Frischlinge schießen, wann immer es geht Plus

Um die Pestgefahr zu reduzieren, müssen die Wildschweinebestände deutlich reduziert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Jagd auf Frischlinge. Denn sie sind der Motor der Schwarzwildvermehrung, argumentiert Berufsjäger Peter Markett.

Die hiesigen Schwarzwildbestände sind in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Woran liegt das?

Markett: Das hat mehrere Ursachen. Erstens finden die Wildschweine eine hervorragende Futtergrundlage. Das gilt für Eicheln und Bucheckern im Wald, vor allem aber für den zunehmenden Maisanbau. Denn Mais ist sehr energiereich. Die gute Futtergrundlage wirkt sich positiv auf die Fruchtbarkeit aus. Die Wildschweine erreichen früher die Geschlechtsreife. Die Vermehrungsrate liegt daher inzwischen bei 300%.

Zweitens überleben mehr Frischlinge, denn die Winter sind aufgrund des Klimawandels deutlich milder geworden. Und drittens wird die Bejagung immer schwieriger, da die Wildschweine ganzjährig Deckung finden. Von Mai bis August können sie sich in die Maisschläge zurückziehen. Und im Herbst/Winter bieten ihnen die Zwischenfrüchte auf den Greeningflächen hervorragende Deckung.

Freut sich nicht sogar mancher Jagdpächter, mit den Schwarzkitteln eine neue Wildart im Revier zu haben?

Markett: Wir beobachten seit Jahren, dass die klassischen Niederwildarten, also Hase und Fasan, rückläufig sind. In die Niederwildgebiete wandern jetzt zunehmend Wildschweine ein. Einigen Jagdpächtern, die hohe Pachten zahlen müssen, ist die neue Wildart daher sehr willkommen. Teilweise wird auch noch mit Futter gekirrt (angelockt), was die Wildwscheine dann im jeweiligen Revier hält.

Vor dieser „Willkommenskultur“ für Schwarzkittel in Niederwildgebieten kann ich jedoch nur warnen, denn sie ist für die Hausschweinebestände brandgefährlich. Die Geister, die man rief, wird man beim Schwarzwild nur schwer wieder los. Denn wenn eine Bache in einem Revier erst einmal gefrischt hat, bleiben sie und ihre Rotte dem Standort lange treu. Deshalb muss es das Ziel der Jäger sein, dem Anstieg des Wildschweinebestandes mit angepassten Jagdmethoden entgegenzuwirken.

Stichwort angepasste Jagdmethoden: Warum müssen vor allem Frischlinge intensiv bejagt werden?

Markett: Wir beobachten, dass die Wildschweine immer früher geschlechtsreif werden. 80% der weiblichen Frischlinge bringen noch im Jahr ihrer eigenen Geburt selbst Nachwuchs zur Welt. Daher die hohe Reproduktionsrate von 300%. Frischlinge sind der Motor der Schwarzwildpopulation, und der tuckert nicht im Standgas, sondern läuft auf Hochtouren! Wenn wir den Scharzwildbestand effektiv regulieren wollen, müssen wir deshalb bei den kleinen Stücken ansetzen, also bei den Frischlingen.

Dazu eine Beispielrechnung: Wenn ich einen einzelnen Überläufer-Keiler erlege – was aus jagdlicher Sicht attraktiver ist, als einen Frischling zu schießen – reduziere ich die Population nur um dieses eine Tier. Schieße ich dagegen einen weiblichen Frischling, habe ich die Population nach vier Jahren um cirka 189 Stücke Schwarzwild vermindert! Die Jagd auf Frischlinge ist somit für eine...

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