Milchdialog

Preisforderung: Molkereien zeigen Verständnis

Unter dem Motto „Schluss mit lustig – uns geht die Luft aus“ hatten Landwirte vergangene Woche Preiserhöhungen von ihren Verarbeitern gefordert. Molkereien lehnen 15 Cent mehr Milchgeld ab.

Mehrere Organisationen haben sich zum sogenannten „Milchdialog“ zusammengefunden und im Rahmen der Aktion „Schluss mit lustig – uns geht die Luft aus“ Verarbeiter in einem gemeinsamen Papier aufgefordert, höhere Preise zu zahlen. Am Donnerstag machten sich viele Landwirte auf den Weg, um Stellungnahmen von ihren Molkereien abzuholen und vor Ort mit den Verantwortlichen zu diskutieren.

Verbände machen keine Hoffnung

Bereits zu Anfang dieser Woche hatte der Milchindustrieverband Stellung bezogen und gesagt, dass beim Milchpreis keine Wunder zu erwarten seien (top agrar berichtete). Vielmehr ginge es jetzt um den Zusammenhalt zwischen Molkereien und Bauern. Auch der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) mahnt zur Suche nach gemeinsamen Lösungen an: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie der Afrikanischen Schweinepest treffen die Landwirtschaft ebenso wie den vor- und nachgelagerten Bereich. Hinzu kommt der bevorstehende Brexit. Wir stecken gemeinsam da drin, deshalb müssen wir auch gemeinsam Lösungen finden. Sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben, ist kontraproduktiv“, sagte DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp. Demonstrationen und kurzfristig unrealisierbare Preisforderungen tragen laut Holzenkamp nicht dazu bei, die Herausforderungen der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu bewältigen.

Proteste

Am Donnerstag protestierten viele Landwirte bei ihren Verarbeitern vor Ort, um auf ihre prekäre wirtschaftliche Lage aufmerksam zu machen. (Bildquelle: BDM)

Den Milchpreis bestimmt der Markt

Das Deutsche Milchkontor (DMK) schreibt in seiner Stellungnahme beispielsweise: „Wir sind im klaren Wissen um diese Situation der Milcherzeuger. Dabei reden wir nicht nur. Wir handeln auch: Im Unternehmen straffen wir unseren Kostenapparat mit erhöhtem Tempo, prüfen jede Investition nochmals auf Notwendigkeit und stellen unser Sortiment so auf, dass wir damit die bestmögliche Wertschöpfung am Markt erzielen können.“ Das DMK erklärt weiter, dass die geforderten 15 Cent Mehrerlös einem Preisanstieg von 40 % entsprächen. Am Beispiel DMK würde das heißen, dass die Molkerei pro Jahr rund 700 Mio. € mehr Wertschöpfung bei gleichem Umsatz am Markt erzielen müsste. Der Marktpreis richte sich allerdings nach Angebot und Nachfrage. Wichtig bleibe der Dialog über die gesamte Wertschöpfungskette und die Solidarität miteinander.

Die Molkerei Rücker weist in ihrer Stellungnahme zusätzlich darauf hin, dass ein Milchpreis oberhalb von 40 ct/kg „ungeahnte Produktionsanreize“ auslösen würde, sodass innerhalb kürzester Zeit ein Überangebot entstünde. Der in Aurich ansässigen Molkerei sei allerdings klar, dass sich dringend etwas tun müsse und spricht sich deshalb klar für die Einführung einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung für Milchprodukte aus.

Vertreter der Uelzena Gruppe zeigen ebenfalls Verständnis für die prekäre Situation der Milcherzeuger und weisen auf die auch für die Molkerei herausfordernde Zeit hin. Eine geforderte Abstimmung der milchverarbeitenden Unternehmen für eine flächendeckende Erhöhung des Preisniveaus sei aus kartellrechtlichen Gründen nicht zulässig. Als Handelsoptionen schlägt Uelzena eine Stärkung der Kommunikation und Vermarktung vor. Die Branchenkommunikation sei dabei der richtige Schritt. Außerdem seien Exporte zu fördern.

Arla zeigt sich ebenfalls verständnisvoll und weist auf ihr 2018 gestartetes Kosteneinsparungsprogramm sowie den Ausbau ihrer Marken hin. Es gebe keinen Königsweg jedoch müsse die deutsche Milchindustrie umweltfreundlicher, aber auch wirtschaftlich und sozial nachhaltiger werden. Arla habe sich gemeinsam mit den Mitgliedern verpflichtet, aktiv daran zu arbeiten und fordert die anderen Marktakteure dazu auf, den Weg mitzugehen. Darüber hinaus erklärt sich die Molkereigenossenschaft bereit, im Rahmen der rechtlichen Vorgaben, Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit mit anderen Molkereien auf dem deutschen Markt auszuloten. Ziel sei, die Wettbewerbsfähigkeit der Molkereien und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit der Milcherzeuger zu verbessern.

Die Redaktion empfiehlt

Am Donnerstag waren in mehreren Bundesländern Landwirte mit ihren Traktoren unterwegs, um vor großen Unternehmen der Milch- und Fleischwirtschaft für höhere Preise zu demonstrieren.


