Milchpreis 9 Cent unter Kostendeckung

Im vergangenen Quartal lag der durchschnittliche Milchauszahlungspreis rund 9 ct/kg unter den Erzeugungskosten. Das zeigt der aktuelle Milch Marker Index (MMI), den die MEG Milch Board vierteljährlich veröffentlicht. Auf dem Milchmarkt zeichnet sich die Dürre noch nicht in der Anlieferungsmenge ab.

Im vergangenen Quartal lag der durchschnittliche Milchauszahlungspreis rund 9 ct/kg unter den Erzeugungskosten. Das zeigt der aktuelle Milch Marker Index (MMI), den die MEG Milch Board vierteljährlich veröffentlicht. Auf dem Milchmarkt zeichnet sich die Dürre noch nicht in der Anlieferungsmenge ab, so das MEG Milch Board.

Der MMI gibt an, welchen Preis ein Landwirt mit der Vermarktung der Milch mindestens erlösen muss, damit alle Kosten der Erzeugung gedeckt sind und ein Einkommen gesichert ist. Im Juli 2018 hatte der MMI für Deutschland einen Wert von 104. Mit 43,28 ct/kg stiegen die Milcherzeugungskosten das dritte Quartal in Folge weiter an. Die größte Ursache dafür sind die erhöhten Futter- und Energiekosten und zugleich fallende Rindererlöse. Parallel sind die durchschnittlichen Auszahlungspreise um 1,04 ct/kg auf 34,56 ct gestiegen und konnten so das Verhältnis zwischen Kosten und Erlösen leicht verbessern. Damit fehlten im Juli knapp 9 ct zur Kostendeckung. Die Unterdeckung von 20 % weist auf die weiterhin sehr ungünstige wirtschaftliche Lage für die meisten Milchviehbetriebe in Deutschland hin.
 
Der Kostenanstieg trifft die Regionen Nord und Süd zurzeit am meisten. Hier stiegen die Erzeugungskosten von April bis Juli 2018 mit 0,57 ct bzw. 0,69 ct um rund 1,5 % am stärksten. Im Norden liegen sie mit 38,60 ct um 5 % höher als 2017. Im Süden und Osten stiegen die Erzeugerkosten im Vergleich zum Vorjahr um 3 %. Die Auszahlungspreise zogen in der Region Süd von April bis Juli 2018 mit 0,36 ct auf 35,63 ct nur noch sehr schwach an. Im Norden stiegen die Milchpreise dagegen um 1,79 ct. Bei einem Stand von 33,81 ct kann dies aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Auszahlungspreise in der Region Nord am niedrigsten sind und zudem um 3,38 ct unter denen des Gesamtjahres 2017 liegen.

Im Juli 2018 waren die norddeutschen Milchviehbetriebe durchschnittlich 4,79 ct/kg Milch von einer Kostendeckung entfernt. In der Region Nord werden aktuell 12 % der Milcherzeugungskosten nicht gedeckt, im Süden 28 % und im Osten 13 %. Die Berechnungen beruhen laut MEG Milch Milch Board auf amtlich erfassten Buchführungsdaten und repräsentieren die Mehrheit der spezialisierten Milchviehbetriebe in Deutschland.

Trotz Dürre keine Mengenreduktion
 
Die Dürre im Sommer mit teilweise extremen Ernteausfällen hat laut MEG Milch Board keine Auswirkungen auf den Milchmarkt. Im Gegenteil: Die deutsche Anlieferungsmenge liegt fast 3 % über der Vorjahreslinie. Ähnlich sieht die Situation in Frankreich, Italien und anderen wichtigen Produktionsländern aus.

Peter Guhl, Vorstandsvorsitzender der MEG Milch Board: „Die Ernteerträge schwanken regional sehr stark. Zwischen Top-Ernte und Totalausfall liegen oft nur wenige Kilometer. Vielen betroffenen Kollegen bot sich daher die Möglichkeit zum Futterzukauf. Dies hat die Betriebe zwar finanziell stark belastet - was wir übrigens auch am MMI sehen. Doch die Produktionsmenge konnte vielerorts bisher stabil gehalten werden."

