Borchert-Kommission

Milchbauer Tannen: „Beim Tierwohl gibt es nur Gewinner“

Der Milchexport nach Asien bietet den Erzeugern eine gute Chance, dem hiesigen Preisdruck auszuweichen. Das war ein Tenor beim DBV-Milchforum. Ein weiteres Thema waren die Borchertpläne.

Es gibt mehr Singlehaushalte, die Nachfrage nach Snackprodukten aber auch nach Regionalität und Nachhaltigkeit steigt, und Kulturkreise sowie Körperbewusste spielen bei der Nachfrage nach Milch eine große Rolle, stellt der Bauernverband aus Niedersachsen fest.

Allerdings bleibe das Preisbewusstsein trotz des hohen Stellenwertes der Milch bestehen, daher biete der Export vor allem nach Asien den Milchbauern eine gute Chance, dem hiesigen Preisdruck auszuweichen. Diese Trends kennzeichneten das Milchforum des Deutschen Bauernverbandes (DBV), das unter dem Motto „Milchwirtschaft zwischen Marktrealität und Verbraucherwunsch“ stand.

„Beim Tierwohl gibt es nur Gewinner“, nennt Manfred Tannen, der als Landvolk-Vizepräsident an der Tagung teilgenommen hat, eine der Kernbotschaften des Forums. Für den Milchviehhalter ist dabei die Tiergesundheit und damit die Langlebigkeit und Leistung, aber auch die Akzeptanz in der Bevölkerung und der Respekt für seine Arbeit entscheidend.

Die angemessene Einpreisung erhöhter Tierwohlstandards auf globalisierten Märkten bleibe jedoch ein Kernproblem. Die Vorschläge der Borchert-Kommission zum tierwohlgerechten Umbau der Nutztierhaltung hält er deshalb zwar für einen Ansatz, den man weiterverfolgen sollte, Sorgen bereitet ihm dagegen die Umsetzung. „Wie soll die Finanzierung der Stallumbauten langfristig gesichert werden?“, fragt er und macht deutlich, dass eine Absicherung und Zweckbindung der Mittel für fünf oder sieben Jahre keine verlässlichen Grundlagen sind.

„Wenn wir Borchert folgen, sind wir auf EU-Ebene ohne dieses Förderinstrument nicht mehr wettbewerbsfähig und schon gar nicht auf dem Weltmarkt“, gibt er zu bedenken. Die heutige Effizienz sei dann nur schwer wieder zurückzuholen. „Für die Landwirte ist das ein Riesenschritt – ob er in die richtige Richtung geht, ist ungewiss“, sagt Tannen.

Schon heute gebe es bei der bei der Milchmenge eine Stagnation in Deutschland. „Bei uns geben kleinstrukturierte Betriebe auf, Große wachsen nur bedingt weiter und das schon seit Jahren“, verdeutlicht er. In der EU gab es dagegen 2020 ein Wachstum von 1,2 % beim Milchaufkommen.

Die Nachfrage auf internationalen Märkten steige ebenfalls, sodass die niedersächsischen Milchbauern 2021 das erste Mal seit drei Jahren auf einen Milchpreisanstieg hoffen können. Allerdings verzeichneten die Getreide- und damit die Futtermittelpreise momentan einen starken Anstieg. Diese Mehrkosten ließen sich kurzfristig nicht auffangen und belasteten die ohnehin schon angespannte Liquidität der Höfe. „Nur um diesen Effekt auszugleichen, brauchen wir kurzfristig eine Milchpreissteigerung von mindestens zwei bis drei Cent. Kostensteigerungen durch Erhöhung von weiteren Standards, wie zum Beispiel im Umweltbereich, werden schon seit längerem nicht ausreichend entlohnt“, sagt Tannen.

Nichtsdestotrotz steht er voll hinter der Milch. „Das ist und bleibt ein tolles, natürliches Produkt, mit dem wir uns auf keinen Fall hinter pflanzlichen Alternativen verstecken müssen“, zeigt sich Tannen selbstbewusst. Mit der neuen, bundesweit gemeinschaftlich getragenen Branchenstrategie 2030 soll dieses Selbstbewusstsein mittels Imagewerbung für die Milch zukünftig allen Milchbauern zugutekommen. Denn obwohl pflanzliche Alternativen hohe Zuwachsraten im Handel vorweisen können, muss das nicht zwingend zu Lasten der Milch gehen. „Es ist Platz für Beides“, fasst Tannen zusammen.


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Viele Milchviehbetriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Ihre Forderungen: ein höherer Preis für Milch und schnelle finanzielle Hilfen. Eine Landwirtin berichtet.


