Wolfsverdacht

Vermutlich Wölfe reißen Jungbullen und Schafe

Im Landkreis Grafschaft Bentheim haben vermutlich Wölfe zwei Jungbullen und fünf Schafe gerissen. Landwirt Everhard Hüseman sagt: „Eine Koexistenz mit dem Wolf muss möglich sein!“

Everhard Hüseman bewirtschaftet einen Naturland-Milchviehbetrieb in Nordhorn (Grafschaft Bentheim, Niedersachsen). Auf einer hofnahen Fläche mit 26 Rindern entdeckte er letzte Woche zwei tote Jungbullen – acht Monate alt und rund 200 kg schwer.

„Als ich die Überreste der Tiere gesehen habe, war für mich sofort klar: Das waren die Wölfe“, so Hüseman. Die Größe der Tiere, die teils komplett fehlenden Läufe sowie gefressenen Fleischmengen ließen keinen anderen Schluss zu.

Wolfsberater Reinhold Gosejacob kann und darf das jedoch noch nicht bestätigen: „Fest steht aber, dass in unmittelbarer Umgebung ein Rudel Wölfe mit zwei Alttieren und drei etwa sechs Monate alten Welpen lebt.“

Wolfsriss

Von diesem Bullen fehlten alle vier Läufer, als Landwirt Hüseman das Tier entdeckte. Nachdem die Jungbullen vermutlich von Wölfen gerissen wurden, haben auch andere Wildtiere die Kadaver abgefressen. (Bildquelle: Reimink)

Einige Tage zuvor war eine Schafherde in Nordhorn angegriffen worden. Dabei wurde ein Schaf getötet und vier weitere verletzt. In beiden Fällen haben die Wolfberater DNA-Proben genommen und an das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geschickt. Das Ergebnis der Analyse soll in etwa drei Wochen vorliegen.

Der DNA-Nachweis bei Bio-Landwirt Hüseman könnte schwierig werden. Weil der Landwirt die Wassertränken direkt von einer Straße kontrolliert und die Herde sich nicht auffällig verhalten hatte, waren die toten Tiere im hinteren Teil der Fläche nicht sofort entdeckt worden und lagen vermutlich einige Tage in der Weide. Füchse und andere Tiere könnten ebenfalls an den Kadavern gefressen haben und den DNA-Nachweis erschweren. Trotzdem hofft Hüseman auf einen eindeutigen Nachweis, der seine Vermutungen bestätigen.

Hüseman

Everhard Hüseman aus Nordhorn bewirtschaftet einen Naturland-Milchviehbetrieb. (Bildquelle: Reimink)

Eine Koexistenz mit dem Wolf muss möglich sein" – Biolandwirt, Everhard Hüseman

Gleichzeitig macht der betroffene Landwirt aber deutlich: „Ich bin kein Wolfgegner, ganz im Gegenteil. Der Wolf hat seine Berechtigung. Wichtig ist, das eine Koexistenz möglich ist!“ Es dürfe den Wölfen nicht zur Gewohnheit werden, Nutztiere zu reißen. Darüber hinaus grenzt seine Rinderweide an ein Wohnhaus. „Wenn Wölfe in so unmittelbarer Nähe zum Menschen jagen, haben sie offensichtlich nicht genügend Respekt vor dem Menschen. Dann müssen wir auch über notwendige Konsequenzen sprechen.“ Vergrämung oder die Entnahme eines Wolfes seien dann eine Möglichkeit.

Die Grafschaft Bentheim zählt noch nicht zur "Richtlinie Wolf". Präventionsmaßnahmen bekommen Weidetierhalter daher bisher nicht gefördert. Allerdings sind sogenannte wolfsichere Schutzzäune für Hüseman auch keine Alternative. „Diese sind auf unseren vielen kleinen Flächen kaum umsetzbar. Außerdem behindern die Zäune den natürlichen Wildwechsel massiv. Das würde ich nicht wollen.“

In seiner Weide hat Hüseman jetzt Wildkameras aufgehängt, um einen möglichen zweiten Wolfangriff zumindest beweisen zu können. Seine Rinder treibt er nun jeden Abend in eine Feldscheune. „Das ist nicht ideal und bedeutet zusätzlichen Aufwand, aber wir haben keine andere Möglichkeit“, so der Landwirt. Schließlich muss der Naturlandhof alle Jungrinder ab drei Monaten weiden lassen.

Zudem nutzt der Betrieb gerne das noch verfügbare Weidegras für die Tiere. Denn nach drei trockenen Jahren ist das Futter knapp. Daher lässt der Landwirt auch seine 13 Jungbullen auf den Weiden. Die stehen allerdings drei Kilometer vom Hof entfernt. Hüseman hofft, dass die Bullen sich bei einem möglichen Wolfangriff selbst wehren könnten.

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