Eine Prognose im Hinblick auf die weitere Entwicklung sei hingegen schwer. „Wir stehen aktuell am Beginn der Winterfütterung. Erst die kommenden Wochen und Monate werden zeigen wohin die Reise am Milchmarkt geht. Eines ist sicher, dieser Sommer war kein ‚Fake‘. Er war real, und er wird eine Wirkung auf den Milchmarkt haben“, sagte Guhl. Die Frage sei nur: wann und wie deutlich? Verdächtig findet er, dass aktuell von verschiedenster Seite versucht wird, die Lage zu beschönigen. Er vermutet dahinter die Absicht, die Hoffnungen der Milcherzeuger auf einen dringend notwendigen Milchpreisanstieg im Keim zu ersticken. „Wir müssen jetzt extrem aufpassen und die Zeichen am Markt genau beobachten. Die Kosten der Milcherzeugung sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen“, sagte Guhl. Milchpreise unter 40 ct seien nirgendwo gewinnbringend und müssten entsprechend deutlich angehoben werden.

(Bildquelle: MEG Milch Board)


 

Niederlande diskutieren über Halbierung des Viehbestandes

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Artikel geschrieben von

Katharina Lütke Holz

Redakteurin Rinderhaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Egge Mansholt

@ Rainer Hoffman

Die Disliker sind nicht zwangsläufig Milchbauern, viele Institutionen lesen auch die TA. Die haben natürlich andere Interressen.

von Gerd Uken

Die Branchenlösung??!!

Das wird ein zahnloser Tiger- zumal ja alle beteiligt sind außer den Milcherzeugern!

von Steffen Hinrichs

@ Schulte ; wo bleibt denn nun die Branchenlösung ?

Alle reden davon und NICHTS passiert ! Will der DBV denn überhaupt mit dem BDM an einem Tisch ?

von Rainer Hoffmann

Daumen runter ???

Wird zeit das die Likes Namentlich werden ,die Daumen runter Fraktion hat wohl andere Pläne u mus alles aber nicht von den Erzeugnissen bzw kostendeckenden Preisen Leben bzw ihren Betrieb nachhaltig entwickeln.

von Wilhelm Schulte

Willi und Steffen es wird nichts passieren

Der Bv. hat mit der Abschaffung der Quote eingefordert das wir uns in einem freiem Markt innerhalb det sozialen Marktwirtschaft bewegen sollen. Das haben wir nun. Nur hat niemand den Bauern erklärt das sie sich selber um die Gestaltung des Marktes kümmern müssen und der Staat sich raushält.Der einzelne Landwirt kann das nicht. Dazu brauchen wir unsere Verbände Bdm Milchboard und Bauernverband an einem Tisch . Die für ihre Mitglieder Menge und Preise Aushandeln und das von unten nach oben und nicht nach dem Motto der Rest ist für die Bauern ob es reicht oder eben nicht. Das ist der einzigste Weg der funktionieren wird. Ansonsten bleiben wir der Spielball der Olligopolisten.

von Renke Renken

Bislang haben die Milchbauern

schlechte Milchpreise oder gestiegene Kosten immer durch Mehrproduktion ausgeglichen, warum sollte es jetzt anders laufen? Und mehr als verwunderlich ist, daß totz Dürre und angeblich schlechter Grundfutterlage die Milchmenge nicht überproportional zurückgeht??!

von Gerd Uken

Vollkommen richtig -

So lange wir aber selber nicht den Preis Mitgestaltung können u. Molkerei u. Handel ihre Marge haben, so lange wird sich auch nichts ändern! Dem Milchrieden Fonterra guckt man ja schon in seine Bücher ob er sich nicht durch seine Monopolstellung einen Wettbewerbsvorteil verschafft hat.

von Willy Toft

Die Molkereien haben es jetzt in der Hand, ob die Lieferanten endlich kostendeckende Preise bekommen!

Nach Milchpreis- Tal und Dürre eigentlich den besten Voraussetzungen, um am Markt etwas zu erreichen!

von Steffen Hinrichs

Unsere Molkereien sollten jetzt hart verhandeln ,denn die neuen Kontrakte der weißen Linie mit dem LEH stehen vor der Tür

Unsere Kosten konnten wir ja wie man sieht nicht decken und jetzt steht uns eine Winterfütterung mit teurem Futter und unstabilen Maissilagen von durchschnittlich nur 6,4 Nel bevor .

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