Eutergesundheit

Stetiger Blick auf die Eutergesundheit

Wie organisiert man das Eutergesundheitsmanagement in einer 1200er Kuhherde? Die Tierärztin Dr. Anja Müller König berichtete beim Tiergesundheitstag Brandenburg von ihrem System.

"Eutergesundheit bedeutet auch Herdengesundheit", sagte Dr. Anja Müller. Die Tierärztin ist Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Goßmar in Heideblick im südlichen Brandenburg. Hier stehen unter anderem 1.200 Milchkühe, für deren Gesundheit Müller mit ihren Mitarbeitern sorgt. Auf dem Tiergesundheitstag des Landes Brandenburg vermittelte sie den Zuhörern ihre ganzheitliche Herangehensweise.

Von Außen nach Innen

Der Betrieb legt Wert auf drei Punkte, die das Eutergesundheitsmanagement ganzheitlich betrachten. Diese Punkte werden stetig kontrolliert und optimiert:

Screenshot

Der Stall ist als Kammform gebaut. (Bildquelle: Screenshot Präsentation Müller)

  1. Futter: "Unserer Futterbauer lieben Grünland", sagte Müller. Ohne eine optimale Grundfutterqualität sei die Eutergesundheit stetig in Gefahr. Da verschiedene Personen für Acker und Stall zuständig sind müssten alle das selbe Ziel haben: bestes Futter. Zusätzlich legt der Betrieb Wert auf Platz am Futtertisch. "Überbelegung ist kein Thema", machte Müller klar.

  2. Stall: Der Stall ist in einer Kammform gebaut. Die Tierärztin schätzt dabei die langen Wege zum Melkstand. "Wir vertreten die Philosophie, dass moderate Bewegung gut für den Stoffwechsel ist", sagte sie. Zudem gibt es ein Biosicherheitskonzept. Fahrzeuge kommen nur durch eine Seuchenwanne in den Milchviehbereich. Es ist kein Fremdenverkehr gestattet und auch der restliche Verkehr des Betriebs kreuzt nicht die Wege zwischen Stall und Silo. Das soll dabei helfen, den Eintrag von Erregern zu verhindern. Auf die Boxen ohne Bugbrett und die Laufgänge werfen alle stetig einen Blick. "Die Kühe müssen sauber in den Melkstand kommen", sagte Müller.

  3. Management: Die Trockensteher erhalten Weidegang. Müller versucht das selektive Trockenstellen aller Tiere weiter voranzubringen. Alle Kühe erhalten dafür einen Zitzenversiegler. Der Einsatz von Antibiotika wird einzeltierbezogen entschieden.

Wenn die Eutergesundheit der Herde sich verschlechtert kreist Müller diese drei Punkte "von außen nach innen" ein und geht auf Fehlersuche. Schon eine Veränderung außerhalb des Stalls (z.B. am Silo) könne der Grund sein.

Protokoll bei kranken Kühen

Fällt eine Kuh im Melkstand z.B. durch Flocken in der Milch auf, beginnt immer ein festes Protokoll. Dafür gibt es ein Krankenblatt pro Tier. Hier notieren die Mitarbeiter unter anderem das Ergebnis des täglichen Fiebermessens, die Milchbeschaffenheit auf allen Eutervierteln die etwaige Behandlung und die Ergebnisse des Erregertests. Die Kuh wird zudem in eine gesonderte Gruppe selektiert und verlässt diese erst wieder nach Genesung und erfolgtem Hemmstofftest. "Tender, care and love", beschreibt Müller den Umgang mit kranken Kühen.


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