Milchlieferbeziehung und Artikel 148

Milch Board-Studie: Verträge sind die Lösung für Milcherzeuger

Die MEG Milch Board hat eine Studie zu den Milchlieferbeziehungen in Auftrag gegeben - und fordert jetzt Verträge für alle Milcherzeuger.

Kurz vor Beginn der Agrarministerkonferenz in Landau rückt die MEG Milch Board das Thema Milchlieferbeziehung wieder in den Fokus.

Sie hat das Beratungsunternehmen Lademann & Associates GmbH (L&A) aus Hamburg beauftragt, die Auswirkungen der derzeitigen Lieferbedingungen auf den Wettbewerb auf dem Markt für Rohmilcherfassung in Deutschland zu untersuchen und Eingriffsmaßnahmen zu prüfen. L&A hat in dem 37-seitigen Bericht folgenden Ergebnisse herausgearbeitet:

• Eine vollständige Andienungspflicht bei gleichzeitiger Abnahmegarantie, die noch immer prägend für einen Großteil der erzeugten Rohmilchmenge gilt, führt zu einer Marktverschließung und begünstigt Überproduktion und niedrige Preise.

• Modellhaft kann gezeigt werden, dass die derzeitige Lieferstruktur, die die Molkereien in die Lage versetzt, ohne die vollständige Berücksichtigung der Erzeugerkosten die angediente Rohmilch zu verarbeiten und abzusetzen, die Erzeuger deutlich schlechter stellt als in einer Situation, in der Erzeuger und Molkereien über Preise verhandeln, bevor die Molkerei beliefert wird.

• Durch die einseitige nachträgliche Preisfestsetzung der Molkereien wälzen diese die Marktrisiken auf die Erzeuger ab. Die Erzeuger sind dagegen in der inhärent schlechteren Informationsposition bezüglich wichtiger Marktinformationen zur Mengenplanung, mit der Folge, dass regelmäßig zu hohe Milchmengen auf den Markt kommen, mit dem Ergebnis, dass es zu großen Preisschwankungen auf dem Rohmilchmarkt kommt.

• Aus ökonomischer Sicht kann die Beziehung zwischen Genossenschaftsmolkereien und Milcherzeugern nach dem Prinzipal-Agent-Problem verstanden werden: (Genossenschaftliche) Molkereien, die „Agenten“, verfolgen eigene Interessen und handeln nicht im Sinne der Genossenschaftsmitglieder, den „Prinzipalen“. Gleichzeitig verfolgen auch die Erzeuger unterschiedliche Interessen, die nur durch eine für alle Akteure gültige Regulierung zum Wohle aller miteinander vereinbart werden können.

Die bestehende Marktstruktur zu Lasten der Erzeuger kann nach der Auffassung von L&A durch eine verbindliche Festlegung von Preisen und Mengen überwunden werden. Art. 148 GMO biete hier eine geeignete Grundlage und sollte über § 6a AgrarMSG so umgesetzt werden, dass der umfassende Abschluss von Verträgen bei fester Preis- und Mengenvereinbarung notwendig ist - verbindliche Preise und Mengen für alle Marktteilnehmer sollten zur Stabilisierung des Milchmarkts umgesetzt werden. Damit geht aus ökonomischer Sicht zwingend einher, dass die genossenschaftsrechtliche Andienungspflicht sowie die Abnahmegarantie durch ein verbindliches vertragliches Lieferregime ersetzt werden.

Die MEG Milch Board hat die für Landwirtschaft zuständigen Ministerinnen und Minister werden über die Ergebnisse der Studie informiert. Zudem will die Milcherzeugergemeinschaft die Forderungen nach der umgehenden Umsetzung des Artikels 148 durch eine Banner-Aktion bei der Agrarministerkonferenz in Landau unterstützen.

