Verbundprojekt

„Netzwerk Fokus Tierwohl“ informiert über Fortschritte bei Rind, Schwein und Geflügel

Das Projekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“ hat die Wissensvermittlung von gebündelten, aufbereiteten und bundesweit abgestimmten Tierwohl-Themen zum Ziel. Am Montag gabs den aktuellen Stand der Arbeiten.

Die landwirtschaftlichen Einrichtungen der Bundesländer vernetzen sich erstmalig bundesweit im Projekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“. Dabei stehen die inhaltliche Aufarbeitung und der Wissenstransfer zu Tierwohlthemen bei Rind, Schwein und Geflügel im Fokus. Bei einem Austausch- und Vernetzungstreffen in Berlin informierten die Beteiligten nun über die Fortschritte.

Netzwerk der Impulsbetriebe

120 rinder-, schweine- und geflügelhaltende Betriebe bilden das Netzwerk der Impulsbetriebe Tierwohl. Neben netzwerkinternen Veranstaltungen beteiligen sich die Betriebe in den Arbeitsgruppen der Tierwohl-Kompetenzzentren und den bundesweiten Veranstaltungen. Koordiniert werden die sie von FiBL Deutschland und der DLG.

In regelmäßigen Netzwerktreffen tauschen sich die Betriebe zu vielfältigen Themen rund ums Tierwohl aus und diskutieren Lösungsansätze, die sie teilweise bereits auf ihren Betrieben entwickelt haben. Neben Input von externen Referenten aus Wissenschaft, Beratung und Praxis steht die kollegiale Beratung im Fokus der Treffen. Die Landwirte stellen ihre zukunftsweisenden Konzepte für eine tierwohlgerechte Haltung zur Diskussion.

Tierwohl-Kompetenzzentrum Rind

Zehn Arbeitsgruppen arbeiten derzeit unter der Leitung der Geschäftsstelle des Tierwohl-Kompetenzzentrums Rind am Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) fachlich an verschiedenen Tierwohlthemen der Rinderhaltung.

Im Bereich Milchviehhaltung arbeiten zwei AGs an den Themen Klauengesundheit und Umgang mit kranken und verletzten Rindern. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt zum Handeln. Eine gute Tierkontrolle und somit eine Früherkennung von Krankheiten und Verletzungen können zur schnelleren und besseren Genesung führen.

Eine von der AG entworfene „Stallkarte“ zur Erkennung von kranken und verletzten Rindern und der „Untersuchungsgang für den Landwirt“ dienen dazu, dass der Blick auf das Tier wieder geschärft wird. Eingebettet sind diese in ein Merkblatt mit Informationen zur Genesungsbucht und den Bedürfnissen eines kranken Rindes.

Die AG Haltungssysteme Bullenmast erarbeitet abgestimmte Informationsblätter zum Einsatz gummierter Spaltenböden und zur Strukturversorgung in der Bullenmast. Gummierte Spaltenböden können dem natürlichen Bedürfnis der Rinder nach einer verformbaren Liegefläche entsprechen und damit den Tierkomfort und das Tierwohl steigern. Die Informationsmaterialien zeigen Vorteile gegenüber reinen Betonspalten auf, aber auch worauf bei der Umstellung (u. a. rechtlich) zu achten ist.

Die Fütterung - und dabei insbesondere die Strukturversorgung - bei Mastbullen ist ein immens wichtiger Faktor, der sich auf Leistung, Gesundheit und Wohlbefinden der Mastbullen auswirkt. Wichtige zu beachtende Punkte werden für Berater und Landwirte genannt und praktische Tipps zur Verbesserung der Fütterung für die Tiere gegeben.

In der AG Mutterkuh und Mast entsteht zurzeit ein Leitfaden zum Umgang mit Hitzestress auf der Weide. Die Weidehaltung stellt für Rinder eine naturnahe Haltungsform dar, die von Verbrauchern zunehmend gewünscht wird. Um das Ziel einer artgerechteren Haltung und Steigerung des Tierwohls zu erreichen, müssen jedoch gewisse Kriterien erfüllt sein. Der Leitfaden fokussiert sich auf den Umgang mit Hitzestress und soll auf dessen hohe Relevanz aufmerksam machen. Er bietet Landwirten und Beratern Hilfestellung zur Einschätzung der Wärmebelastung am Tier und welche Punkte bei einem Witterungsschutz gegen Hitze zu beachten sind.

Tierwohl-Kompetenzzentrum Schwein

Bei den Schweinehaltern wurden lebhafte Diskussionen geführt wie die Haltung von Langschwanztieren vorangetrieben werden kann. Im Kreis der Impulsbetriebe konnten hier bereits entscheidende Stellschrauben identifiziert werden, die an die jeweiligen betrieblichen Gegebenheiten angepasst werden müssen. Weitere Betriebe stellten Ideen zum Umbau ihrer Deckzentren und Abferkelbuchten dar. Auch die Einrichtung von Ausläufen und die Emissionsbewertung standen im Fokus.

Tierwohl-Kompetenzzentrum Geflügel

Vier Arbeitsgruppen arbeiten derzeit unter Leitung der Geschäftsstelle des Tierwohl-Kompetenzzentrums Geflügel an der Landwirtschaftskammer Niedersachsen fachlich an verschiedenen Tierwohlthemen der Geflügelhaltung.

Federpicken und Kannibalismus sind weiterhin ein verbreitetes Problem in der Legehennenhaltung. Der Grundstein für das Fehlverhalten wird häufig bereits in der Aufzuchtphase gelegt. Daher sind eine optimierte Haltung und ein angepasstes Management in der Junghennenhaltung entscheidend für eine erfolgreiche Legeperiode. Die AG Jung- und Legehennen bietet Tierhaltern Empfehlungen und Tipps mit Videomaterial in einem Leitfaden unter anderem zu den Aspekten Fütterung, Beschäftigung, Tierbetreuung und Beleuchtungsmanagement.

Für Puten entsteht ein Leitfaden mit Graphiken, um eine gute Darmgesundheit sicherzustellen. So bildet bereits das richtige Kükenmanagement die Grundlage für eine gute Entwicklung des Magen-Darm-Traktes. Auch gutes Futter- und Tränkewassermanagement, ebenso wie die regelmäßige Kontrolle von Stallklima und Einstreuqualität tragen im gesamten Durchgang zu einer guten Darmstabilität bei.

Der Leitfaden informiert über Infektionskrankheiten, die bei Puten von Bedeutung sind. Zusätzlich beinhaltet er Informationen zu Managementfaktoren, die beachtet werden sollten, um der Entstehung von Darm-Imbalancen vorzubeugen. Des Weiteren wird aufgezeigt, welche Indikatoren herangezogen werden können, um mögliche Probleme im Stall frühzeitig zu erkennen.

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