Österreich

Höhere Kosten, mehr Arbeit: Berglandmilch verlangt Vollmilchtränke

Lieferanten der Berglandmilch (AT) müssen ab sofort ihre Kälber mit Vollmilch tränken. Das hat finanzielle und arbeitswirtschaftliche Konsequenzen für Betriebe mit Tränkeautomaten.

Seit Anfang des Monats sind alle Lieferanten der österreichischen Molkerei Berglandmilch (BLM) verpflichtet, ihre Kälber bis zur 6. Lebenswoche mit Vollmilch zu tränken. Begründet wird die Vorgabe mit einer nachhaltigen, naturnahen Wirtschaftsweise und neuen Vermarktungsargumenten gegenüber Handel und Verbrauchern.

Vollmilchpulver ist teuer

Unter den Milcherzeugern sorgt das für Diskussionen. Denn Milchviehbetriebe, die bislang ihre Kälber mit Milchaustauscher (MAT) am Tränkeautomaten aufgezogen haben, trifft das nun empfindlich.

Zwar erlaubt die Molkerei an allen „nicht umrüstbaren Tränkeautomaten“ das Berglandmilch-eigene Milch­pulver einzusetzen – bestehend aus getrockneter, teilentrahmter Berglandmilch. Aber dies hat einen gewichtigen Haken: Das Milchpulver der Firma Alpi, einem Tochterbetrieb der Berglandmilch, ist rund 30 % teurer als gängige Milchaustauscherprodukte mit hohem Magermilchpulveranteil, die standardmäßig in der Kälberaufzucht am Automaten eingesetzt werden.

Laut Molkerei soll sich der Verkaufspreis des Vollmilchpulvers am aktuell gültigen Rohmilchpreis orientieren und ist von der Berglandmilch gestützt. Mit anderen Worten, die Milchbauern der Genossenschaft stützen ihr Pulver selbst, müssen drauflegen und der Preis kann sich monatlich ändern. Mit der letzten Milchpreissenkung wurde allerdings der Preis des Vollmilchpulvers nicht reduziert. Zudem wird den Milchbauern die Möglichkeit genommen, sich den passenden Milchaustauscher für ihren Betrieb frei auszuwählen. Denn die Auswahl an Herstellern sowie Qualitäten an Milchaustauschern am Markt ist groß.

Hinzu kommt das Problem, dass der Eisengehalt in der Vollmilch nur 5 bis 10 % dem Bedarf der Kälber entspricht. Herkömmliche Milchaustauscher sind diesbezüglich aufgewertet. Bei der Umstellung auf Vollmilchtränke müssen die Kälber daher unbedingt eine Eisenergänzung erhalten, entweder in Form eines eisenhaltigen Wirkstoffergänzers, einer Paste oder als Eisenspritze. Die Anrührtemperatur des Vollmilchpulvers muss zudem auf ca. 45 °C erhöht werden, um Klumpenbildung zu vermeiden.

Nur Übergangslösung

Dass die Option des BLM-Milchpulvers zudem nur eine Übergangsregelung darstellt, wurde bislang nur verhalten kommuniziert. Der Vorstand entscheidet, ob in ein, zwei oder mehr Jahren gänzlich Schluss mit der Pulvermilch ist. Alle Betriebe, deren Tränkeautomat nur mit Milchpulver funktioniert, müssen sich auf Investitionen vorbereiten.

Ist die Umrüstung möglich, kostet allein diese an bestehenden Automaten rund 3.000 € (Teile plus Montage). Dazu kommen noch Kosten für den Milchlagertank. Dieser sollte über ein Rührwerk und ein Kühlaggregat plus Leersensor oder Zeitschaltuhr (um das Einfrieren der Milchreste zu verhindern) oder zumindest eine Wasserkühlung verfügen. Die gekühlte Milch wird beim Tränkeabruf portionsweise aufgewärmt, was einen...


Diskussionen zum Artikel

von Michael Löw

Betrug

Das Programm ist doch reiner Betrug. Da Kälber älter als 6 Wochen nach wie vor mit MAT getränkt werden dürfen ist es kein Problem wenn noch MAT auf dem Betrieb einsteht. Und da unsere Kollegen in Österreich keine Buchführung machen müssen kann auch keiner die verfütterten Mengen ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Herr Weh

Aber zu 100% richtig was sie schreiben. Das schlägt sich dann im Milchpreis nieder der wird dann um 10% angehoben weil ja die Menge bei der Molkerei fehlt!!!

von Norbert Post

LEH

das ist sicher nicht die Idee der Molkerei geschuldet, sondern der Aufgabe immer wieder was neues zu kreiieren mit minimalem Aufwand um den Preis zu begründen, warum dieser höher ist als anderswo. Es reicht eben nicht mehr zu sagen: meine Kühe gehen auf die Weide, Ich bin GVO frei, ... mehr anzeigen

von Peter Beiersdorfer

Herr Post

Sicher kommen solche Ideen von LEHs die noch von linken NGOs beraten werden, denn die wollen ja auch noch mit verdienen an den Blödsinn! Nein da gibt es nur eins radikal raus aus der Produktion, die sollen sehen von welcher Seite der Erdkugel sie ihren Rohstoff bekommen egal ob es auf ... mehr anzeigen

von Peter Beiersdorfer

Kopfschütteln

Wenn sich die Erzeuger Entschuldigung so knebeln lassen, selber Schuld. Es nimmt mittlerweile in der verarbeitenden Lebensmittelindustrie Formen an um ein dummes Label zu haben, das die Mehrheit der Verbraucher eh nicht interessiert. Möchte nicht wissen was die Molkerei noch für das ... mehr anzeigen

von Renke Renken

Die nächste

"Eskalationsstufe" im Wettrennen um Labels und irgendwelche fadenscheinigen Alleinstellungsmerkmale ist dann wahrscheinlich die Rückkehr zum Handmelken, danach kommt dann den Rahm im eigenen Holzfaß gebuttert, Idiotie läßt sich scheinbar immer noch steigern, von Hand gefüttert und ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Das wundert mich jetzt schon!

Entweder hat die Person, die bei mir im ersten Kommentar den Daumen runter drückt, Schwierigkeiten, Ironie zu verstehen oder ein Problem damit, dass es höhere Milchpreise gibt...

von Kurt Brauchle

Es

gibt Leute , so scheint mir, die drücken bei jedem der nicht Kontra Landwirtschaft argumentieret den Daumen runter. Das muss man nicht verstehen, ist auch nicht einordenbar.

von Dietmar Weh

Richtig so!

Mann stelle sich nur vor: Vollmilch zu niedrigen Preisen weggeben- Umherkarren- Verarbeiten-mit hohem Energieaufwand woanders wieder trocknen- mit fragwürdigem Palmöl wieder versetzen wieder umherkarren- vielleicht noch Subventionen abgreifen und dann wieder an die Bauern verkaufen. ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Auswirkungen auf den Milchpreis?

Die Lieferanten bekommen doch sicher für die neue Auflage einen höheren Milchpreis. Oder träume ich schon wieder?

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