Hunderte Traktoren unterwegs

Landwirte protestieren bei Tönnies, DMK und anderen Unternehmen

Am Donnerstag waren in mehreren Bundesländern Landwirte mit ihren Traktoren unterwegs, um vor großen Unternehmen der Milch- und Fleischwirtschaft für höhere Preise zu demonstrieren.

Bauern haben am Donnerstag im Rahmen der Aktion „Schluss mit lustig“ gegen die schlechten Preise demonstriert. Aufgerufen hatten der Bundesverband Deutscher Milchviehalter (BDM), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die LsV-Milchgruppe, European Milk Board (EMB), die Freien Bauern und der MEG Milch Board.

Bauern fuhren erneut in ganz Deutschland zu ihren Verarbeitern und holten dort deren offizielle Antwort auf das vor einer Woche abgegebene gemeinsame Forderungspapier ab.

Aus den Regionen

Bauern aus dem Kreis Gütersloh haben am Donnerstag vor dem Tönnies Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück gegen die erneut gesunkenen Schweinepreise demonstriert. Sie fordern vom Konzern Antworten, wie es dazu kommt und wie es weiter gehen soll. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland zur Zeit etwa 600.000 Schweine aus den Ställen der Landwirte nicht abgeholt werden können - und es werden täglich mehr.

Ebenfalls am Donnerstag fand in der Bremer Innenstadt eine Trecker-Demo von "Land schafft Verbindung"statt, die für erhebliche Verkehrsbehinderungen sorgte. Die Polizei sprach von einem Konvoi von 500 Traktoren.
Ziel des 16 km langen Zuges war das "Deutsche Milchkontor" (DMK) in der Nähe des Bremer Flughafens. Dort wollten die Demonstranten auf zu niedrige Preise für ihre Erzeugnisse, wie zum Beispiel Milch, aufmerksam machen, meldet Radio Bremen.

Auch in ganz Mecklenburg-Vorpommern waren Traktoren unterwegs, um sich die Antworten von den großen Molkereien und Schlachthöfen zu ihren jüngst gestellten Forderungen einzuholen. Vor Molkereien in Wismar, Dargun und Altentreptow (Mecklenburgische Seenplatte) sowie dem Schlachthof in Teterow (Landkreis Rostock) und einem Pizza-Hersteller in Wittenburg (Ludwigslust-Parchim) fuhren Landwirte mit Traktoren vor, berichtet der NDR.

Video von Arla Upahl

Der Geschäftsführer der Ostseemolkerei in Wismar, Klaus Rücker, stellte sich den Bauern. Er machte aber klar, dass er nicht mehr für Milch bezahlen könne. Rücker habe den Landwirten lediglich zusichern können, dass er sich für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Milchprodukte einsetzen werde, damit der Verbraucher auch weiß, woher die Milch beispielsweise für die in Wismar hergestellte Käse kommt. Ähnlich ernüchternde Ergebnisse erwarteten die Bauern inzwischen auch von der Fleischbranche.

Hintergrund

Vor einer Woche hatten die Bauern schriftlich ihre Forderungen nach höheren Preisen für Fleisch und Milch übergeben. Sämtliche Antworten sollen bis zum 23. November ausgewertet werden, sagt Peter Guhl, Sprecher der Freien Bauern.

Besonders wichtig ist für die tierhaltenden Betriebe, dass von Seite der Verarbeiter Vorschläge kommen, wie die Mehrpreisforderungen der Bauern kurzfristig umgesetzt werden können, erklärt der BDM. Für die Betriebe, die jetzt dringend mehr Geld brauchen und nicht auf eine unbestimmte Zukunft warten können, sei das eine existenzielle Frage.

Die teilnehmenden Verbände des Milchdialogs erwarten, dass die Molkereien und Schlachtbetriebe den Druck und den Schwung der Straße mitnehmen und bei ihren Marktpartnern und Abnehmern höhere Preise umsetzen.

Die Bäuerinnen und Bauern fordern in einem ersten Schritt

    • für den Liter Milch mindestens 15 Cent mehr!
    • für das kg Rindfleisch mindestens 1 Euro mehr!
    • für das kg Schweinefleisch mindestens 50 Cent mehr!
    • für das kg Geflügel mindestens 20 Cent mehr!

