Schlachtrinder: Zu hoch gepokert?

Endlich können Rinderhalter ihre Kosten decken. Jetzt meckern die Schlachter, weil die Preise zu schnell steigen. Gibt es den Rindfleischmarkt, der allen gerecht wird? Ein Streitgespräch.

Herr Dr. Greshake, was waren die Gründe für die Preisrallye?

Dr. Frank Greshake: Mit zwischenzeitlich 5,88 €/kg für den R3-Bullen und 5,08 € für die O3-Kuh hatten wir historische Höchststände erreicht. Der entscheidende Grund für die Rallye ist schlicht und einfach das knappe Angebot. Bullenmast und Milchviehhaltung waren über viele Jahre praktisch nie kostendeckend. Der Strukturwandel schlägt gnadenlos zu, auch weil die Perspektiven für den Nachwuchs fehlen. Die Viehzählung vom November brachte im Vorjahresvergleich erneut ein Minus von 2,3% bei den Rindern. Gleichzeitig sind aber auch die Rindfleischeinfuhren zurückgegangen.

Schlachtunternehmen hadern mit den hohen Preisen. Warum? Können Sie die Preise im Verkauf nicht umsetzen?

Johannes Steinhoff: Es spricht nichts gegen hohe Preise. Im Gegenteil: Uns ist klar, dass wir uns mit niedrigen Erzeugerpreisen letztlich selbst die Grundlage entziehen. Andererseits müssen wir die hohen Preise auch in die Prozesskette hineinbekommen. Als wir letzten Herbst die Kontrakte geschlossen haben, konnten wir die hohen Preise nicht erwarten. Jetzt laufen wir den steigenden Preisen immer hinterher. Das Tempo ist zu hoch.

Herr Greshake, die Schlachter mögen keine großen Preissprünge. Waren Sie bei der Notierung der VEZG in den letzten Monaten zu forsch?

Greshake: Auf keinen Fall! Als VEZG kamen wir selbst teilweise manchmal nicht hinterher. Wenn wir montags die Notierung veröffentlichten, haben die Schlachter nachmittags die Preise oft schon wieder deutlich überboten.

Heribert Qualbrink: Das Problem ist die Spekulation. Wenn ich mir die Zahlen anschaue, haben wir im bisherigen Jahresverlauf etwa 30000 Jungbullen weniger geschlachtet als im Vorjahr. Laut Viehzählung wären aber nur 16000 bis 18000 Tiere weniger gerechtfertigt. Das heißt, es stehen noch 12000 überschwere Bullen in den Ställen, die wir in den letzten Wochen gut hätten gebrauchen können. Wir haben Geschäft liegengelassen. Das schadet nicht nur uns, sondern auch den Bauern.

Herr Greshake, haben viele Bullenmäster...

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