„Drachenköpfe“ steuern die Schweinehaltung

China setzt auf industrielle und vertikal integrierte Schweineproduktion. „Drachenkopf-Unternehmen“ geben als Leitbetriebe den Ton an. Aus dem Reich der Mitte berichten Jochen Noth, Dieter Staack und Uwe Trillmann.

China – da denken die meisten an übervölkerte Großstädte, Menschen mit Mundschutz in überfüllten U-Bahnen, verstopfte Straßen, qualmende Industrieschlote, smogverpestete Luft und vergiftete Flüsse. Nur wenige wissen, dass das Reich der Mitte auch der weltweit größte Produzent von Schweinefleisch ist. Über 50 % des Schweinefleisches auf unserem Globus werden in China erzeugt.

Fleischverzehr vervierfacht:

Ziel ist die Selbstversorgung der chinesischen Bevölkerung mit Schweinefleisch. Denn für die Han-Chinesen, die über 90 % der chinesischen Bevölkerung ausmachen, ist Schweinefleisch das wichtigste tierische Nahrungsmittel. In den letzten Jahrzehnten sind immer mehr Chinesen in die Städte gezogen, wie die Übersicht 1 verdeutlicht. Und der wachsende Wohlstand – vor allem der städtischen Bevölkerung – hat den Schweinefleischverzehr deutlich steigen lassen.

Bis Ende der siebziger Jahre bestanden die chinesischen Mahlzeiten hauptsächlich aus Reis, Nudeln und Gemüse. Fleisch gab es fast nur an Festtagen wie dem Frühlingsfest. Heute dagegen liegt der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch mit 47,4 kg über dem Weltdurchschnitt. Er wird nur noch von den Industrieländern übertroffen. Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich der Fleischverzehr Chinas vervierfacht.

Um diese enorme Nachfrage decken zu können, hat die Schweinehaltung in China auf Wunsch der Partei- und Regierungsführung einen enormen Wandel durchlebt. Nach einer langen Phase kommunistischer Planwirtschaft und politischem Chaos wurde Ende der 70er Jahre als erstes die Landwirtschaft reformiert. Grund und Boden blieben zwar Eigentum der Dörfer. Er wurde aber unter den Bauernfamilien zur eigenen Nutzung aufgeteilt und verpachtet.

1985 stammten 95 % aller in China produzierten Schweine aus kleinbäuerlichen Betrieben, die oft weniger als einen halben Hektar Land bewirtschaften durften und im Hinterhof maximal fünf Schweine hielten. Die Tiere wurden mit Haushaltsabfällen und eigenem Getreide gefüttert.

Nach amerikanischem Vorbild:

Doch das reichte nicht, um den wachsenden Fleischbedarf der Bevölkerung zu decken. Deshalb wurde die Landwirtschaft in den 90er-Jahren nach amerikanischem Vorbild industrialisiert und vertikal integriert. Regierung und kommunistische Partei forcierten diese Entwicklung ganz massiv.

Das Jahr 2006 brachte den endgültigen Durchbruch. Damals traten in China die ersten Fälle einer sehr aggressiven Form von PRRS auf, die Produktion brach ein, und die Fleischpreise schnellten in die Höhe. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Schweinefleisch zu sichern, reagierte die Regierung schnell. Sie förderte gezielt die großen, industriell arbeitenden Schweinehaltungs- und...

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