Die Bauern erwarten von den Verarbeitungsunternehmen,

  • dass sie konkret darlegen, mit welchen Schritten sie die geforderte Preisanhebung kurzfristig umsetzen wollen.

  • eine Antwort darauf, was aus ihrer Sicht getan werden muss und welcher Veränderungen es bedarf, um ein deutlich höheres Preisniveau auch dauerhaft nicht nur auf dem deutschen, sondern auch auf dem europäischen Markt zu realisieren.

  • dass sie ihren Teil der Verantwortung innerhalb der Wertschöpfungskette übernehmen und alles dafür tun, dass ihre Lieferanten eine Zukunft haben.

Müller-Gruppe sagt kurzfristige Unterstützung zu

Die Müller Gruppe betonte am Donnerstag, die Ferkelerzeuger und Schweinehalter in Süddeutschland zu unterstützen. Die vom Unternehmen bereits seit Jahren gewährten Regionalzuschläge zur Förderung der heimischen Produktion würden mit Blick auf die derzeitige Situation kurzfristig deutlich erhöht.

Gemeinsam mit führenden Vertretern der Bauernverbände in Bayern und Baden-Württemberg plädiert die Müller Gruppe für einen Regionalpakt zur Krisenbewältigung am Schweinemarkt. Und auch zur nachhaltigen Stabilisierung der Rinderhaltung in Süddeutschland sollen Gespräche gemeinsam mit den Molkereien geführt werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Sinn dieser Gespräche sei auch hier die nachhaltige Förderung einer zukunftsorientierten Haltung und Vermarktung.

Laut Geschäftsführer Stefan Müller müsse allen Beteiligten aber auch klar sein, dass sich Marktpreise nach Angebot und Nachfrage richten. Ein großer Anteil des europäischen Fleisches werde am Weltmarkt zu Weltmarktpreisen abgesetzt. Zeitweise seien mehr als 20 % der deutschen Schweinefleischerzeugnisse ins Ausland verkauft worden, so Müller. Dieser Marktzugang habe auch den Erzeugern in den vergangenen Jahren hohe Preise generiert.

"Wir befinden uns in einem internationalen Markt. Die Forderung nach einer nationalen Preiserhöhung in der geforderten Form lässt sich unter den derzeitigen Gegebenheiten nicht umsetzen. Die Müller Gruppe hat trotz der Einschränkungen und Kosten den Landwirten ihre Tiere abgenommen, um einen „Schweinestau“ in Süddeutschland zu verhindern. Die zusätzlichen Belastungen wurden zu keinem Zeitpunkt an die Erzeugerseite weitergegeben", so der Unternehmer.

Die Müller Gruppe setze auf einen zielführenden Dialog. Mit den in einem ständigen Austausch befindlichen süddeutschen Bauernverbänden habe man diesen zu dem Themenkomplex bereits aufgenommen und werde ihn weiterführen. Gleichzeitig sei Ziel, in enger Abstimmung mit Erzeugern, Mästern, Verarbeitern, Verbänden, Handel und Politik zeitnah konkrete Ergebnisse zu erzielen, um mehr Sicherheit und Ruhe in die süddeutsche Schweinefleischproduktion zu bringen.


Die Redaktion empfiehlt

Bei den Protestaktionen am Mittwoch vor Molkereien haben der BDM, die AbL, die LsV-Milchgruppe, das European Milk Board, die Freien Bauern und der MEG Milch Board erneut ihre Forderungen formuliert.

Die von Milchdialog geforderte Milchpreiserhöhung um 15 Cent hält der Milchindustrieverband für unrealistisch. Potenziale sehen sie in der Vermarktung und in einer gemeinsamen Kommunikation.