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Artikel geschrieben von

Patrick Liste

Redakteur Rinderhaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Matthias Zahn

@Bernd Müller

Ihre Ansätze sind nur graue Theorie. Man müsste es einfach mal probieren. Alles andere ist theoretische Zeitverschwendung. Ich verstehe immer noch nicht warum sie sich so vehement für niedrige Milchpreise einsetzen..... es wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben.......

von Bernd Müller

Herr Uken,

Gerade vor ein paar Tagen im TA veröffentlicht: Mengenreduzierung in Europa hat langfristig kein Einfluss auf den Preis...

von Gerd Schuette

Erste Reaktionen:

https://www.topagrar.com/rind/news/miv-die-preise-bleiben-trotzdem-volatil-11515898.html?utm_content=index

von Gerd Uken

@ Müller

Wer 15% am Berbrauch vorbei produziert der ist doch auf den Export angewiesen u d was besagte die Thünenstudie: Der Weltmarktpreis schlägt voll durch. Und für wen lohnt sich das nur für die exportorientierten Molkereien. Und warum hat dann R F/C in 2018 über 100 Mio an Gewinn eingebüßt?

von Gerd Schuette

und natürlich werden die Molkereien versuchen das Risiko einzupreisen. Eben das Risiko, das wir aktuell für Umme tragen.

von Gerd Schuette

Telefonat mit einem Diesellieferanten:

"Sag mal, wie läuft das bei der Milchbezahlung?" - "Oh, das ist nicht kompliziert. Stell dir folgendes vor: Du lieferst mir jetzt den Diesel und ich schau am Ende des Monats was bei mir übrig geblieben ist und sag dir dann den Preis den du bekommst." kurze Pause: "Das mach ich natürlich nicht!" - "Doch! Ich mach dir einen guten Preis: Glaube mir!" schweres Atmen in der Leitung: "Ihr seid doch bekloppt!"...

von Bernd Müller

Und Herr Uken

Auch die Industrie agiert am Markt und holt sich dort ihr Produkt wo es am günstigsten ist....

von Bernd Müller

Und Herr Uken

Auch die Industrie agiert am Markt und holt sich dort ihr Produkt wo es am günstigsten ist....

von Bernd Müller

Herr Uken

Sie haben doch gerade mit ihrer Darstellung meine Argumente bekräftigt....

von Gerd Uken

@ Willi der

Genossenschaftshedanke ist den Molkereien doch verloren gegangen- im operierenden Geschäft. @ Müller der Weltmarkt woraus besteht der denn? Siehe Schweinepreis nur weil China jetzt plötzlich wieder vermehrt kauft...... Das glezhaben wir doch auch wenn irgendwo Dürre herrscht Wenn man in NZ schon 1000 Kühe halten muss um überhaut noch vernünftig über die Runden zu kommen? ! Die Industrie macht doch auch Verträge? Warum soll das mit den Rohmilcherzeuger nicht gehen?? Wo ein Wille ist auch ein Weg. Bislang blockieren ja nur die die ihren Vorteil verlieren könnten.

von Gerd Schuette

Mit Abschaffung der Milchquote sollte mehr "freier Markt" entstehen. Verträge mit Menge und Preis sind dann ein logischer und konsequenter Schritt.

von Gerd Schuette

Durch Vorabvereinbarung von Preis und Menge wird die Milch schneller zum besseren Wirt (Molkerei) wandern. Das wirtschaftliche Risiko wird auf alle Marktteilnehmer aufgeteilt. Betriebliche Entscheidungen können besser getroffen werden: bei entsprechenden Verträgen wird die Produktion ausgedehnt bzw zurück gefahren. Die Entwicklung der Liquidität lässt sich sehr viel besser planen.

von Bernd Müller

Letztendlich

Wird die Molkerei nur den Preis anbieten können, für den sie ihr Produkt am Markt platzieren kann. Egal ob privat oder genossenschaftlich. Der Markt ist nun mal und das werden wir auch nicht mehr zurück drehen, ein weltweiter.

von Rudolf Rößle

Entscheident

wird sein von wem aus das Angebot für einen Liefervertrag kommt. Unser Milcheinkäufer wird kein Risiko eingehen und den Preis anbieten, bei dem er keinen Verlust macht. Das Wird wahrscheinlich der durchschnittliche Weltmarktpreis sein. Was passiert bei starker Überlieferung der Vertragsmenge. Saldierung mit anderen Lieferanten oder Lieferstopp. Es sollte auch ein nicht zu unterschreitender Spottmarktpreis festgelegt werden. Wird er zu niedrig keine Milchabholung mehr. Im Prinzip brauchen wir eine Verkaufsbörse mit Angebots und Nachfragepreis wie beim Quotenkauf. Die Molkerei kann niemand so einfach mal für ein Jahr wechseln, sollte eine Nachbarmolkerei mehr zahlen. Schon allein aus Logistikgründen.

von Willy Toft

@Gerd; wenn es verpflichtend sein soll, bedarf es aber vieler Änderungen im.....

