DLG-Wintertagung

Milchbauern setzen auf Qualitätsprogramme und ständige Optimierung

Milchbauer Mirko Graff nimmt bei Arla am Qualitätsprogramm teil. Er ist sicher, dass es auch in zukunft in Deutschland Milchproduktion gibt und Premiumware auch in Asien vermehrt Käufer findet.

Es sind die ständig wechselnden Anforderungen der Gesellschaft hinsichtlich Tier-, Umwelt- und Klimaschutz, die die Milchbauern derzeit am stärksten treffen. „Wir stehen vor der spannenden Herausforderung oder dem Druck, dass die Anforderungen schneller als früher wechseln. Diesen Anforderungen müssen wir gerecht werden, aber auch darauf achten, dass sie Sinn machen, dass sie wissenschaftlich belegbar sind“, sagte Milchviehhalter Mirko Graff aus Simmerath am Mittwoch auf der DLG-Wintertagung.

Es laufe sicherlich nicht alles richtig in der Milchwirtschaft, die Bauern seien aber mit großen Schritten dabei es zu verbessern, so Graff weiter. Eine Forderung lautet beispielsweise, Kälber fünf Tage bei der Kuh zu lassen. „Es ist aber wissenschaftlich bewiesen, dass dann eine engere Bindung entsteht und dies einen Trennungsschmerz bei den Kühen zur Folge hat. Den will man auch nicht haben. Wir sind gerne bereit eines von beiden zu realisieren, aber beides gleichzeitig geht eben nicht“, so der Unternehmer, der zusammen mit seinem Bruder 190 ha Dauergründland bewirtschaftet, rund 430 Tiere, darunter 250 melkende Kühe, hält sowie eine Co-Fermentations-Biogasanlage mit angegliederten Entsorgungsbetrieb für Fettabscheiderinhalte betreibt.

Seinen Erfahrungen nach beherrschen aktuell drei Themen die öffentliche Diskussion: der CO2-Fußabdruck, Nährstofffrachten ins Grundwasser sowie das Tierwohl. An allen drei Punkten arbeite sein Betrieb.

„Die Bevölkerung hätte gerne Mindeststandards zum Beispiel für die Erzeugung von Milch: Wie die Kuh gehalten werden muss, wie sauber sie sein muss, wie viel Wasser und Licht und Platz zum Laufen sie haben muss. Das sind einfache Tierwohlkriterien, die unserer Meinung nach ein absolutes Muss sind. Die führenden Molkereibetriebe setzen auf die Standards noch einen drauf. Aus Agrarsicht ist dies der richtige Weg. Wir nehmen auf, was gefordert ist und machen uns als Produzenten vernünftige Gedanken, was man noch verbessern kann und was wirklich Sinn macht. Wir haben für die meisten Probleme eine Lösung. Dann muss aber auch klar sein, dass dies Geld kostet“, berichtete Graff.

Wo liegt die Zukunft der Milchproduktion in Deutschland?

Als einzig möglichen Weg für die Zukunft der deutschen Milchviehhaltung sieht der 36-Jährige mittel- und langfristig die Erzeugung von Qualitätsprodukten. Nur absolut hochwertige Produkte würden die Milchbauern weiterbringen.

Ins Ausland kommt man seiner Meinung nach man nicht nur mit Billigware. Auch im Mittleren Osten, in Asien oder sonstwo gebe es Kunden, die sich Qualitätsware leisten wollen und dafür bereit ist, entsprechend Geld zu bezahlen. Die Menschen im Ausland, die sich solche Produkte jetzt und in Zukunft leisten können, wollen laut Graff mehr als Standartqualitäten, sie wollen hohe Qualitäten. Dabei sei es egal, ob das Produkt hier schon verpackt und exportiert wird oder ob man ein gebrauchsfertiges Pulver erstellt, das alles enthält, um vor Ort einen hochqualitativen Käse oder Joghurt zu erzeugen.

„Dies alles muss aber auch bezahlt werden. Die Qualität, die wir liefern, muss sich im Preis wiederfinden. Man muss sich dann vielleicht auch einmal von dem einen oder anderen Markt verabschieden. Nur „immer billiger und billiger“ geht nicht mehr“, stellte der Landwirt auf der Wintertagung im Gespräch mit top agrar-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann klar.

Programm der Molkereien auch ausfüllen

Graff schilderte weiter, dass letztlich jeder Betrieb seinen eigenen Weg gehen muss. Er selbst sei bei Arla und müsse bei deren Programmen auch liefern. „Dann muss ich akzeptieren, dass sich jemand kurzfristig anmeldet, um stichprobenartig zu überprüfen, ob ich meine selbst auferlegten Aufgaben erfülle. Wenn alles vernünftig aufgestellt ist, dann gibt das Ergebnis der Kontrollen jedes Mal mir etwas für meinen Betrieb an die Hand, zum Beispiel wo ich in Sachen Klauengesundheit oder Sauberkeit gerade stehe. Dann kann ich mir überlegen, ob es ein Problem von heute ist, weil es vielleicht gerade Durchfall in der Herde gibt, oder ob ich grundsätzlich etwas falsch gemacht habe. Dann muss ich dagegen arbeiten und es verbessern. Wenn ich etwas fordere, muss ich auch liefern. Und erst dann darf ich sagen: Lieber Bürger, bezahl bitte dafür“, so der Simmerather.

Das Arla-Programm umfasst alles im Bereich Milch – von der Hygiene beim Melken, der Milchlagerung und dem Halten der Kühe bis zur Erzeugung des Grundfutters. Die Milchbranche gibt sich damit ein Auditsystem vor, das absolut lückenlos ist. Dieser hohe Standard muss von den Verkäufern dann aber auch verkauft werden, sagte der Redner.

Es wird auch in Zukunft hier Milch produziert

Graff ist überzeugt, dass in Deutschland auch in Zukunft definitiv weiter Milch produziert wird. „Ich bin der Überzeugung, dass generell jede Produktion in ihren Gunstregionen bleibt. Auf unserem Standort wird kein Ackerbau Fuß fassen, hierhin gehören Kühe. Nordeuropa eignet sich von der Witterung, den Möglichkeiten, vom Know-how und der Infrastruktur her absolut für die Milchproduktion. Viele andere Regionen in der Welt können dies nicht oder verlieren die Eignung dafür.“

Graff hat den CO2-Fußabdruck ausgerechnet, der ausdrückt, wie viel CO2 zur Erzeugung von einem Liter Milch verbraucht wird. Der liegt weltweit im Schnitt bei circa 2,5 Kilogramm CO2 pro Liter. In Nordeuropa beträgt er 1,1 Kilogramm pro Liter und auf seinem Betrieb bei 0,92 Kilogramm pro Liter.

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