Diskussionen zum Artikel

von Gerd Schuette

Produktionskosten der Milch in Niedersachsen im Jahr 2015/16 laut Kammer bei 41,17 Cent/kg

https://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/360/article/30767.html

von Gerd Schuette

Produktionskosten in S-H in 2017/18 laut Landwirtschaftskammer bei 41,19 Cent/kg

https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Landwirtschaft/Tier/Rinder_Report_2018.pdf

von Gerd Schuette

Produktionskosten in S-H in 2018/19 laut Landwirtschaftskammer bei 43,96 Cent/kg

https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Landwirtschaft/Tier/Rinder_Report_2018_2019.pdf

von Werner Albrecht

Vergiss nicht die Dürre Das hat die Futter kosten in die Höhe getrieben. Das verfälscht das Ergebnis

von Gerd Schuette

.

Borchert-Plan und Milchbörse werden gerne vorgeschoben, um nicht wirklich an die eigentlichen Probleme des Milchmarktes rangehen zu müssen. Die Marktstellung der Landwirte wird nicht verbessert und Instrumente zur Marktkrisenbekämpfung werden nicht angegangen. Statt das System Milch zu ... mehr anzeigen

von Werner Albrecht

Falsch

In Norden bei 35 Cent. In SH.

von Matthias Zahn

Das Problem der staatlichen Subvention.....

Zum einen zieht sich die verarbeitendende Industrie damit aus der Affäre eine ordentliche Wertschöpfung zu generieren. Der Beweis dafür wird jedes Jahr veröffentlicht und zeigt, dass die deutschen Molkereien im europäischen Schnitt nur gerade so mithalten können. Und zweitens wird ... mehr anzeigen

von Josef Doll

Da steht ganz

am Anfang das der Asienexport unsere jetztige Preise rettet. Und dann wird eine Verteuerung der Produktion als Gewinn für alle dargestellt . Ist dann in Zukunft noch der Asienexport wegen zu hohem Preis noch möglich? Bin ich jetzt der größte Depp oder werde ich als Depp verkauft ?

von Hans Spießl

sehr geehrter Herr Gruber

wenn sie die Einnahmen/Gewinn haben wollen wie vor den Reformen dann müssen sie Verpachten..... das ist leider die traurige Wirklichkeit.

von Karlheinz Gruber

Oder aber endlich

mal nicht nur rumjammern, sondern rechnen, rechnen und vor allem die Leute, also den Verbraucher als meinen Kunden sehen und somit bewerben. Wenn ich die Aufklärung den Grünen und den NGOs überlasse, werden selbst Sie als Verpächter oder sonst wer nicht überleben können. Ich habe ... mehr anzeigen

von Gerd Oncken

Falschaussage

Herr Tannen hat Recht. Das ein Strategiewechsel auf dem Hof Tannen stattgefunden hatte, wusste ich, nur ich dachte es wäre andersherum gewesen. Dafür entschuldige ich mich wirklich! Das tut mir leid! Ich verstehe aber nun noch weniger, warum der Weltmarkt unsere Lösung sein soll. ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Man muss das was er sagt schon zwei mal lesen..

Verstecken müssen wir uns nicht junge hochmotivierte Landwirte die jetzt allerdings begreifen das es ein weiter so wohl nicht geben kann. Entweder man kommt in die Personalfalle und arbeitet nur noch mit Polen/ Rumänen etc. Wenn man jenseits der 1000 Kühe kommt. Da wird auchvein ... mehr anzeigen

von Martin Siekerkotte

DMK

importiert Rohmilch u Konzentrate über ihre Töchter u untergräbt die eigenen genossen

von Gerd Oncken

Milchbauer

ist Tannen seit Jahren nicht mehr, da er auf Schweinehaltung umgestellt hat. Und weniger Milch auf dem Markt braucht auch keinen Export in Länder, die wenig zahlen können und damit für den LEH die Preisplattform machen. Weniger Produktion bedeutet auch weniger Gülle und weniger Import ... mehr anzeigen

von Manfred Tannen

Rufschädigung unter Berufskollegen

Wie kann ein ostfriesischer Berufskollege, wie Gerd Oncken, so uninformiert sein und solche Falschaussagen verbreiten? Im Jahre 2018 haben wir uns von der Sauenhaltung verabschiedet, um uns auf Milchvieh zu konzentrieren! Einfach nur traurig, solche unqualifizierten Angriffe.......

