Tierschutzbund empört

Tragende Kühe aus Bayern vor Transport nach Marokko

Ein geplanter Transport von 32 tragenden Kühen sorgt aktuell für Diskussion. Die Tiere sollten - Stand 23. April - vom oberfränkischen Bayreuth über Aurich nach Marokko reisen.

32 tragende Kühe will der Rinderzuchtverband Oberfranken e.V. in Bayreuth nach Informationen des Deutschen Tierschutzbundes in den kommenden Tagen in das Viehmarktzentrum in Aurich-Schirum transportieren. Nach der Quarantäne in Aurich sollen die Tiere, als neuer Transport abgefertigt, ins Ausland verbracht werden. Endziel ist Marokko, heißt es.

Weil sich das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz seit Jahren bemüht, Tiertransporte in eine Reihe von Drittländern – darunter auch Marokko - zu unterbinden, würden Zuchtverbände und Händler nun den Umweg über andere Bundesländer wählen - darunter auch Niedersachsen, so der Tierschutzbund weiter.

Bayern selbst habe keine rechtliche Handhabe, gegen den Transport vorzugehen, weil es sich von Bayern nach Niedersachsen um einen innerstaatlichen Transport handelt. Das Bayerische Verwaltungsgericht hatte im Januar 2021 entschieden, dass nur die Behörde, die den Transport in ein Drittland abfertigt, entscheiden darf, ob dieser den Rechtsvorgaben entspricht, so die Kritiker.

Jetzt in der neuen top agrar 5/2021: Rinderexporte: Wo hakt es noch immer?

Klöckner zuständig

Der Tierschutzbund spricht von Schlupflöchern, die die Erlasse einzelner Bundesländer aushebeln. Bundesagrarministerin Julia Klöckner müsse daher ein sofortiges Moratorium für sämtliche Transporte dieser Art verhängen, sagt Verbandspräsident Thomas Schröder. „Das Moratorium muss bestehen bleiben, bis ein EU-weites Verbot beschlossen und ausgesprochen wird.“

„Das aktuelle Beispiel zeigt auf erschreckende Weise, dass bayerische Rinder dank eines Schlupflochs weiter in Drittstaaten gekarrt werden dürfen – obwohl ihnen spätestens nach Verlassen der EU-Grenze Qualen und Leid bevorstehen“, ergänzt Ilona Wojahn, Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Bayern. Deshalb sei auch die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast dringend aufgefordert, sich persönlich dafür einzusetzen, dass dieser und weitere Exporte von Tieren in Drittländer ohne tierschutzgerechte Mindeststandards verhindert werden.“

Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbands Niedersachsen, macht deutlich: „Indem Niedersachsen Transporte in Drittländer weiterhin abfertigt, werden alle politischen Bemühungen, solche Tiertransporte zu verhindern, zunichtegemacht. Dieses Vorgehen widerspricht auch der Entschließung des Bundesrates vom 12. Februar, die Bundesregierung aufzufordern, diese Transporte zu verbieten, der auch das Land Niedersachsen zugestimmt hat.“


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