Klimaschutz

Milcherzeugung und Klimaschutz vereinbaren

Können Milchviehbetriebe Umweltschutzziele mit ausreichend hoher Produktionsleistung verknüpfen? Das hat eine Studie der Uni Kiel untersucht.

Kann es gelingen, Umweltschutzziele mit ausreichend hoher Produktionsleistung zu verknüpfen und so gleichermaßen Einkommen für die Betriebe wie Gemeinwohlleistungen zu gewährleisten? Mit dieser Frage beschäftigten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau (GFO) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Auf dem Versuchsgut Lindhof an der Eckernförder Bucht entwickelte die Abteilung in den letzten Jahren Zukunftskonzepte der Landnutzung zur Milcherzeugung im Einklang mit den Schutzzielen Klimaschutz, Wasserschutz und Biodiversität. Diese Zukunftskonzepte stellten sie in einer Studie intensiveren Wirtschaftsweisen gegenüber. Das teilt die CAU mit.

Im Rahmen des EU-Projektes „Ressourceneffizienz und Managementoptimierungen in der Milchproduktion“ wurden vier Betriebe in Schleswig-Holstein für mindestens zwei Jahre wissenschaftlich begleitet. Die Forschenden haben auf den Feldschlägen die Erträge und Qualitäten der Grundfutterproduktion erfasst. Des Weiteren wurden die Stickstoffflüsse der Auswaschung mit dem Sickerwasser und gasförmige Verluste in die Atmosphäre gemessen. Darüber hinaus wurden Herdenleistungen der Milchkühe und die zugekauften Mengen an Konzentratfutter (Getreide, Raps, Soja), Dünge- und Pflanzenschutzmitteln dokumentiert.

Mit diesen Daten erstellten die Wissenschaftler eine Ökobilanz. Diese berücksichtigt alle Emissionen, die während der Produktionskette entstehen. Dazu gehören auch vorgelagerte Prozesse wie beispielsweise der Energieverbrauch bei der Herstellung von zugekauften Kraftfutter- und Düngemitteln.

Die Emissionen werden relativ zur Produktivität dargestellt. In der Milchproduktion ist der Liter Milch (unter Berücksichtigung des Eiweiß- und Fettgehaltes) die Bezugsgröße. Die Umweltwirkungen wurden jeweils bis zum Hoftor berücksichtigt.

Vier Betriebe untersucht

Die Betriebe wurden stellvertretend für vier Produktionsbedingungen gewählt:

(A) Ein intensiv wirtschaftender Stallhaltungsbetrieb mit einer Herdenleistung von ca. 11.000 Liter Milch pro Kuh/ Jahr und guter Tiergesundheit.

(B) Ein Betrieb, der mit ca. 9000 Liter Milch pro Kuh/Jahr die derzeitig durchschnittlichen Produktionsleistungen in Schleswig-Holstein abbildet.

(C) Ein Grünland-Weidebetrieb mit minimalem Mineraldünger- und Konzentratfutterzukauf, einer hohen Milchleistung aus Weidefutter, aber aufgrund des marginalen Konzentratfuttereinsatzes niedrigen Einzeltierleistungen (Modell Irland).

(D) Ein Weidebetrieb (Lindhof), wie C ohne Mineraldüngereinsatz, aber mit moderatem Konzentratfuttereinsatz (800 kg/Kuh/Jahr), einer an Weide angepassten Tierrasse (Jersey) und die Weideflächen integriert in einen Ackerbau-Marktfruchtbetrieb. Das heißt, angesäte artenreiche Klee-Kräuter-Gras-Mischungen werden für zwei Jahre beweidet und in eine Marktfrucht-Fruchtfolge integriert (Integrated-Crop-Livestock-Systems). Das führt zu einer erhöhten Kulturartendiversität.

Stickstoffüberschüsse bei Betrieb A am höchsten

Die höchste Produktivität hat Betrieb A mit mehr als 16 t Milch pro Hektar Betriebsfutterfläche pro Jahr. Hier stellen die Wissenschaftler allerdings auch die höchsten Stickstoffüberschüsse (bis zu 230 kg N /ha) fest..

Niedrige Effizienz bei Betrieb B

Die höchsten spezifischen Stickstoffemissionen (13g N/kg Milch) und Treibhausgasemissionen(1,2 kg CO2/l Milch) erzeugte Betrieb B. Damit ist er in dieser Hinsicht vergleichsweise wenig effizient.

Der Weidebetrieb C hat bei den Treibhausgasemissionen leichte Vorteile gegenüber System A (0,9 kg CO2/l Milch) und deutlich niedrigere Stickstoffüberschüsse. Das geht jedoch auf Kosten der Flächenleistung.

Betrieb D: Niedrigste negative Umweltwirkungen

Der Betrieb D produzierte trotz der vergleichsweise niedrigen Milchleistungen je ha Betriebsfutterfläche (ca. 11 t Milch/ha) die niedrigsten negativen Umweltwirkungen je Flächen- (50 kg N/ha) und Produkteinheit (5 g N bzw. 0,6 kg CO2/kg Milch). Grund für diese hohen Effizienzen ist die Anrechnung der Kleegrasvorfrucht mit den im Boden gespeicherten Stickstoffüberschüssen als „Export“ an den integrierten Marktfruchtbau. Dieser könne Stickstoffmengen in Höhe von mehr als 100 kg/ha optimal mit der Folgefrucht (z.B. Hafer) verwerten.

Flächennutzungseffizienz bei Betrieb A und D gleich

Das System D weist die gleiche Flächennutzungseffizienz auf wie Betrieb A. Wird der Flächenbedarf für die Erzeugung der vom Betrieb A importierten Konzentratfuttermengen im Umfang von knapp 3 t je Kuh und Jahr einbezogen und in Flächenäquivalenten ausgedrückt, so ist der ‚globale Flächenbedarf‘ je Liter Milch nahezu identisch zu D (A: 1,2 m²; D: 1,3 m²). Denn Betrieb D erzeugt das Futter weitgehend auf eigenen Flächen.

Öko-effizient produzierte Milch gewinnt an Bedeutung

Öko-effizient produzierte Milch wird zukünftig eine höhere Bedeutung im europäischen und globalen Wettbewerb erlangen, so schlussfolgert das Forschungsteam: Falls CO2 im Jahr 2030 60 €/t kostet, würde bei einer jährlichen Milchanlieferung von 800.000 l, Betrieb D im Vergleich zu Betrieb A einen Vorteil von 25.000 € pro Jahr erwirtschaften.

„Integrierte Ansätze bedeuten nicht, dass nun jeder Betrieb wieder gleichermaßen Ackerbau und Viehzucht betreiben muss, vielmehr geht es um mehr Diversität“, sagt Projektleiter Dr. Thorsten Reinsch. Kooperationen zwischen Milchviehbetrieben und spezialisierten Marktfruchtbetrieben in Form von gemeinsamer Flächennutzung mit weiter Fruchtfolge könne für beide Seiten Nutzen stiften.

Die Originalpublikation der Studie finden Sie hier.


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