Fermentation: Achten Sie auf die Futterstruktur! Premium

Bei der kontrollierten Futterfermentation steigen zwar die N- und P-Verdaulichkeit, das Futter verliert jedoch an Struktur. Für die Magengesundheit kann das ein Risiko sein. Das Problem ist aber beherrschbar, erklärt Dr. Sebastian Bunte.

Die Zahl der Ferkelerzeuger und Schweinemäster, die ihr Futter fermentieren, lag jahrzehntelang auf einem relativ niedrigen Niveau. Nur wenige haben sich an die anspruchsvolle Futteraufbereitung herangewagt. Ein häufiges Problem war, dass die Futtersuppe „umkippen“ konnte, weil der Fermentationsprozess nicht intensiv genug überwacht wurde.

Seit etwa fünf Jahren wächst das Interesse der Landwirte aber deutlich. Das liegt u.a. daran, dass Futter heute in der Regel im sogenannten Batch-Verfahren fermentiert wird. Dabei wird immer ein Fermenter befüllt, der Inhalt fermentiert für mindestens 24 Stunden durch und wird dann komplett verfüttert. In der Zwischenzeit kann das Futter im zweiten Fermenter durchfermentieren. Übersicht 1 zeigt den Anlagenaufbau.

Auch die Stalleinrichter zeigen zusehends Interesse, etliche Firmen bieten mittlerweile technische Lösungen für die Fermentation an. Die Futtermittelfirmen haben das Thema ebenfalls für sich entdeckt. Mehrere Hersteller verkaufen Milchsäurebakterien, die für den Fermentationsprozess wichtig sind. Parallel dazu entwickeln die Futtermittelhersteller gezielt Sauen-, Ferkel- und Mastmischungen mit einem Teil Fermentat in der Gesamtration.

Fermentat ist gut fürs Tier:

In der Praxis sind die Erfahrungen unterschiedlich. Einige Landwirte sprechen von steigenden Leistungen, andere können das nicht bestätigen. Einig sind sich die Betriebsleiter aber allgemein darin, dass fermentiertes Futter gut für die Tiergesundheit ist. So verbessert sich z.B. die Darmgesundheit, denn im Fermentat findet man hohe Milchsäurebakterien- und Milchsäuregehalte sowie niedrige pH-Werte. Auch die Verdaulichkeit bei einigen Futterinhaltsstoffen steigt. Das ist insbesondere für Betriebe wichtig, die mit Nährstoffüberschüssen kämpfen und denen die neuen, schärferen Vorgaben der Düngeverordnung Probleme bereiten.

Unklar ist bislang aber, um wie viel Prozent die Verdaulichkeit der Futterkomponenten steigt, welchen Effekt fermentiertes Futter auf die Magen-Darm-Gesundheit beim Schwein hat und inwieweit krankmachende Keime wie z.B. Salmonellen durch den Fermentationsprozess abgetötet werden. Diesen Fragen ist man deshalb an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover am Institut für Tierernährung unter Leitung von Prof. Dr. Josef Kamphues nachgegangen.

Unter standardisierten Bedingungen wurden Schweine mit etwa 20 kg Lebendgewicht einzeln über vier Wochen im Institutsbetrieb aufgestallt. Alle Tie-re stammten aus einem Herkunftsbetrieb und waren gleich alt. Im ersten Versuch erhielten die Tiere fermentiertes Flüssigfutter, die Schweine der Kontrollgruppe identisches Flüssigfutter, das aber nicht fermentiert war. Aufgrund von positiven Erfahrungen aus verschiedenen Praxisbetrieben wurde dem Futter knapp 50% Roggen zugemischt. Als Eiweißkomponente kam Rapsextraktionsschrot (RES) zum Einsatz, der Mischungsanteil lag bei knapp 30%, wie Übersicht 2 zeigt.

Gemeinsam mit Warmwasser wurden zunächst das Getreide und der Proteinträger in die Fermenter gegeben. Nach der 24-stündigen Fermentation wurde das fertige Fermentat dann zusammen mit dem Mineralfutter und den restlichen Komponenten angemischt und als fertiges Flüssigfutter ausdosiert.

Hoher Phytin-Abbau bei Roggen:

Um die Einflüsse der Fermentation auf das Futter...

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Artikel geschrieben von

Marcus Arden

Redakteur Schweinehaltung

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