Proteste

Landwirte erinnern an Milchlieferstopps vor zehn Jahren

In Frankreich und Belgien trafen sich am Wochenende Teilnehmer des Milchstreiks 2009 aus ganz Europa. Rund 3,5 Mio. l Milch verteilten Landwirte vor zehn Jahren auf ihren Feldern.

Von damals magischen Momenten spricht Boris Gondouin, Vorstandsmitglied der französischen Milcherzeugerorganisation APLI und des European Milk Boards (EMB). Der Streik sei absolut wichtig gewesen und habe allen gezeigt, dass Landwirte in der Lage sind, die Milchanlieferung auf europäischer Ebene einzustellen.

Bis zu 1000 Trecker kamen am gestrigen Montag ins belgische Ciney, um gegen die immer noch unfairen und nicht kostendeckenden Milchpreise zu demonstrieren. Erwin Schöpges, EMB-Vorsitzender und belgischer Milcherzeuger erinnert sich an die Streikereignisse vor zehn Jahren: „Eine einmalige Solidarität zwischen den Milchproduzenten und den Verbrauchern ist damals entstanden.“ Sieta van Keimpema, EMB-Vizepräsidentin, ergänzt: „Miteinander kämpfen ist der einzige Weg zur Besserung und ein Weg gegen das Bauernsterben, das wir seit Jahren sehen.“

Wie der WDR berichtet, nahmen auch Landwirte aus Deutschland an den Protestaktionen am Wochenende teil. „Auch als deutsche Landwirte wollen wir an dieser belgischen Aktion teilnehmen und uns für das gemeinsame Ziel einsetzen, nämlich einen kostendeckenden Milchpreis für unsere Familien zu erzielen“, so die Stimme eines Erzeugers.

Es seien in den vergangenen elf Jahren zwar Schritte getan worden, dennoch gebe es immer noch erhebliche Preiseinbrüche. In der Konsequenz verschwinden immer mehr Familienbetriebe. Ein Teilnehmer der Demonstration moniert: „Der Milchstreik ist schon lange her, dennoch hat sich am Milchpreis seitdem nichts verändert.“ Die Kosten aber seien weiter gestiegen.

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Artikel geschrieben von

Kirsten Gierse-Westermeier

Redakteurin

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Diskussionen zum Artikel

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von Benjamin Ziegler

Große Schande!

Nach zehn Jahren kann man sagen: Die Bilanz des Milchlieferstreiks ist verheerend. Alle Lebensmittelskandale sind vergessen, aber die Leute erinnern sich dran, dass die Bauern hochwertige Lebensmittel wegkippten. Und mit den neusten Traktoren quer durchs Land fuhren um zu jammern. Dieser Imageschaden wird uns noch lange begleiten.

von Gerd Uken

Der Spotmarkt gibt es aber her z. Zt.

Milchaufkommen ist niedriger als letztes Jahr. Spotmarktpreis um die 37 Cent Und uns gibt man 30 :-)

von Rainer Hoffmann

Ja die Politiker

Schauen zu wie ein ganzer Berufstand zur Ernährung des Volks vor die Hunde geht. Wie ist Eid nochmal den se nach Wahl schwören ?, agieren aber nur zum Wohle ihrer u weniger Gönner ihrer Geldbeutel . Auch wenn se inzwischen mit EMB Leuten reden (Milchmarkt mässig alles gekommen wie vor zehn Jahren gesagt ) hören nach wie vor auf DRV /MIV da dehren Bilanz stimmt u setzen ihren Lakeien DBV als Sprachrohr der Bauern ein.

von Egge Mansholt

Für alle die meiner der damalige Milchstreik hätte nichts gebracht

Dann wäre der Erzeugerpreis noch weiter gesunken, da wurde und wird ausgelotet, wie tief man noch gehen konnte bis die Landwirte aufmucken. Die Molkereien geben alles, das der Grundpreis nicht unter 30 cent fällt. Das ist die magische Grenze, obwohl der Markt es momentan wohl nicht hergibt.

von Egge Mansholt

Für alle die meiner der damalige Milchstreik hätte nichts gebracht

Dann wäre der Erzeugerpreis noch weiter gesunken, da wurde und wird ausgelotet, wie tief man noch gehen konnte bis die Landwirte aufmucken. Die Molkereien geben alles, das der Grundpreis nicht unter 30 cent fällt. Das ist die magische Grenze, obwohl der Markt es momentan wohl nicht hergibt.

von Gerd Uken

Ja das Rohprodukt hat „ keinen“ Wert

Die Wertschöpfung beginnt erst wenn es verarbeitet wurde. Das zu ändern daran muss gearbeitet werden. Aber ohne Bauern kein Land -ohne Land kein Brot. Letzteres braucht man täglich

von Willy Toft

Und so wirklich hat sich nichts geändert!

Alle wissen jetzt, dass Marktmacht, leichtes Überangebot und schlechte Presse auf die Preise drücken! Der einzelne Landwirt kann nichts ausrichten, anscheinend nur abwarten, aber auf was? In den anderen Bereichen der Landwirtschaft sieht es ähnlich aus, überall wird der Preis so lange gedrückt, bis am Ende viele das Handtuch werfen! Zurück bleiben einige unentwegte im Dorf, die sich selbst und deren Familien bis zur Gesundheitlichen Selbstausbeutung über die Runden retten. Dazu noch der "helfende Staat", der uns mit völlig überzogenen Forderungen und Auflagen mürbe macht, und die auch in keinster Weise honoriert werden! Herzlichen Dank.... Soll das die Zukunft der Landwirtschaft werden?

von Hermann Kamm

Das ist doch nicht nur bei der Milch so.

Sondern bei allen Produkten was die Landwirtschaft Produziert.

von Gerd Uken

Auch den Artikel 148 gibt es schon länger

Nur umgesetzt wird er nicht weil die größte Molkerei Deutschlands dagegen hält obwohl sie es war die die Sektorstrategie ins Leben gerufen hat im Januar 2018 - dauert halt seine Zeit. Jetzt geht Aldi das Fleisch aus https://www.thejournal.ie/farmers-continue-protesting-despite-agreement-4811026-Sep2019/

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