Gegen Ödemkrankheit impfen?

Die Ödemkrankheit verursacht bei Absetzferkeln große Verluste. Ursache ist eine Infektion mit Shigatoxin-bildenden Colibakterien. Wie man die Ferkel schützen kann, erläutert Prof. Dr. Rolf Bauerfeind, Justus-Liebig-Universität Giessen.

Die Ödemkrankheit gehört weltweit zu den häufigsten Erkrankungen bei Ferkeln. Betroffen sind hauptsächlich Tiere in den ersten ein bis zwei Wochen nach dem Absetzen, also 5 bis 15 kg schwere Ferkel. In den letzten Jahren werden aber auch immer häufiger Ausbrüche bei älteren Tieren und Läufern beobachtet.

Die Erkrankung beginnt oft unspektakulär. Die betroffenen Tiere verweigern das Futter. Wenig später bilden sich an den Augenlidern, auf dem Nasenrücken und in der Magen-Darm-Wand Flüssigkeitsansammlungen, die Ödeme. Sie treten meist bei den am besten entwickelten Ferkeln auf. Bei schwächeren Tieren sind sie dagegen eher unscheinbar oder fehlen ganz.

Bei manchen Tieren ist die Kehlkopfschleimhaut verdickt. Die Schreie dieser Ferkel klingen deshalb mitunter hoch und schrill. Bei anderen wirkt die Stimme heiser und tonlos.

Zentralnervöse Störungen:

Noch häufiger treten bei den erkrankten Ferkeln zentralnervöse Ausfallerscheinungen auf. Die Ferkel wirken schreckhaft, ihr Gang ist steif, sie halten den Kopf schief und laufen im Kreis. Akut erkrankte Tiere liegen auf der Seite und vollführen Ruderbewegungen oder kraftlose Aufstehversuche. Einige zittern am ganzen Körper.

Durchfall und Fieber sind bei der klassischen Ödemkrankheit eher die Ausnahme. Wenn zusätzlich zu den Ödemen Durchfall auftritt, ist dieser in der Regel die Folge einer zusätzlichen Infektion mit Durchfallerregern.

Meist verläuft die Ödemkrankheit akut bis perakut und ist lebensbedrohlich. In manchen Betrieben versterben sogar alle daran erkrankten Ferkel. Allerdings gibt es auch den weniger schweren Verlauf, bei dem die charakteristischen Symptome fehlen. Manchmal äußert sich die Krankheit einzig und allein in verminderten Zunahmen. Die betroffenen Ferkel bleiben später auch dann in ihrer Entwicklung zurück, wenn die Erkrankung bereits überwunden ist.

Bakteriengifte als Auslöser:

Lange glaubte man, dass die Ödemkrankheit ein reines Fütterungsproblem bzw. allein die Folge eines zu hohen Eiweißgehaltes im Futter sei. Inzwischen weiß man, dass die Erkrankung auf eine Darminfektion mit ganz bestimmten E. coli-Keimen zurückzuführen ist. Es handelt sich dabei um so genannte EDEC-Stämme (Endema Disease E. coli), die perfekt an das Leben im Schweinedarm angepasst sind. Bei anderen Wirbeltieren findet man sie selten, beim Menschen bisher gar nicht.

E. coli sind extrem anpassungs- und wandlungsfähige Darmbakterien. Die meisten leben als harmlose „Mitesser“ im Dickdarm warmblütiger Tiere. Andere haben im Laufe ihrer genetischen Entwicklung zusätzliche Eigenschaften erworben, durch die sie ihre Wirte in unterschiedlicher Weise schädigen können.

Einige setzen z. B. Bakteriengifte frei, so genannte Exotoxine. Andere besitzen Haftorgane, mit denen sie sich unter anderem an die Zellen der Dünndarmschleimhaut ihres Wirtes anheften können. Oder es gelingt ihnen mithilfe so genannter Invasine, in die Darmzellen ihres Hausherren einzudringen.

Beim Schwein sind neben den bereits genannten EDEC vor allem die ETEC- (enterotoxische E. coli) und EPEC-Stämme (enteropathogene E. coli) bedeutsam (siehe Übersicht 1). Beide E. coli-Pathotypen sind Durchfallerreger. ETEC sind Ursache der Colidiarrhö, die besonders bei Ferkeln in der ersten Lebenswoche und in den ersten Tagen nach dem Absetzen zu großen Verlusten führt. EPEC lösen nach bisherigem Wissen Durchfälle vorwiegend bei Absetzferkeln aus.

Hochgiftiges Shigatoxin:

Die für die Ödemkrankheit verantwortlichen EDEC-Stämme verfügen über einige Merkmale, an denen man sie eindeutig von den anderen E. coli-Bakterien unterscheiden kann. Die wichtigste Eigenschaft ist die Fähigkeit, den Giftstoff „Shigatoxin...

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