Reportage

Separierte Rindergülle: Gewinn durch Kooperation Plus

Durch die Separation von Rindergülle entstehen Rohstoffe für die Biogasanlage und Flüssigdünger für das Grünland. top agrar stellet erfolgreiche Beispiele vor.

Heute ist ein sonniger Tag. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Milchviehstalls von Michael Rösel produziert mit ihren 30 kW Leistung reichlich Strom für den Betrieb. „Zeit, den Separator einzuschalten“, sagt der Milchviehhalter aus Obermainshof bei Neukirchen in Bayern. Der Pressschneckenseparator ist in ca. 2 m Höhe auf einer Betonwand installiert. Etwa zweimal in der Woche trennt er damit die Gülle seiner 140 Kühe in eine flüssige und eine feste Phase. Nur im Winter bei Frost arbeitet die Maschine nicht. Die Flüssigphase pumpt er in einen danebenstehenden Güllebehälter, die Festphase fällt auf die darunterliegende Mistplatte. „Ich muss im Jahr rund 1 000 m3 Gülle abgeben, da ich nicht genügend Fläche habe, um die Nährstoffe unterzubringen“, erklärt er.

Früher hat er diese Güllemenge direkt abgegeben und den Rest auf den eigenen Acker- und Grünlandflächen ausgebracht. Doch gerade in trockenen Jahren wie 2018 macht die dickflüssige Rindergülle auf dem Grünland Probleme: Die Fasern trocknen an, bevor die Pflanzen sie verwerten können und wachsen mit dem Gras nach oben. Das hat sich mit dem Separieren komplett geändert. „Die Flüssigphase lässt sich im Getreide und auf Grünland wesentlich besser einsetzen, die Düngewirkung sieht man schon nach wenigen Tagen“, hat er festgestellt.

Feststoffe für Biogasanlage

Die Separation bringt ihm noch einen zweiten Vorteil: Seit November 2018 kooperiert er mit dem Biogasanlagenbetreiber Leonhard Rösel aus Neukirchen, dessen Betrieb 4 km entfernt liegt. Dieser holt rund einmal in der Woche die Feststoffe eigenständig ab und vergärt sie in der Biogasanlage. „Ich bin mit dem Betrieb genug ausgelastet, daher bin ich froh, dass ich mich um die Feststoffe nicht weiter kümmern muss“, sagt der Milchviehhalter.

Die Biogasanlage von Rösel hat 210 kW Leistung. Er setzt zu 40 % Kleegras und Grasschnitt vom Dauergrünland ein, das er von ehemaligen Milchviehhaltern oder ehemaligen Landwirten geliefert bekommt, die sonst keine Verwertung für das Gras haben. „Im letzten Jahr hatten wir noch sehr viel Gras im Silo und konnten Rinderhaltern damit aushelfen, die wegen der Trockenheit nicht ausreichend Futter hatten. Da haben wir angefangen, Gras gegen abseparierte Güllefeststoffe zu tauschen“, berichtet er. Das Material ist für ihn so wertvoll, dass er dem Milchviehhalter Rösel im Ausgleich dafür Kleegras als Futter für die Kühe liefert.

Der Feststoff dient auch dazu, teure Maissilage zu ersetzen. 2 bis 2,5 t der Dickphase haben die gleiche Gasausbeute wie 1 t Maissilage – wenn die Gülle frisch ist. Die Feststoffe sollten maximal eine Woche alt sein. Auch sollte die Gülle frisch aus dem Stall kommen und nicht...

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Diskussionen zum Artikel

von Renke Renken

Entschuldigung,

das mit den Lebensmitteln hat natürlich nichts mit der Gülle zu tun, aber mir war gerade danach.

von Renke Renken

Und die CO². Bilanz

wird auch noch aufgepeppt. Wenn man das sieht, welchen zunehmenden und gesamten Aufwand wir heute alleine mit der Gülle betreiben - Wahnsinn. Die Folge von jahrzehntelanger verfehlter Agrarpolitik, kein einziger Politiker dabei gewesen, der diesen Weitblick gehabt hat, seit Jahrzehnten ... mehr anzeigen

von Andreas Christ

gülle

und so wird der Naturdünger immer teurer und teurer und teurer

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