GAP-Reform

Weidetierprämie für Milchvieh als Öko-Regelung in der GAP gefordert

Milchviehhalter ziehen bei der der Agrarreform in Deutschland bisher den Kürzeren. Die AbL und Pro Weideland fordern eine Weidetierprämie für Milchvieh bei den Öko-Regelungen in der GAP.

Bei der Ausgestaltung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) in Deutschland fordert auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Nachbesserungen für Grünland-Betriebe bei den Öko-Regelungen (Eco-Schemes) in der 1. Säule. Nötig ist aus Sicht der AbL vor allem eine Honorierung der Weidehaltung von Milchkühen und deren Nachzucht.

Öko-Regelungen bisher nur für Grünland Extensivierung

Bisher können Milchviehhalter mit viel Grünland nur über eine Extensivierung Öko-Regelungen nutzen. Die Bundesregierung sieht in ihren Gesetzesentwürfen zur GAP von den sieben Öko-Regelungen drei explizit für Grünland vor: Altgras-Streifen oder -flächen auf Dauergrünland, Extensivierung des gesamten Dauergrünlandes sowie die ergebnisorientierte extensive Bewirtschaftung von Dauergrünland mit Nachweis von mindestens vier regionalen Kennarten. Wenn Betriebe auf das Futter vom Grünland angewiesen sind, sind ihre Möglichkeiten, zusätzlich zur Basisprämie Agrarzahlungen aus der 1. Säule zu bekommen, begrenzt.

AbL fordert Milchviehbetriebe mit Weidehaltung zu unterstützen

„Die aktuellen Gesetzentwürfe treiben meine Kühe von der Weide in den Stall, da ich als weidehaltender Milchviehbetrieb weder an der gekoppelten Zahlung teilnehmen kann noch ein nennenswertes Angebot in den Öko-Regelungen vorfinde. Damit habe ich praktisch keine Möglichkeit, die in der kommenden Förderperiode wegfallende Greening-Prämie wenigstens auszugleichen“, sagt Ottmar Ilchmann, selbst Milchviehhalter und Sprecher der AbL für Milchmarktpolitik. Aus seiner Sicht bergen die bisherigen Überlegungen in der Praxis sogar die Gefahr, dass Milchviehbetriebe mit dem Schwerpunkt Weidehaltung zukünftig gar keinen Förderantrag mehr stellen, da sie im Vergleich zum Status quo ggf. nur wenig Förderung bekommen aber trotzdem etliche zusätzliche Auflagen erfüllen müssen. „Der Effekt wäre eine weitere Intensivierung der Milchviehhaltung statt der eigentlich angestrebten Förderung der Extensivierung“, sagt Ilchmann.

Keine Förderung für intensive Schnittnutzung

Eine pauschale Grünland-Klimaprämie, wie sie etwa vom Deutschen Bauernverband (DBV) gefordert wird, sieht Ilchmann allerdings skeptisch. Aus seiner Sicht würde damit auch eine intensive Schnittnutzug und eine damit einhergehende Artenarmut von Intensivgrünland gefördert. Der DBV schlägt einen generellen „Grünland-Klima-Bonus“ bei den Öko-Regelungen für Betriebe mit hohem Dauergrünlandanteil ab 75% vor. Er begründet das mit den Klimaschutzleistungen des Grünlands.

Artenschwund durch Rückgang der Weidehaltung

Die Weidehaltung in die Öko-Regelungen aufzunehmen, unterstützt auch das Kuratorium Pro Weideland. „Um eine möglichst große Breitenwirkung zu erzielen, soll die Förderung sowohl für Milchkühe als auch für deren Nachzucht (Jungrinder, Mastbullen und Mastochsen) gelten“, schreibt Pro Weideland in einer Stellungnahme. Das Kuratorium geht davon aus, dass ein wesentlicher Beitrag des Verlusts der biologischen Vielfalt eng mit dem Rückgang der Weidewirtschaft in Verbindung steht. „Dem möchten wir aktiv durch Unterstützung der Weidehaltung entgegenwirken“, heißt es. Dem Kuratorium Pro Weideland gehört auch das niedersächsische Landvolk und damit ein Landesverband des DBV an.


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