Reportage

Optimierte Kälberaufzucht auf Biobetrieb Plus

Biolandwirt Friedrich Kinkelbur hatte Probleme im Kälberstall. Er stellte sein Konzept auf den Prüfstand und optimierte an verschiedenen Stellen. Wir haben uns das Ergebnis angeschaut.

Wenn Friedrich Kinkelbur seinen Stall betritt, schauen ihm kräftige Kälber neugierig entgegen. Das war nicht immer so. Denn in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Problemen: Die Gruppen wuchsen in der Tränkephase auseinander, die Jungtiere besaugten sich ge­genseitig an Euter, Schwanz und Nabel. Eine Konsequenz war, dass ­einige ­Rinder bereits als Dreistriche kalbten. Für den Bio-Landwirt aus Minden (Nordrhein-Westfalen) konnte es so nicht weitergehen. „Ich wollte nicht die Symp­tome behandeln, sondern die Ursachen bekämpfen“, sagt er rückblickend.

Projekt Aufzucht optimieren

Er wurde auf ein vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördertes Projekt aufmerksam. Das Ziel: Haltungsbedingungen zu verbessern, um gegenseitiges Besaugen in der Kälberhaltung zu reduzieren. Das Projekt lief unter dem Namen „Modell und Demonstrationsvorhaben Tierschutz“ (MUD), finanziert von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Vorgaben waren, eigene Ideen zur Verbesserung der Kälberhaltung zu entwickeln, diese in die Praxis umzusetzen und dabei die Kälber möglichst früh in Gruppen zu halten. Da die Nachzucht bei konventionell wirtschaftenden Betrieben meistens länger in Einzelboxen untergebracht ist, starteten Kinkelbur und vier weitere Biobetriebe im August 2016 in das Projekt.

Kinkelbur arbeitet mit zwei Festangestellten auf seinem Betrieb. „Das Projekt haben wir als Team gemeistert“, erklärt der Milcherzeuger. Zunächst lag der Fokus darauf, die Haltung zu optimieren. „Eine einzelne Ursache für das gegenseitige Besaugen der Kälber gibt es nicht“, ist der Betriebsleiter überzeugt. „Auslöser können Stress, Langeweile, zu wenig Platz, Hunger, Salzmangel oder ein unbefriedigtes Saugbedürfnis sein“, erklärt der Landwirt.

Die alten Kälberhütten musste weichen. Kinkelbur tauschte sie durch neue Kunststoff-Doppelboxen mit herausnehmbarer Mittelwand aus. „Dadurch haben die Kälber ein besseres Klima und mehr Platz während der Biestmilchphase“, sagt der Betriebsleiter. Ein Abdach schützt vor Regen, ein Windnetz vor Zugluft.

Die Kälbergruppen hält Kinkelbur im Altgebäude, das er ebenfalls sanierte. Zusätzlich zur Umgestaltung des Stall­inneren erneuerte der 50-Jährige das Dach. Isolierende Sandwichelemente sorgen seitdem für ein verbessertes Klima. Ein Kälbernest soll die Tiere vor Kaltluft schützen. In der ökologischen Landwirtschaft haben Kälber ganzjährig Anspruch auf Auslauf. Diesen erreichen die Tiere auf dem Hof Kinkelbur über einen Ausgang im Liegebereich. Um Zugluft zu vermeiden, baute der Betriebsleiter einen Windfang vor das...


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