Lieferbeziehung und Mengenregulierung

Milchmarkt: Kommen jetzt politische Vorgaben?

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will vorerst nicht über staatliche Vorgaben zu den Milchlieferbeziehungen entscheiden. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Kees de Vries befürchtet bereits die nächste Milchkrise.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner positioniert sich noch nicht zu den Milchlieferbeziehungen. (Bildquelle: Archiv)

Noch keine Entscheidung gibt es hinsichtlich möglicher staatlicher Vorgaben für die Gestaltung der Milchlieferbeziehungen zwischen Produzenten und Molkereien. Das verlautete vergangene Woche aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium.

Damit ist weiter offen, ob Deutschland von den neu geschaffenen EU-rechtlichen Möglichkeiten des geänderten Artikels 148 der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) Gebrauch machen und die Lieferbeziehungen regulieren wird.

Bekannt ist, dass insbesondere die Fachebene, aber auch die politische Leitung des Ressorts Eingriffen in die genossenschaftliche Satzungsautonomie zurückhaltend gegenüberstehen und diese allenfalls als Ultima Ratio ansehen, sollte die Branche nicht von sich aus aktiv werden. Ob dies in hinreichendem Maße erfolgt ist, soll ein Bericht zeigen, den der Direktor des Kieler Instituts für Ernährungswirtschaft (ife), Prof. Holger Thiele, voraussichtlich bis Ende dieses Jahres dem Bundeslandwirtschaftsministerium vorlegen wird. Auf dessen Basis wird Ressortchefin Julia Klöckner dem Vernehmen nach eine Entscheidung treffen.

Nächste Milchkrise kommt

Unterdessen findet der CDU-Bundestagsabgeordnete Kees de Vries mit seiner Forderung nach einer Mengenregulierung auf dem Milchmarkt weiterhin nur wenig Unterstützung. Die verarbeitende Industrie sei derzeit nicht gewillt, an einer Mengenregulierung mitzuarbeiten, erklärte de Vries nach einem milchpolitischen Fachgespräch der CDU/CSU-Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft am vergangenen Donnerstag in Berlin.

„Ob wir wollen oder nicht, wir brauchen eine Lösung dafür, was wir mit der Milch machen, die der Markt nicht kostendeckend aufnehmen kann und die mit Sicherheit zur nächsten Milchkrise führen wird“, warnte der CDU-Politiker. Seiner Auffassung nach bietet eine etwaige Anwendung von Artikel 148 GMO keinen Ausweg. Diese Option werde kaum zur Lösung der Marktverzerrungen beitragen können, sondern vielmehr zu einer Klagewelle führen, so de Vries.

Artikel geschrieben von

Patrick Liste

Redakteur Rinderhaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerd Uken

De Vries sein Modell

Ist ha nichts anderes als eine Quite die man bezahlen muss Er wird dafür keine Mehrheiten finden

von Gerd Uken

De Vries sein Modell

Ist ha nichts anderes als eine Quite die man bezahlen muss Er wird dafür keine Mehrheiten finden

von Renke Renken

Herr Müller

ganz genau genommen hat niemand gewollt, daß es zu Quotenzeiten funktioniert - zu Beginn der Quote wurde mehrfach stillgelegt und dann ganz gekürzt, zum Ende jährlich um 1% erhöht. hat doch auch gegangen. In all den Jahren war sicherlich die exportorientierte Milchindustrie so wie heute auch schon damals nicht daran interessiert, daß Bauern einen auskömmlichen Preis bekommen. Ich für meinen Teil produziere lieber 100.ooo l weniger für einen vernünftigen Preis. ich habe vor wenigen Tagen einen Vortrag von Eckart Heuser gehört - dann wissen sie, woher der Wind weht, die Landwirte gehen dem Milchindustrieverband am Arsch vorbei.

von Bernd Müller

Herr Renken

Hat doch zur Zeit der Früheren Quote nicht funktioniert. Warum sollte es jetzt anders sein?

von Rudolf Rößle

Quote

haben wir viel und teuer gekauft. Als der Markt endlich zu funktionieren scheint wird sie abgeschafft. Wie viel Milch wäre mit Quote jetzt auf dem Markt? Bestimmt 5 %+ X weniger. Uns bleibt nur die Einrichtung einer Verkaufsbörse in der wir Milchmengen anbieten und die Molkereien sie kaufen müssen. Bei einem zu niedrigen Gleichgewichtspreis drosseln die Milchviehalter dann automatisch die Milchmengen. Sonderprogramme wie Heumilch können trotzdem weiterlaufen, da diese höherpreisige Milch nicht an die Börse kommt.

von Martin Siekerkotte

Spannung

Ich bin gespant

von Eike Bruns

De Vries hat recht

148 ändern bringt nichts. Was wenn der Markt bei 28 Cent ist und die Molkereien 6, 9 oder 12 Monate fest machen wollen? Dann haben wir zwar Menge Zeit und preis fest aber kein Geld. Nein wir brauchen die zeitlich befristete Mengenbegrenzung um in Zeiten des Nachfragerückgangs gegensteuern zu können. Denn mal ehrlich welche alternative gibt es als ja zu sagen wenn die Molkereien den Preis für die Menge nicht auf das gewünschte Niveau heben... genau keine.

von Eike Bruns

trgnftmh 4qohk

RDAG H

von Gerd Uken

Wer Herrn Heuser gehört hat vom MIV

Kommt zudem Ergebnis, das nun schon 2/3unserer Milchmenge über den Export verkauft wird. Die EU war 2017 der größte Exporteur von MMP mit 691000 to. Warum sollten also die Molkereien daran interessiert sein die Menge zu drosseln? Dadurch entstehen doch nur höhere Fixkosten- die Pulvertürme drehen sich nur wenn Menge da ist. Und deren Lobby ist groß! So lange die Milchbauern sich nicht einig sind, so lange kann sich die Politik immer schön raus halten nach dem Motto macht doch erst mal selber einen vernünftigen Vorschlag. Den haben wir zwar aber leider ist er nicht vom BV und somit auch nicht konsenzfähig in deren Augen....

von Renke Renken

Eine Milchquote,

deren Wert bleibt, in Verbindung mit einem max. GV-Besatz pro ha, und alle Probleme hinsichtlich Nährstoffmanagement und Milchmenge sind gelöst - zumindest, wenn man es denn will.

von Gerd Schuette

Wenn sich nichts ändert, dann ist im Krisenfall (wann auch immer er eintritt) nicht mit einem anderen Ergebnis als in 2016 zu rechnen. D.h. die Milchbauern haben den Großteil des Risikos zu stemmen. Gleich nach einer Mengenregulierung zu rufen ist nicht nötig. Es reichen zeitlich begrenzte, mengenreduzierende Maßnahmen, die vor dem Molkereitor greifen, wie zB das Marktkriseninstrument oder ein freiwilliger Lieferverzicht gegen Ausgleichszahlung.

von Willy Toft

De Vries hat recht, Liefermengen und Mindestpreis müssten dann........

auch mit aufgenommen werden! Alles Andere macht keine Sinn, eine Regulierung des Marktes werden wir bei den Vorgaben des Artikels 148 mit den Molkereien nicht im Sinne der Milcherzeuger hinbekommen!

von Albert Maier

Leider ist Kees de Vries...

.... ein einsamer Rufer in der Wüste, von Thiele ist nicht sinnvolles zu erwarten.

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