Diskussionen zum Artikel

von Christian Bothe

Proteste

Ich als unterstützendes Mitglied von LsV begrüße diese Aktionen der "vereinigten" Bauern. An anderer Stelle habe ich es schon einmal gesagt, endlich ist es der richtige Adressat nämlich der Verarbeiter, welcher die Preise mit dem LEH verhandelt! Verstehe allerdings nicht,warum sich ... mehr anzeigen

von Werner Albrecht

Peinliche Aktion

Typische Reaktion des BDM und seine ihm unterstellten Töchter Unternehmen. Im Schweine Bereich absolut verständlich durch die Marktverwerfungen. Bei der Milch wird versucht die Verwerfungen in eine Krise zu lenken. Um der eigenen ewiggestrige Ideologie Nachdruck zu verleihen. Im ... mehr anzeigen

von Franz-Josef Aussel

Hohes Angebot =niedriger Preis

Das ist der Grundsatz der freien Marktwirtschaft. Bei der Milch werden „nur“15 % außerhalb der EU verkauft, beim Schweinefleisch wesentlich mehr. Also weniger produzieren und den Molkereien Druck machen. Beim DMK darf die Vertreterversammlung den Vorstand und Aufsichtsrat nicht ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Unsere Kosten sind zu hoch, wir sind nicht wettbewerbsfähig !!!!

Wenn der Staat unsere Kosten durch Auflagen, Gebote und Verbote immer weiter und schneller höher treibt, können wir nicht mehr mithalten. Wir werden verschwinden. Und aktuell stehen uns grausame Erhöhungen der Kosten durch die Auflagen der GAP und des Green Deal bevor. Wir produzieren ... mehr anzeigen

von Ahrend Höper

Verlogenheit und Volksverdummung

"Wir werden verschwinden", schreibt W. Grimm. Solange Bauern noch Mitglied in der CDU sind und in 15 Jahren nicht bemerkt haben, dass die verlogene BKin Merkel der Hauptgrund aller akuten Probleme der Landwirtschaft ist, ist ihnen auch nicht zu helfen. Dann muss er eben verschwinden?

von Gerhard Steffek

Mache dich selten, dann wirst du was gelten!

Auf nichts anderes wird es hinauslaufen. Denn solange der Verbraucher im Überfluß schwelgen kann wird sich nichts ändern. Warum auch? Aber es ist ein alter Hut, viele lernen in ihrer Einfalt erst dann etwas zu schätzen, wenn man es gehabt hat. Ist es weg dann wird gejammert ob des ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

@ Grehl

Das ist mir schon aufgefallen nur wenn man die Überschrift liest irritiert das ..... Die nächste Frage wäre was passiert wenn man jetzt diese vorgefertigten Anteortschreiben, viele gleichen sich ja im Text

von Renke Renken

Leute, überlegt mal alle zusammen,

wir möchten höhere Preise und Erlöse, mal angenommen, wir bekommen 10 ct mehr für einen Liter Milch, und dann ? Dann holen die ersten sich einen Planer auf den Hof, weil sie ihre Produktion um 30 oder 50 oder noch mehr Prozent hochfahren wollen, und dann? Wenn wir höhere Preise ... mehr anzeigen

von Werner Albrecht

Sie haben Recht

Die Quote gibt es nicht mehr. Wir haben die soziale Marktwirtschaft. Sonst haben sie im unteren Artikel absolut recht

von Hermann Kamm

Ich glaube das nur

höhere Preise bei unseren Abnehmern erzielt werden können, wenn alle Landwirte an einen Strang ziehen, dementsprechend zusammen halten und alle miteinander für vier bis acht wochen einen knallharten Lieferstreik durchziehen. Auch wenn es richtig für manche weh tut.

von Gerd Uken

Müllergruppe

Da ist es etwas irritierend denn Theo Müller ( Weihenstephan) stand den Landwirten nicht zur Verfügung. Genauso die Presseveröffentlichungen des MIV - keiner hat von Pachten gesprochen da sind sie gar nicht gefragt worden, sondern es ging um Wertschöpfung der Milch und ... mehr anzeigen

von Markus Grehl

Müllergruppe

Die Müllergruppe hat nichts mit Milch zu tun. Hier handelt es sich um Schlachtbetriebe. Die Muttergesellschaft ist Müller Fleisch in Birkenfeld. Die anderen Betriebe sind in Ulm, Bayreuth und Ingolstadt.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen