Krisenfester mit neuen Lieferbeziehungen? Premium

Seit Jahren diskutiert die Branche über die Milchlieferbeziehungen. Das Kartellamt hat die Verträge zwischen Molkerei und Erzeuger bereits geprüft und Verbesserungen gefordert. Passiert ist wenig. Klöckner behält sich vor, verbindliche Vorgaben zu machen. Wie ist Ihre Meinung zum Thema?

Seit Jahren diskutiert die Branche über die Milchlieferbeziehungen. Das Kartellamt hat die Verträge zwischen Molkerei und Erzeuger bereits geprüft und Verbesserungen gefordert. Passiert ist wenig. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner behält sich vor, verbindliche Vorgaben zu machen.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema Milchlieferbeziehung: Alles so lassen wie bisher? Oder sollte die Politik verbindliche Milchverträge für alle Molkereien und Erzeuger vorschreiben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung mit dem Stichwort „Lieferbeziehung“ an patrick.liste@topagrar.com

PRO: "Wer zu spät kommt, den bestraft der Markt."

Prof. Dr. Sebastian Hess, Christian-Albrecht-Universität, Kiel.

Globalisierte Milchmärkte bieten für deutsche Molkereien Chancen und Risiken. Vor allem Genossenschaftsmolkereien können durch modernere Milchlieferbeziehungen ihre Wettbewerbsfähigkeit und Krisenfestigkeit verbessern. Dadurch lassen sich zwar künftige Tiefpreisphasen nicht ganz vermeiden und der Auszahlungspreis steigt nicht unmittelbar an. Aber Milchmengen und Marktrisiken lassen sich effizienter managen und Krisen vermutlich besser beherrschen.

Die aktuellen Milchlieferbeziehungen haben zwei Schwachstellen: Zum einen die uneingeschränkte Abnahmegarantie, die auch dann noch gilt, wenn die Molkereien für die zusätzliche Milch keine zufriedenstellende Verwertung mehr erzielen. Das zieht die Gesamtverwertung der Molkerei nach unten. Die andere Schwachstelle ist der gemeinschaftliche Rückauszahlungspreis. Dieser deckt die unterschiedliche Risikoneigung und Marktorientierung der Milcherzeuger nur unzureichend ab. Denn alle Erzeuger bekommen den gleichen Milchpreis – egal, ob sie auf Kontinuität und Stabilität setzen oder auf Wachstum und Risiko.

Der Ruf nach kürzeren Kündigungsfristen kann ein Symptom dafür sein, dass einige Landwirte andere Interessen verfolgen als ihre Molkerei. Darauf deutet auch eine Studie aus unserem Haus hin. Für Molkereien mit einer Kündigungsfrist von 24 Monaten und mehr gilt: Je länger die Kündigungsfrist, desto niedriger war 2015 tendenziell der Milchpreis. ...

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerd Schuette

Wenn alles bleibt wie es ist, wieso soll es dann zu anderen Ergebnissen führen als in vergangenen "Dellen"? Den Mitgliedern des MIV steht der Sinn sicher nicht nach Veränderung, sie waren ja auch nicht die Leidtragenden der Milchkrisen. Es sind wir Milchbauern, die die Zeche gezahlt haben. Wir Milchviehhalter sind es, die auf Veränderung pochen müssen.

von Hans Nagl

Grundvoraussetzung

Wir Bauern müssen akzeptieren, das ungebremste Mengen und gute gewinnbringende Preise es nicht gleichzeitig geben wird. Auf dieser Grundlage muss man nach Lösungen suchen.

von Gerd Uken

Dann kommen die Genomolkereien aber in eine Zwickmühle

Denn dann könnten sie nicht mehr allen den gleichen Preis zahlen- ist bei der Weidemilch bzw. dennanderen Programmen ja auch schon so.....VLOG,. Interessant wäre dann allerdings woraus sie den Preis errechnen wenn nur 50% über LEH abgesetzt wird, der Rest orientiert sich dann am sogenannten Weltmarktpreis u. Interventionspreis. Der Börsenpreis wird aber auch schon 1 Jahr im Voraus bekannt gegeben. Die Amerikaner verhandeln ja auch einen Jahrespreis mit ihren Abnehmern aus. Alles hängt an der Menge das sehen wir immer wieder!

von Reinhard Schnell

@uken

Es geht nicht um Jahresverträge. Es geht darum, das über 80 % der Milch über Vorkontrakte am Markt verhandelt ist. Die Milchverarbeiter verkaufen die Milchprodukte im Voraus, ohne sich den Rohstoffeinkauf ab zu sichern. Es werden Menge und Preis über einen festen Zeitraum am Markt festgeschrieben und der Milcherzeuger wird nicht daran beteiligt. Das gibt es nur ausschließlich am Milchmarkt. Das kann als Spekulation der Verarbeiter gesehen werden, und sollte verboten werden. Die einzige Sicherheit der Verarbeiter ist die Andienungspflicht und die Geschäftsanteile. Das muss aber so nicht sein. Es sollte wie in anderen Agrarmärkte üblich, immer gegengezeichnet werden. Das heißt: Wenn die Molkerei einen oder mehrere Vorkontrakte mit dem Handel oder Weiterverarbeiter abgeschlossen hat, und daraus ein Rohmilchpreis errechnet werden kann, müssen die Erzeuger gefragt werden, ob sie eine bestimmte Milchmenge zu einem festen Preis für einen bestimmten Zeitraum festschreiben wollen. Ich bin der Meinung, das Milchverarbeiter min, 80% der Vorkontrakte auf diese Art und Weise bei den Erzeugern absichern müssen. Weil das so nicht läuft, sollte der Staat hier eingreifen und die Marktteilnehmer dazu zwingen.

