Projekt "EiKoTiGer"

Kein Verständnis für Flächenangaben von KTBL und Thünen-Institut

KTBL sowie Thünen-Institut empfehlen in der Rindermast ein Platzangebot von 6 m2 pro Tier. Bullenmäster und Verbände sind fassungslos und befürchten einen Strukturbruch. Fachleute äußern sich dazu.

Wissenschaftler von KTBL und Thünen-Institut haben einen Orientierungsrahmen für die Eigenkontrolle des Tierwohls erarbeitet. Ziel- und Alarmwerte sollen Tierhaltern Hinweise darauf geben, ob sich die betriebliche Situation im „grünen Bereich“ befindet. Für großen Unmut sorgen die Flächenangaben für die Tiere, die man gar nicht einhalten kann, ohne pleite zu gehen. Beispiel, der Zielwert von 6 m2/Endmastbulle. Wir berichteten im November 2020.

„Nicht praktikabel“, „fachlich nicht zu begründen“, „wirtschaftlicher Unsinn“: Das waren nur ein paar Beschreibungen, die Bullenmäster bei der späteren WLV-Arbeitskreissitzung Rindfleisch für das Projekt übrig hatten. Das Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben hat nun weitere Praktiker zu ihrer Meinung befragt.

Schwächung der Wertschöpfungskette

Die Empfehlungswerte vom Projekt „EiKoTiGer“ sollen von Tierhaltern zur Unterstützung ihres betrieblichen Managements herangezogen werden. Maßnahmen, die zu mehr Tierwohl führen, sind zu begrüßen. Flächenvorgaben sind allerdings keine Tierwohlindikatoren und dürften nicht Teil des Projektes sein.

Bei einem Zielwert für das Flächenangebot von 6 m2 je Tier müssten viele Rindermastbetriebe ihren Bestand halbieren. So käme es zu einem massiven Bestandsabbau in Deutschland. Das führt zu einer Schwächung der gesamten Wertschöpfungskette. Denn die Haltung von Nutztieren und die damit verbundenen vor- und nachgelagerten Bereiche haben für die deutsche Agrarwirtschaft eine große ­wirtschaftliche Bedeutung.

Unsere genossenschaftlichen Unternehmen sind in der Futtermittelproduktion, Molkereiwirtschaft, Viehvermarktung, Schlachtung und Fleischverarbeitung sowie Tierhaltung eingebunden und bei ihrer Wirtschaftstätigkeit genau wie Landwirte auf verlässliche und umsetzbare Rahmenbedingungen angewiesen. Zudem sind Neubauten, die zur Erhaltung der Bestandsgrößen notwendig wären, bau- und emissionsrechtlich schwer zu realisieren.

Empfehlungswerte stellen eine gute Hilfestellung für Landwirte dar. Es ist aber praxisfern, einen Leitfaden zur Kontrolle zu entwickeln, der in dieser Form nicht in der Praxis Anwendung finden kann. Praktikable und machbare Maßnahmen in Form von Zwischenschritten wären wünschenswert. Der Deutsche Raiffeisenverband steht notwendigen und praxistauglichen Prozessen im Bereich der Nutztierhaltung, die zu mehr Tierwohl führen, offen gegenüber und bietet eine aktive Mitarbeit bei der Erarbeitung von praktikablen Lösungsansätzen.

Tierwohl direkt am Tier erfassen

Grundsätzlich ist die Idee hinter dem Projekt „EiKoTiGer“ sehr gut. Den Tierhaltern Orientierungswerte zur Bewertung von Tierschutzindikatoren an die Hand zu geben, die im Rahmen eigenbetrieblicher Kontrollen erfasst werden, halte ich für absolut sinnvoll. So kann eine positive Entwicklung der Betriebe in diesen Bereichen unterstützt werden.

Allerdings wurden Flächenangaben für keine andere Tierart in den Kriterienkatalog aufgenommen – nur für die Mast­rinderhaltung. Das...

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