von Hans Spießl

sehr geehrter Herr Karlheinz Gruber

ich verstehe sie. Als damals vor mehr als 25 Jahren diese sozusagen Betriebsprämie geschaffen wurde aufgrund der extremen Preissenkungen damals für die sogg. Marktordnungsfrüchte. Der Familienbetrieb braucht ja diese Zahlungen für seine soziale ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Herr Spießl

ich gebe Ihnen Recht, aber die Zahlungen sind ein kleiner Ausgleich für das was wir jetzt schon erleiden müssen. Und Faire Preise, nun ja, diese Art der Science Fiction mag ich nicht mehr glauben. Eher noch die Zwangskollektivierung. Aber zumindest die Betitelung sollten wir den ... mehr anzeigen

von Steffen Hinrichs

Da braucht man sich leider nicht wunder ,das Milchalternativen an Bedeutung gewinnen

Wenn der DBV Futtermittelimporte ,Nitratbelastung, Fertigproduktexport fördert und dann noch von Nachhaltigkeit und Förderung der ländlichen Struktur spricht !

von Matthias Zahn

Und da ist die Möhre wieder!!!

Der Milchbauer kann gar nirgends hin ausweichen, denn er verkauft seine Milch an eine regionale Molkerei. Wenn dann muss diese das tun. Und wenn sie das bisher nicht getan hat, ist es fraglich ob sie es in Zukunft tut. Es gab da schonmal jemanden der Großspurig die Milch nach China ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Die Traumwelt in Politik und den Verbänden hält weiterhin an! Nur Einer verliert....

Das ist der Bauer, der sich jeden Tag redlich bemüht! Er/Sie setzen zu, und ob es nun mit "Auslauf", oder größere Boxen, weniger Fixierung, alles hat seine Vor- und NAchteile auch beim Tierwohl! Jeder Bauer versucht stets das Beste für seine Tiere zu aquirieren! Das Ding ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Entwicklung

wird dahin gehen müssen, dass Tierwohlindikatoren und Label nicht mehr mit der gesamten verarbeitenden Milch abgerechnet werden kann. Stufe 3 muss somit einen weit höheren Auszahlungspreis haben wie Stufe 1, den der Kunde der es wünscht auch zu bezahlen hat. Nur so kann eine gesunde ... mehr anzeigen

von Dietmar Weh

Vom Bauernverband vorgeschobener

Treuglaubender Weltmarktfetischist welcher als Milchbauer bezichtigt wird und fernab jeglicher Realität irgendwas auf nem Mistforum daherschwätzt. Fakten auf den Tisch!!!!

von Gerd Uken

Das Prinzip Hoffnung hat den Ostfriesen befallen

In 2012 sagte Herr Seiferlein schon wenn Aldi zickt gehtcdiexMilch nach China- pustekuchen die werden demnächst Selvstversorger. Wir sollen schöne neue Ställe bauen und in Betongold investieren und der DBV hat das mit ausgehandelt. Diese ganze MwSt Nummer ist ein Flopp spätestens ... mehr anzeigen

von Manfred Tannen

Kann Herr Uken lesen?

Die Probleme des Borchert Papiers sind in dem Artikel beschrieben

von Hans Spießl

Subventionen komplett abschaffen

Das Hauptproblem sind doch die Fehler der Vergangenheit. Da gibt, gab es Gelder für Nichtproduktion, Bio und diversen Bullshit Mist weil es muß.... und dann gibt, gab es Gelder für volle, extreme Produktion, weil wir beispielsweise ja so Modern ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Ich glaube nicht

dass die von Ihnen geforderte Abschaffung der AUSGLEICHSZAHLUNG welche keine SUBVENTIONENEN darstellen ( der Unterschied sollte durchaus auch den Landwirten geläufig sein und nicht die Wortwahl der NGOS übernommen werden), etwas in der Höhe der Lohnansätze oder so ändert. Wer bisher ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Terminmarkt

Schön, dass man immer mehr Situationsberichte von unterschiedlichen Seiten einsehen kann. Die Milchpreise müssten im Moment ansteigen. Warum tun sie das nicht? Das hängt mit unserem Kontraktsystem zusammen, wobei die aufnehmende Hand immer den günstigsten abschließen wird bei ... mehr anzeigen

von Kirsten Wosnitza

Glücklich reden hilft nicht, sondern schadet

Erstaunlich, wie schnell vergessen wird, was man vergessen will, um die Realität verdrängen zu können. Wie oft sind gerade uns norddeutschen Milcherzeugern schon die großen Chancen in Asien in den buntesten Farben ausgemalt worden. Wie oft hat "Wenn Aldi zickt, schicken wir die Milch ... mehr anzeigen

von Hans Nagl

Die heutige Effizienz ?

Wir sind doch auf einen Weltweit freien Markt nie Konkurrenzfähig. Man sieht doch schon jetzt das die Milchmenge in Billiglohnländer wandert. Und unsere Betriebe 5 Jahre nach Quotenende ausgelaugt sind.

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