Schweiz: Quotenende hat Erzeugern nichts gebracht

Eine ernüchternde Bilanz hat die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) fünf Jahre nach dem Ausstieg der Schweiz aus der Milchkontingentierung gezogen. Noch immer fehlten den Milchbauern langfristig stabile Marktbedingungen, heißt es in einer Studie im Auftrag des European Milkboard (EMB).

Eine ernüchternde Bilanz hat die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) fünf Jahre nach dem Ausstieg der Schweiz aus der Milchkontingentierung gezogen. Noch immer fehlten den Milchbauern langfristig stabile Marktbedingungen, heißt es in einer Studie der Hochschule, die das European Milkboard (EMB) in Auftrag gegeben hat.

Für Autorin Dr. Therese Haller liegt der Knackpunkt darin, dass vor der Entscheidung über den Quotenausstieg die mit dem Ende der Kontingentierung einhergehende Ausdehnung der Produktion und Verarbeitung von Milch - relativ zu dem erwarteten und auch eingetretenen Absinken des Milchpreises - wesentlich überschätzt worden sei. Damit habe sich die Nachfrage der Verarbeiter nach Rohmilch weniger elastisch gezeigt als zuvor angenommen.

Teilweise erklären lasse sich dies durch eine anhaltende Absatzkrise des Emmentalers auf den Exportmärkten und die Aufwertung des Schweizer Frankens, heißt es in der Studie. Zudem habe sich mit der Mengenausdehnung das bis dahin tendenzielle Milchfettdefizit der Schweiz in einen Butterüberschuss verwandelt, sodass anfallende Mengen nur mit großen Verlusten exportiert werden könnten. Neben Butter sei auch vermehrt Milchpulver angefallen, also Massenprodukte, bei denen der Wettbewerb in erster Linie über den Preis und weniger über die Qualität geführt werde.

Zusammenfassend stellt Haller in der Untersuchung fest, dass die mit der Abschaffung der Milchquote verbundenen Erwartungen hinsichtlich einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Milchsektors trotz erfolgter Produktivitätssteigerungen nur zum Teil erfüllt worden seien.
 
In ihrer Studie wirft Haller auch einen Blick auf das in der EU für den 31. März 2015 festgesetzte Ende der Milchkontingentierung. Die bisherigen Erfahrungen in der Schweiz hätten gezeigt, dass die Einigung der Milchproduzenten über Marktmaßnahmen generell eine große Herausforderung sei, so die Autorin. Dabei seien stabile Partnerschaften in der Wertschöpfungskette gefragt. So gelte es, den verschiedenen Risiken eines Quotenausstiegs entgegenzutreten, die nicht nur die Produzenten beträfen. Neben dem Wettbewerb um eine kostengünstige Produktion dürfe beispielsweise die Produktqualität nicht zu kurz kommen.

Darüber hinaus seien mit einem Verschwinden der Milchproduktion aus ganzen Regionen auch die multifunktionalen Leistungen der Landwirtschaft bedroht. Die Autorin weist darauf hin, dass auch in der EU die Erwartungen seitens der Milchverarbeiter bezüglich der Mengenausdehnungen nach dem Quotenausstieg hoch seien. Dies führe zu Investitionen in Anlagen, die aus Kostengründen später auch ausgelastet sein müssten. Es gebe Hinweise auf Überkapazitäten in der Verarbeitung, was den Druck auf die Erzeugerpreise erhöhen könnte. Dabei drohten die Milchbauern zu einem Spielball der Kräfte zu werden. Wenn die Kapazitäten auf der Verarbeitungsstufe bereinigt würden, sei dies mit Werkschließungen verbunden, was angesichts der Größe der Betriebe regional tiefgreifende Konsequenzen erwarten lasse.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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