Interview

Milchpreis: Kaufland erwartet künftig mehr Kuhmilch-Alternativen

Die einen verlangen Milch mit Mehrwerten, die anderen achten nur auf den Preis. Kaufland ist überzeugt von der Initiative Tierwohl aber skeptisch zum Borchert-Plan.

Patrick Liste, Chefredakteur beim Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, sprach mit Robert Pudelko, Leiter Nachhaltigkeit Einkauf bei Kaufland.

Herr Pudelko, welche Verbrauchertrends bemerken Sie bei Molkereiprodukten?

Pudelko: Als frisches und gesundes Lebensmittel sind sie nach wie vor sehr beliebt. Viele Verbraucher achten seit jeher auf die Herkunft der Produkte, sie legen großen Wert auf die Regionalität und eine verantwortungsvollere Tierhaltung. Hinzu kommen Ernährungstrends, die sich in einer verstärkten Nachfrage nach besonders proteinreichen Produkten sowie veganen Kuhmilchalternativen, beispielsweise auf Hafer- oder Sojabasis, zeigen.

Wie reagieren Sie als Unternehmen darauf?

Pudelko: Die Sortimentsgestaltung im Lebensmittel­einzelhandel ist ein sehr dynamischer Prozess. Dabei orientieren wir uns in erster Linie an den Erwartungen und der Nachfrage unserer Kunden. Wir wollen die Ersten sein, wenn es darum geht, Kundenwünsche zu erfüllen. In diesem Sinne erweitern wir laufend unser Sortiment und listen neue Produkte ein.

Milcherzeuger und Molkereien empfinden die Forderungen des Handels als „Diktat des Handels“ – weil sie über dem Gesetz liegen, die Honorierung aber oft nicht ausreichend sei. Wie sehen Sie das?

Pudelko: Wir übernehmen Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt. Dazu gehört auch eine nachhaltige Verbesserung des Tierwohls in der Nutztierhaltung. Dies gelingt nur gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben. Die Molkereien sind unser Bindeglied, zu ihnen pflegen wir faire und langfristige Beziehungen. Wir honorieren alle Maßnahmen zur Ver­besserung des Tierwohls und bezahlen entsprechende Aufschläge wie zum Beispiel für eine gentechnikfreie Fütterung.

Ist der Verbraucher bereit, für mehr Tierwohl zu zahlen?

Pudelko: Viele Verbraucher legen großen Wert auf die Nachhaltigkeit der Produkte. Dabei achten sie, neben der Regionalität und Bio-Qualität, insbesondere auf eine verantwortungsvollere Tierhaltung. Gleichzeitig sind viele Verbraucher sehr preisbewusst. Uns ist es wichtig, alle Verbraucher auf diese Produkte aufmerksam zu machen und ihnen den Kauf von guten, gesunden und nachhaltigen Produkten zu ermöglichen, damit der Kauf für sie zukünftig zu einer Selbstverständlichkeit wird.

Wie kann es gelingen, dass auch der Milcherzeuger eine faire Entlohnung erhält?

Pudelko: Die Proteste der Landwirte im Dezember 2020 haben uns noch einmal verdeutlicht, welche Bedeutung die deutsche Landwirtschaft für uns alle hat. Wir brauchen eine zukunftsfähige Landwirtschaft, dafür machen wir uns stark. Da wir in der Regel keine Direktverträge mit den Milcherzeugern haben, sondern von Molkereien beliefert werden, haben wir Anfang dieses Jahres, gemeinsam mit Vertretern landwirtschaftlicher Gruppierungen, anderen Handelsunternehmen sowie dem BVLH, den Agrardialog ins Leben gerufen. Diesem sind mittlerweile auch Verbände, Genossenschaften und Einzelunternehmen aus der Molkereiwirtschaft beigetreten.

Unter Leitung der DLG führen wir Gespräche, um wirksame Lösungen zu erarbeiten, die einen Beitrag zur Stärkung der Landwirtschaft in Deutschland leisten können. In der Arbeitsgruppe Milch/Rind loten wir in dem Modellprojekt „Mehrwertprogramme Milch“ Wege für einen potenziell höheren Verkaufserlös der Landwirtschaft aus. Im Mittelpunkt stehen die Fragen: Welche Leistungen und Qualitäten können zu mehr Wertschöpfung führen? Wie lassen sich die einzelnen Zusatzleistungen und ihr Mehrwert staffeln?

Kaufland unterstützt die Initiative Tierwohl (ITW). Welche Chancen sehen Sie für ITW Rind?

Pudelko: Eine Verbesserung des Tierwohls kann nur gemeinsam gelingen. Im Zusammenspiel mit der ITW und dem...

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