Genossenschaftsrecht, die dann wieder kollidieren mit dem Genossenschaftsgedanken, den letzten Liter auch zu vergüten! Richtig ist, dass es für alle gelten muss! Wir haben auch noch industrielle Abnehmer, und wie die sich verhalten, bei den verpflichtenden Lieferverträgen, bleibt abzuwarten! Ob das Kartellamt mitmacht, können wir nur hoffen, denn sie wollen gerne den Wettbewerb erhalten! Ein gangbarer Weg wären die Lieferverträge allemal, muss nur gelebt werden!

von Norbert Post

Genossen aufgepasst!

In Zukunft wird es richtig eng für die Genossenschaften, die sich jahrzehntelang darauf verlassen konnten, dass die Bauern schon liefern. Es wird allerhöchste Zeit für eine neue Art von Genossenschaften. Die alten sollten wir an in Aktiengesellschaften umwandeln und an der Börse verkaufen. Mit dem Geld könnten wir viel viel neue genossenschaftliche Ideen unter Berücksichtigung Artikel 148 umsetzen.

von Gerd Uken

@ Willi wer spricht von freiwillig?

Das muss schon verpflichtend sein. Man kann dann ja auch fest Schreiben welches Programm man mit macht z. B. wäre dann auch ja die Ungerechtigkeit bei dem Weidemilchprogramm verschwunden. Das es funktioniert zeigt uns ja R F/C Und Übermilch wird nicht entstehen wenn sie 10 Cent weniger erlöst. Ich sehe das ganze positiv und wer expandieren will muss erst seine Molkerei fragen so wie es jetzt bei einigen MeGs auch schon gehandhabt wird. Ist die Nachfrage nicht da, dann wird auch nicht mehr Milch angenommen.

von Willy Toft

Da es bei den Lieferverträgen nur um freiwillige Vereinbarungen geht, laufen wir in die Gefahr, .....

dass nicht alle mitmachen. Die Genossen können es nicht mit "ihrem Gleichheitsgrundsatz" umsetzen, was für das Ganze aber hoch notwendig wäre! Alle Milcherzeuger müssten sich den Lieferverträgen anschließen, sonst kann es noch schlimmer werden, wie je zuvor. Wohin mit der "Übermilch" ist doch die Frage? Nur die darf es so nicht wirklich geben, weil sie nicht, oder nur schlecht bezahlt wird! Produktions- Disziplin wäre einzuhalten, weil ein zuviel an Milch auf das System drückt! Die Abnahmegarantie der Meiereien wäre gegeben! Davon die Milchbauern zu überzeugen ist wie, Eulen nach Athen tragen, nur in der Umsetzung ist sich wieder jeder selbst der Nächste! Staatliche Vorgaben in der Mengensteuerung möchte auch Keiner mehr erleben, und so wird auch hierbei der Staat nur zuschauen, wie sich die Milchwirtschaft weiter aufreibt, und die Kosten nicht mehr erwirtschaften kann. Einigkeit der Milcherzeuger, oder mutige Entscheidungen durch den Staat, könnten hier Abhilfe schaffen! Die Bündelung der Milch vor den Meiereien, wäre auch eine Lösung, nur da müssten auch wieder "alle" mitmachen! Es ist wie im Haifischbecken, so wie jetzt, kommt nur der Stärkste durch! Alle Beteiligten sollten sich fragen, ob sie etwas verändern wollen, halbe Sachen verschlimmern am Ende noch die Situation!

von Gerd Uken

Von alleine bewegt sich nichts!

Erst wurde das Kartellamt ja darauf hingewiesen das da was nicht stimmt- Zack wurden Genostatuten geändert. Welche Ausrede man jetzt wieder findet seitens der Molkereien. Ähnlich dem Umrechnungsfaktor der ja angeblich in der Milchgüteverordnung nur geändert werden kann und das dauert schon. 7 Jahre! Nun bin ich gespannt wan der 148 umgesetzt wird und vor allem wie. Danke Milchboard........

von Matthias Zahn

Super Arbeit!

Großer Dank ans MilchBoard!!!

von Hermann Bramkamp

Vernünftige Studie

Das ist ja mal eine vernünftige Studie mit der wir Milcherzeuger was anfangen können, wenn denn bloß die Politik sich die Ergebnisse zu Herzen nehmen würde und handeln würde . Aber dazu fehlt dann doch der Politik sicher wieder der Mut.

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