„Das Futter muss die Schweine beschäftigen!“ Plus

Landwirt Martin Stodal hält einen Teil seiner Schweine mit intaktem Ringelschwanz. Um Schwanzbeißen zu reduzieren, setzt er auf ein Beschäftigungsfutter.

Wer unkupierte Schweine halten will, steht vor vielen Herausforderungen. „Schweine mit intaktem Ringelschwanz signalisieren viel schneller als kupierte Tiere, wenn es Probleme im Stall gibt“, weiß Martin Stodal aus Erfahrung. Der Ferkelerzeuger und Mäster aus Creglingen in Baden-Württemberg hält bereits seit 2010 einen Teil seiner Schweine mit intaktem Ringelschwanz. Gibt es z.B. Probleme mit Zugluft oder fällt eine Tränke oder die Fütterung aus, bemerkt Martin Stodal das bei unkupierten Schweinen innerhalb von kurzer Zeit.

Das etwas nicht stimmt, erkennt der Landwirt an den herunterhängenden, eingeklemmten oder nervös wedelnden Ringelschwänzen der Schweine. Von 2015 bis 2019 hat er an den Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz teilgenommen und war Teil des Netzwerks 3 und 4 „Aufzucht und Haltung unkupierter Schweine“. In dieser Zeit hat Martin Stodal viele Maßnahmen erprobt, um Schwanzbeißen im Bestand zu reduzieren. Das vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) geförderte Vorhaben hat zum Ziel, neue Erkenntnisse aus der Forschung mithilfe von Modellbetrieben zügig in die landwirtschaftliche Praxis zu bringen.

Duroc bringt Ruhe

Bereits bei den Jungsauen achtet Martin Stodal darauf, nur unkupierte Tiere einzustallen. Zudem ist dem Landwirt ein gesundes und glänzendes Haarkleid mit kräftigen Borsten wichtig. Die Wahl der Ebergenetik spielt aus Stodals Sicht eine entscheidende Rolle für den Ringelschwanz-Erfolg. Der Schweinehalter ist davon überzeugt, dass ein Piétrain-Eber mit sehr hohen Magerfleischanteilen auf der Vaterseite der Ferkel dafür sorgt, dass die Tiere unruhig sind und dazu neigen, die Buchtengenossen zu beknabbern.

Bei der Auswahl der Ebergenetik experimentiert der Schweinehalter mit Sperma vom spanischen Duroc. In jeder 36-er Sauengruppe belegt er je sechs Sauen mit Duroc-Sperma. Die Ringelschwänze der Nachkommen bleiben dann unkupiert und sollten rosafarben, gut durchblutet und ohne Nekrosen sein. „Bei den Duroc-Ferkeln herrscht Ruhe mit Schwanz- und Ohrverletzungen und die Tiere sind robuster“, berichtet Martin Stodal. Das Fleisch der eingekreuzten Duroc-Schweine vermarktet der Landwirt gesondert.

Weniger Weizen

In puncto Fütterung hat der Schweinehalter im Betrieb einiges auf den Kopf gestellt. „Das gesamte Futter muss den Schweinen Beschäftigung bieten und für Ruhe im Darm sorgen“, lautet Martin Stodals Motto. Wenn der Darm stabil und beschäftigt ist, bleibt auch der Schwanz der Schweine intakt, ist der Landwirt überzeugt. „Weisen die Schweine bis zu einem Gewicht von 50 kg keine Verletzungen an Schwanz oder Ohren auf, laufen sie auch pro-blemlos bis zur Schlachtreife durch“, so der Landwirt. Die alten Breiautomaten im Flatdeck hat er durch eine Trockenfütterung ausgetauscht. „Bei der Trockenfütterung sind die Ferkel viel länger mit der Futteraufnahme beschäftigt und produzieren mehr Speichel. Das kommt ihnen dann bei der Verdauung zugute“, so der Landwirt. Im Maststall sind...


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