Diskussionen zum Artikel

von Hanke Bohlen

Den Milchpreis bestimmt der Markt...

... das ist so. Und der Markt ist in Teilen Global. Nur die Auflagen bestimmt der Markt nichtund diese sind nicht Global. Nachhaltigkeit kann nicht regional gefordert und dann zu globalen Preisen bezahlt werden. 15ct als Mehrerlös halte ich für eine leichtfertig ausgesprochene Zahl ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Das war zu erwarten, nur jetzt wird es dem Letzten bewusst, wer..

Die Bauern ausnimmt, wie eine Weihnachtsganz! Der Generalstreik rückt immer näher, und den Protagonisten rührt es nicht! Also müssen wir es mal durchziehen! Wie die Gewerkschaften, denen interessiert es auch nicht, wenn eine Schieflage in der Versorgung droht! So gehen wir sonst ... mehr anzeigen

von Norbert Post

DMK

700 Mio mehr Wertschöpfung bei 6 Mrd Umsatz sind 12% mehr Umsatz als bisher. Also verkauft doch die Milch nach Metro für 44 Cent statt für 39, den Joghurt für 23 Cent statt 20... dann ist doch schon alles geritzt. Unsere Genossenschaften sind eine Schande für die ganze Landwirtschaft

von Werner Albrecht

Klappmesser

Das War der Herr der vor Rund 20 Jahren ein Befürworter bei der Gründung der Meg War. Er sprang vom Sitz auf so das ihn jeder sehen wie hören konnte. Als es zur Gründung kam War er nicht dabei. Heute War sein Sohn in der Zeitung wie er 15 Cent forderte mit der schriftlichen ... mehr anzeigen

von Hermann Helmers

nutzlos

viel Gerede aber es wird wie immer keine Wirkung zeigen. Die Chefetage der Molkereien obwohl vielleicht sogar genossenschaftlich wird auch bei diesen niedrigesten Preisen gut bezahlt. Für mich werden sie nur glaubhaft wenn sie mindestens auf 40 % ihres Gehalts verzichten würden. ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Ich wäre sofort dafür

Das bei den Genossenschaftsmolkereien die Geschäftsührer u. Vorstände ihre Jahreseinkünfte mal offen legen. Bei Friesland Campina ist bekannt was die zwei an Jahreseinkomnen haben. Selbst der Aufsichtsratsvorsitzende bekommt ordentliches Gehalt. Die Einkünfte sollten am ... mehr anzeigen

von Hans Nagl

Holzenkamp

Warum wird der Tritbrettfahrer ziriert?

von Rudolf Rößle

Es

geht letztendlich um die Weiterentwicklung von Betrieben. Diese können mit niedrigem Einkommen nicht zielführend gefördert werden. Die Borchertkommision läuft darauf hinaus, dass Neubauten durch den Staat und durch "Abgaben" finanziert werden. Das ist bei neuen Entwicklungen eine Zeit ... mehr anzeigen

von Werner Albrecht

37 Cent VK. Im Norden. Ohne Futterzukauf durch Dürre. Kann es sein das die Preise herhalten müssen weil sich einige BDM ler sich nicht weiterentwickeln wollen oder können?

von Georg Nordendorf

Werner Albrecht

Warum darf jemand, der angeblich einige Ferienwohnungen hat, nicht einen angemessenen Milchpreis fordern? Die Dinge müssen getrennt voneinander betrachtet werden. Ich kann auch nicht den Betrieben, die unter den schlechten Milchpreisen stöhnen vorwerfen, das sie keine anderen Standbeine ... mehr anzeigen

von Werner Albrecht

Wenn man mehrere Standbeine hat tut sich leichter. Der kann auch mal Quersubventionieren .Ich kann mich von Preise von 63-80 Pfennig erinnern. Meistens lag er so um 68 Pfennige Auszahlungspreis. Man kann das Schlecht vergleichen weil die Leistung pro Kuh bzw die Kuhzahl gestiegen ist. ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Tja von Verständnis

Allein kann man keine Rechnungen bezahlen und manche denken nicht weiter wie von hier bis morgen. Der 1.1. kommt - schon mal warm anziehen bei der CO2 Steuer...Gas wird schon mal 7% teurer !! Wer jetzt noch für unter 30 Cent Milch produzieren kann gerne den Daumen runter!

von Werner Albrecht

Sagt einer der 4 Ferienwohnungen in seinem Portfolio hat. Mit roten Zahlen schreiben gebaut? ? Ironie aus.

von Stefan Lehr

Weltmarkt

Die internationalen Preisnotierungen haben in der vergangene Woche einen erheblichen Trend nach oben gezeigt. Hieran kann es also nicht liegen. Wenn der Rohstoff teurer wird, dann muss auch das Endprodukt im Preis angepasst werden, heisst: Alsi & Co muessen tiefer in die Tasche greifen. ... mehr anzeigen

von Werner Albrecht

Hellseher

Sie sind der absolute Brexit Spezialist. Noch gibt es keine Abkommen. Das heißt Zölle. Wenn Sie hier mehr wissen sollten, können Sie es hier bitte belegen , Und ihre Quellen uns zeigen?

von Martin Siekerkotte

Wer

bestimmt den lohn von Holzenkamp der Weltmarkt

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen