Rüben: Weniger Wirkstoffe bei höherem Pilzdruck?

Die Wirkstoffvielfalt nimmt ab und der Krankheitsdruck zu. Über Notfallzulassungen lassen sich Cercospora, Mehltau und Co. in dieser Saison aber voraussichtlich noch in Schach halten.

Unser Autor

Sebastian Adam, Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübe Südwest

Sebastian Adam, Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübe Südwest

Sebastian Adam, Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübe Südwest

Cercospora ist neben Mehltau, Rost und Ramularia nach wie vor die wichtigste Blattkrankheit an Zuckerrüben. Der Pilz greift die Blätter an und zerstört sie. Es treiben neue Blätter aus, was die Pflanzen viel Zuckerreserven kostet. Ein früher Befall wirkt sich stark auf den Rübenertrag und Zuckergehalt aus – Verluste von bis zu 40% sind möglich.

Befallsfördernd sind ein milder Winter, gefolgt von einem warmen Frühjahr mit frühem Reihenschluss und hohe Niederschlagsmengen in den Monaten Juni und Juli. Zusätzlich wird das Auftreten von Cercospora durch eine hohe Luftfeuchtigkeit (über 90%) und warme Temperaturen (tagsüber 25 bis 30°C, nachts wärmer als 17°C) begünstigt.

Mehltau, Ramularia und Rost führen dagegen meist nur regional zu Ertragseinbußen. Allerdings werden diese Krankheiten bei Cercospora-resistenten Sorten an Bedeutung gewinnen, da ihre Bekämpfung dort nötig werden kann.

Cercospora immer hartnäckiger

Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass der Cercospora-Erreger gegenüber Strobilurinen vermehrt Resistenzen bildet und die Produkte dadurch wirkungslos werden. Vor allem der Rheingraben ist von diesem Problem betroffen – hier zeigte sich die Resistenz recht schnell. In Starkbefallsgebieten wirken die Strobis in Rüben nicht mehr, so die Erfahrungen der Arbeitsgemeinschaften und der Offizialberatung.

Im Gegensatz zu den Strobilurinen ist bei den Azolen kein sofortiges Resistenzauftreten zu beobachten, sondern ein ,,Shifting‘‘. Das heißt, dass die Azole in voller Aufwandmenge zwar wirken, ihre Leistung aber über die Jahre kontinuierlich abnimmt. Daher wird in Starkbefallsgebieten der zusätzliche Einsatz von Kontaktfungiziden empfohlen (diese sind meist aber nur über Notfallzulassungen anwendbar). Der Einsatz dieser Multi-Site-Wirkstoffe verhindert eine schnelle Resistenzentwicklung der Erreger. Kontaktmittel greifen an mehreren Stellen der Pilzzelle ein, sodass sich keine Resistenz ausbilden kann bzw. vorliegende Resistenzen gebrochen werden können.

Generell trifft das zunehmende Resistenzproblem zurzeit auf ein immer engeres Wirkstoffportfolio. Das Auslaufen von Zulassungen fungizider Wirkstoffe beeinträchtigt mittlerweile den gesamten Zuckerrübenanbau erheblich. Mit der Aufbrauchfrist von Cyproconazol bis November 2022 (Mercury Pro, Sphere) verringert sich z.B. die Palette der Azole – dann stehen vorerst nur noch zwei Azole gegen Blattkrankheiten zur Verfügung. Das sind Tetraconazol (Produkt: Domark) und Difenoconazol (Produkte: Score, Amistar Gold).

Notfallzulassungen für die Saison 2022

Zum Glück wurde Anfang Mai für sieben Fungizide eine Notfallzulassung erteilt (siehe Übersicht 1). Allerdings wird wohl die Verfügbarkeit auf dem Markt in der Saison 2022 der limitierende Faktor sein. Die verfügbaren Mengen sind in der letzten Spalte der Übersicht1 dargestellt.

Kombinieren Sie die gängigen Mittel wie Score und Domark mit den kupferhaltigen Produkten, um dem Shifting vorzubeugen. Bevorzugen Sie zudem den Einsatz von Mefentrifluconazol (Diadem) oder Prothioconazol (Propulse, Panorama), um eine Resistenz der bisher dominierenden Azole zu vermeiden.

Die Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübe Südwest erzielte in den letzten Anbaujahren mit dem Produkt Propulse sehr gute Ergebnisse in den Regionen Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. Daher sollte der Einsatz in diesen Gebieten im Vordergrund stehen. Zu beachten sind dabei allerdings die...

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