehen einzelne Betriebe den Schnitt nach unten. Das muss sich ändern.

Die Kälbersterblichkeit auf Milchviehbetrieben steht in der Kritik – und das nicht erst seit gestern. Fakt ist: Der Anteil der Totgeburten und der Aufzuchtverluste liegt im Schnitt bei jeweils über 5 % der Kalbungen in Deutschland. Zugleich werden mit der Diskussion um den geringen Wert von Holstein-Bullenkälbern immer wieder pauschale Vorwürfe laut, kleine oder schwache Kälber würden vernachlässigt, da sie nichts wert seien.Doch lässt sich das wirklich so einfach zusammenfassen? Was hat sich in den vergangenen Jahren verbessert und woran müssen Milcherzeuger noch arbeiten, um die Kälbersterblichkeit auf ihren Betrieben zu senken?

Totgeburten: Luft nach oben

Der Anteil der tot geborenen Kälber lag in Schleswig-Holstein im Prüfjahr 2017/18 bei 6,8 % bzw. 3,3 % (männl./ weibl.) aller Kalbungen. Die durchschnittliche Totgeburtenrate von Färsen und Kühen unterschied sich laut Zahlen des Landeskontrollverbandes (LKV) um etwa 2 bis 4 % (Übersicht 1). In Bayern liegt die Totgeburtenrate aktuell bei 4 %. In Niedersachsen sowie in Sachsen-Anhalt kamen im vergangenen Prüfjahr laut LKV im Schnitt 7 % der Kälber tot zur Welt.

Stichprobenartige Untersuchungen des Veterinäramtes Soest (Nordrhein-Westfalen) von bis zu 14 Tage alten Kälbern in der Tierkörpersammelstelle haben ergeben, dass von 308 untersuchten Kälbern mehr als die Hälfte tot geboren wurden, obwohl sie offensichtlich geburtsreif waren. Außerdem hatten von den 150 lebend geborenen Kälbern 24 % keine Biestmilch aufgenommen. Hier sieht Prof. Dr. Wilfried Hopp vom Veterinäramt in Soest erheblichen Handlungsbedarf.

Dr. Alexandra Koch vom Tiergesundheitsdienst der Tierseuchenkasse in Sachsen-Anhalt beobachtet in Bezug auf die Totgeburtenrate in vielen Milchviehbetrieben bereits deutliche Verbesserungen. Trotzdem gilt es, weiter an den Ursachen zu arbeiten und so die Zahl der tot geborenen Kälber deutlicher zu reduzieren (siehe Kasten). Um Gründe für die Verluste von Kälbern einzelbetrieblich zu klären, müssen genaue Zahlen vorliegen, unterschieden nach Totgeburten und Aufzuchtverlusten.

Sind die Daten eindeutig?

Diese Daten werden über zwei verschiedene Wege erfasst: Im Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HI-Tier) meldet der Tierhalter innerhalb von sieben Tagen die Geburt. Die Meldung einer Totgeburt in der Datenbank ist freiwillig, da diese keine Angabe im Rahmen der Viehverkehrsverordnung ist. Ist der Tierhalter kein LKV-Mitglied, kann er die Totgeburt nur melden, wenn er sein Benutzerprofil auf „LKV-Felder“ erweitert.

Das kritisiert Dr. Folkert Onken vom Deutschen Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfung (DLQ), dem Dachverband der Landeskontrollverbände in Deutschland „Auch die Anzahl der Totgeburten sagt etwas über das Tierwohl auf einem Betrieb aus. HI-Tier setzt aber die Viehverkehrsverordnung im Sinne der Rückverfolgbarkeit um und berücksichtigt insofern nur lebend geborene Kälber“, so Onken.

Die Lücke in HI-Tier, die durch die nicht freiwillig abgegebene Meldung von tot geborenen Kälbern entsteht, können nur die LKVs schließen, indem sie fehlende Informationen über abgekalbte Kühe bei der Milchkontrolle abfragen. Es hängt also davon ab, wie genau der jeweilige LKV das erfragt. Hinzu kommt, dass etwa 15 % aller Betriebe nicht in der Milchleistungsprüfung (MLP) vertreten sind.

Aus Sicht eines LKV-Mitarbeiters sind die Angaben über die Anzahl tot geborener Kälber auch aus einem anderen Grund nicht ganz genau: „Landwirte können ein Kalb, das am dritten Lebenstag verendet und ohnehin...

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