von Gerd Uken

@ Schnell

Mir ist nicht klar wie sie bei ihrem Modell Erzeugung der Nachfrage anpassen soll wenn sie unten 5 Jahresverträge vorschlagen? Höchstens 50% geht an LEH u. da ist Aldi immer der Preisbrecher. Wir brauchen verbindliche Absprachen über Menge Preis u. Bezahlung(148) Die NL haben ihre Menge jetzt auf 2015 Tagesmilchmenge nun bin ich mal gespannt ob sich das Fort im Preis auswirkt. Genauso kann es nicht sein das der Umrechnungsfaktor immer noch nicht angepasst wurde - die größte deutsche Molkerei rechnet ja auch mit 2 verschiedenen.

von Reinhard Schnell

Kontrakthandel mit dem Milcherzeuger muss kommen.

Um in Zukunft am Milchmarkt mitspielen zu können und nicht nur abzuliefern brauchen wir Genossenschaften die nicht nur die erhöhten Milchmengen am Markt unterbringen können sondern die auch willig sind den Markt beim Erzeuger ankommen zu lassen. Höhere Wertschöpfung ist nur zu erreichen, wenn die Erzeugung sich der Nachfrage anpassen kann. Wenn wir es schaffen dauerhaft aus dem Käufermarkt einen Verkäufermarkt zu machen. Dazu gehört es, dass Vorkontrakte zwischen Molkerei und LEH von den Milcherzeugern in Rohmilchkontrakten gegengezeichnet werden. Und es gehört auch dazu ein Milchauszahlungspreis, der die Wertschöpfung einzelner Spaten oder Spatengruppen in einem differenzierten Milchauszahlungspreis wieder gibt. Nur so lassen sich die Preis- und Mengenschwankungen glätten, was zum Vorteil aller Marktteilnehmer ist. Sich nur auf die Verarbeitung der anfallenden Milch zu konzentrieren endet für die Molkereien in einem Desaster, da ab einen bestimmten Milchpreis die Erzeugung wegbricht, schneller als mancher sich das vorstellen kann. Die Politik könnte einseitigen Kontrakthandel, wie er zur Zeit zwischen Molkerei und Handel standfindet, untersagen. Dadurch wären die Verarbeiter gezwungen, auch den Milcheinkauf über Vorkontrakte ab zu sichern. Langfristige Kontrakte bis zu 5 Jahren im Voraus können für die Landwirtschaft mehr Planungssicherheit und Liquidität bedeuten.

von Matthias Zahn

MIV dagegen!

Wie immer, der MIV ist mal wieder dagegen. Heuser und Co sollen sich bitte ein Schild malen mit der Aufschrift " DAGEGEN"! Dann brauchen sie uns in Zukunft nicht mehr mit langatmigen, nichtssagenden Statements langweilen sondern sollen einfach das Schild hoch halten und es ist alles gesagt!

von Willy Toft

Bloße Abnahmegarantien helfen uns nicht wirklich weiter, wenn der Preis nicht stimmt!

Ein Mindestpreis, über Menge und Inhaltsstoffe sollte darin vorkommen, aber da werden wir wohl lange drauf warten müssen. Man spielt mit den Existenzen der Familienbetriebe, wenn wir hier nicht bald eine gangbare Lösung mit auskömmlichen Milchpreisen hinbekommen!

von Karl-Heinz Mohrmann

Die nächste Milchpreiskrise wird kommen! Tausende Milchbauernfamilien werden wieder für immer ihre Tore schließen. Die tragen weiterhin null wirtschaftliches Risiko und lachen sich kaputt. Und die CDU/CSU wird sagen wir haben es seit 12Jahren gewusst aber wir die Politik haben in dieser langen zeit wieder besseren wissens nichts aber auch garnichts für ein Milchbauernfamilien getan. So geht Politikverdrossenheit

von Steffen Hinrichs

Natürlich brauchen wir andere Lieferbeziehungen !

Undzwar auch zur Absicherung des Erzeugers. Der MIV und die Molkereien haben uns doch auch mit der Angleichung des Umrechnungsfaktoren auf 1,03 noch immer nicht gleiches recht für alle zukommen lassen und erwarten immer höhere Standards (Nachhaltigkeit ,GVO-frei ,Tierwohl ,Weide,chlorfrei usw.) und das zum Null-tarif . Hierfür kann man nicht zu Weltmarktpreisen produzieren und bedarf dringend preisliche Aufschläge zu garantieren .

von Gerd Uken

Die Molkereien sind bekanntlich

In einer komfortablen Lage- kein Risiko, wenn die Preise runtergehen werden die Rohstoffpreise gesenkt die Marge bleibt. Friesland Campina geht ab Januar einen anderen Weg zum einen die Menge begrenzen u. zum anderen mit immer mehr Auflagen hier einen Cent mehr geben und wenn man dies und jenes macht dann bekommt man für Top Milch noch mal 2 Cent drauf. Woher kommt das Umdenken dort, zum einen wurden sie 2015 zugeschmissen mit Milch und hatten nicht die erforderlichen Verarbeitungskapazitäten , zum anderen hat man gemerkt das nicht Masse sondern Klasse die nötige Wertschöpfung bringt und man verdient nichts an Milch die nur durchgereicht wird. Herr Heuser macht es sich auch zu einfach aber die Branchenlösung soll ja kommen-sie brauchen nur etwas mehr Zeit und den Hinweis auf den Milchhändler/Molkerei hätte nicht sein müssen es sind auch schon Genomolkereien Pleite gegangen-früher.

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