SVLFG

Tierhaltung weiterhin ein Unfallschwerpunkt

Die Tierhaltung ist nach wie vor ein Unfallschwerpunkt in der Landwirtschaft. Fast jeder vierte meldepflichtige Arbeitsunfall ereignete sich 2019 in der Nutztierhaltung. 21 Menschen starben.

Jahr für Jahr gehen die Unfallzahlen in der Tierhaltung zurück – im Schnitt um rund 5 % pro Jahr. 2019 lag der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr sogar bei rund 7,5 %. „Eine sehr erfreuliche Entwicklung, die jedoch nicht darüber hinweg täuschen darf, dass die absolute Zahl der Tierhalter, die während der Arbeit verunglückten, nach wie vor erschreckend hoch ist“, so der Vorstandsvorsitzende der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG), Arnd Spahn.

16.100 Personen erlitten im vergangen Jahr einen meldepflichtigen Arbeitsunfall in der Tierhaltung. Meldepflichtig bedeutet, dass die betroffene Person sich in ärztliche Behandlung begeben hat und für mehr als drei Tage arbeitsunfähig war.

Am häufigsten verletzten sich Menschen zwischen 50 und 65 Jahren. In dieser Altersgruppe ereigneten sich 6.000 und damit fast 40 Prozent aller Unfälle sowie neun der Unfälle mit tödlichem Ausgang.

Tritte, Stöße, Quetschungen

Mehr als ein Drittel der Arbeitsunfälle und nahezu alle der tödlich verlaufenden Unfälle in der Tierhaltung ereigneten sich im direkten Umgang mit den Tieren, vor allem mit Rindern und Pferden. Die meisten Unfälle werden durchs Melken, Treiben und Behandeln verursacht, tödliche Unfälle oft durch Angriffe von Bullen. In der Pferdehaltung liegen die Unfallursachen schwerpunktmäßig im Reiten und Führen.

Tabelle

Entwicklung der Unfälle (Bildquelle: SVLFG)

Typische Risiken kennen und vermeiden

Die meisten Unfälle folgen bestimmten Mustern. Tiere verletzen Menschen nicht aus böser Absicht. Ihr Verhalten ist von Instinkten geprägt. Pferde stürmen los, wenn sie sich erschrecken, Bullen greifen an, um die Herde zu schützen oder Rangkämpfe auszutragen, Fersen sind in ihrem Verhalten noch ungestüm und Mutterkühe beschützen ihren Nachwuchs, so die SVLFG weiter.

Unfälle lassen sich durch angepasste Haltungsformen mit baulich-technischen Einrichtungen, zum Beispiel Separier- und Fixiereinrichtungen, mit einer durchdachten Arbeitsorganisation und durch die richtige Persönliche Schutzausrüstung vermeiden.

Die SVLFG hält entsprechende Praxishilfen bereit. Neben Broschüren gibt es Muster-Betriebsanweisungen (auch fremdsprachig), Muster-Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungshilfen. Weil auch der richtige Umgang und das Verständnis für die natürlichen Verhaltensweisen von Tieren wichtig sind, bietet die SVLFG Kurse für Rinder- und Pferdehalter an.

Den Arbeitsalltag besser organisieren

Fast die Hälfte aller Arbeitsunfälle ereilen Tierhalter, weil sie ausrutschen, stolpern, hinfallen, sich verrenken, umknicken, sich schneiden oder sich stechen. Auch um solche Unfälle zu vermeiden, helfen eine bessere Arbeitsorganisation, eine angepasste Persönliche Schutzausrüstung und strukturiertes, vorausschauendes Arbeiten. Eine Gefährdungsbeurteilung für jeden Arbeitsbereich im Betrieb und eine verbindliche Unterweisung der Beschäftigten schaffen Klarheit, wie welche Arbeiten ausgeführt werden müssen, damit niemand zu Schaden kommt.


Diskussionen zum Artikel

von Günter Schanné

Hallo Herr Grehl,

ich arbeite seit über dreißig Jahren in der Landwirtschaft, überwiegend mit Rindern. Ich habe keine Meinungsverschiedenheiten mit Rindern, weil ich sie respektiere und nicht vermenschliche. Ich handle dem Verhalten von Rindern angepasst. Im übrigen habe ich die geltende Rechtslage im ... mehr anzeigen

von Günter Schanné

Enthornen von Kälbern

Das routinemäßige Enthornen verstößt gegen das Amputationsverbot in §6 Abs. 1 Satz 1 Tierschutzgesetz. Der Arbeitsschutz gibt keine gesetzliche Grundlage, der das Enthornen rechtfertigen würde. Wer nicht mit behornten Rindern umgehen möchte, kann hornlose Rinder halten. Für den ... mehr anzeigen

von Markus Grehl

Herr Schanne

Da Sie beim Lesen keinen direkten Kontakt zu Rindern haben sei Ihnen Ihre Ausführung entschuldigt. Wahrscheinlich kennen Sie Rinder nur aus grünen Werbeblättern und der Werbung mit der Kuh. Meinungsverschiedenheiten mit Rindern ohne Hörner sind bedeutend angenehmer als mit behornten ... mehr anzeigen

von Ludwig Huber

Ich hab mal eine Schulung für Nebenerwerbler abgehalten...

... dabei haben sich zwei Hornfanatiker mit Stopselhut gegen die Enthornung ausgesprochen. Eine Bäuerin, die auch am Lehrgang teilgenommen hat, hat die beiden dann dermaßen zusammengestaucht, sie war kurz zuvor wegen Hornstoß im Krankenhaus. Originalton: "Ihr seid doch die größten ... mehr anzeigen

von Günter Schanné

Hornstoss

Die Antwort der Bäuerin ist von Emotionen geprägt. Hat irgendjemand nach ihrem Mitverschulden gefragt?

von Jens Oliver Krause

Das Enthornen

gehört auch zum Arbeitsschutz!!! Aber unsere NGO´s Fanatiker brauchen ja auch nicht 365 Tag im Jahr in den Stall zu gehen. Die beschimpfen aber noch vor dem morgentlichen Toilettengang die Landwirte als Tierquäler. Den BG-Beitrag eines Betriebes brauchen sie ja auch nict leisten.

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