Interview

Peter Stahl: Die Preise müssen steigen

Der Kostendruck auf Molkereien wie Hochland ist derzeit groß. Für den Vorstandsvorsitzenden Peter Stahl ist es deshalb unverständlich, wie sich manche LEH-Verantwortliche der Situation verweigern.

Unsere Autoren: Wibke Niemeyer und Markus Wörmann. Dieses Interview ist zuerst in der Zeitschrift Lebensmittelpraxis 19/2021 erschienen.

Die Corona-Pandemie hat zwar die weltweiten Lieferketten durcheinandergewirbelt, für die aktuell hohen Preise auf dem Energie- und Rohstoffmarkt gibt es aber noch weitere Indikatoren. Peter Stahl von der Hochland-Gruppe kann sich vorstellen, dass es dauerhaft zu einem höheren Preisniveau kommt.

LP: Höhere Energie- und Treibstoffpreise, Mehrkosten für Papier, Kunststoffe und Verpackungen: In welchem Umfang betrifft das die Hochland-Gruppe aktuell und perspektivisch?

Peter Stahl: Es ist eine Kostensteigerung festzustellen, die nicht nur die Milchbranche, nicht nur die Lebensmittelbranche, sondern im Grunde alle Branchen betrifft. Also trifft uns das natürlich auch. Es beginnt bei den Rohwarenpreissteigerungen bei Milch, Milchpulver, Butter. Es hat alles massiv angezogen. Energie, Transport, Verpackungen geht alles nach oben.

Und es ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen?

Stahl: Es gibt eine Diskussion unter Volkswirten, wie lange hält das an? Ist das eine kurzfristige Phase oder erreichen wir dauerhaft neue Niveaus? Für eine vorübergehende Phase spricht der Corona-Effekt, wo kurzfristig Kapazitäten aus dem Markt verschwunden sind, aber jetzt wieder eine erhöhte Nachfrage festzustellen ist. Was sich jetzt erst wieder einschwingen muss, inklusive Transportkapazitäten und anderem. Das würde eher dafür sprechen, dass diese Phase in einem halben oder Dreivierteljahr überwunden ist. Die andere Seite sind aber Themen rund um grüne Politik wie Steuerimpulse, um eine Wende in Richtung einer grünen Wirtschaft zu schaffen. Diese Dinge sprechen eher dafür, dass wir uns dauerhaft auf höhere Preise einstellen müssen.

28 Jahre ist Peter Stahl bereits bei der Hochland-Familienmolkerei. Darüber hinaus ist er seit 2015 Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes.

Welche Möglichkeiten sehen Sie derzeit, Kosten zu kompensieren?

Stahl: Nach wie vor sind die essbaren Bestandteile die größten Kostenpunkte bei uns, zum Teil bis zu 60 Prozent je nach Sortiment. Wenn man sich die Conversion Costs wie Löhne usw. ansieht, wird es dann schon mal eng, weil sie teilweise nur 10 % ausmachen. Bei Verpackungen kommt es darauf an, ob es beispielsweise Großgebinde sind oder Markenprodukte für den LEH in Kleinverpackungen. Aber wegdrücken können wir diese Kostensteigerungen als Hochland nicht. Auch weil wir auf der gesamten Breite mit Kostenerhöhungen konfrontiert sind. Das können wir nicht durch Produktivitätsgewinne in unseren Werken ausgleichen.

Wie nimmt der LEH das Thema Kostendruck in den aktuellen Listungsgesprächen auf?

Stahl: Sehen Sie es mir nach, aber aktuelle Jahresgespräche können wir nicht kommentieren. Was ich kommentieren kann, weil es öffentlich ist und nicht unsere individuellen Verhandlungen betrifft: Ich bin überhaupt nicht einverstanden, wenn es Parolen Einzelner aus dem LEH gibt, dass man kategorisch gegen jede Form der Preiserhöhung sei. Das passt überhaupt nicht in die Landschaft – angesichts der allgemeinen Kostensteigerungen, angesichts der Gespräche mit den Landwirten, angesichts des Drucks auf den Höfen.

Wie stellt sich die Situation für Ihre Landwirte dar?

Stahl: Wir zahlen traditionell einen überdurchschnittlichen Milchpreis. Nach meiner Einschätzung kann in diesem Jahr aber die Milchpreissteigerung, die ordentlich war, nicht die höheren Kosten auffangen. Es hängt natürlich immer auch mit der Betriebsführung und -struktur zusammen. Beispielsweise, ob der Landwirt einen Großteil seines Futters selbst anbaut oder viel zukauft.

Wird sich der LEH und damit der Konsument also auf steigende Preise einstellen müssen?

Stahl: Aus meiner Sicht geht da kein Weg dran vorbei.


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