Influenzaviren haben oft die Finger im Spiel

Influenzaviren können an verschiedenen Erkrankungen beteiligt sein. Der folgende Praxisfall zeigt, dass man dem wahren Verursacher oft nur mit detektivischem Gespür auf die Schliche kommt.

Die Influenza ist zurzeit die häufigste und bedeutendste Virusinfektion, mit der wir in unserer Schweinepraxis zu kämpfen haben“, bringt es Dr. Alexander Maas auf den Punkt. Maas ist einer der beiden Geschäftsführer der Praxis Vivet in Geseke in Ostwestfalen.

Das Tückische sei, so Maas, dass sich das Krankheitsbild der Influenza in den letzten Jahren deutlich verändert habe. Sie komme inzwischen nicht mehr nur saisonal vor, sondern ganzjährig. Zudem treten die klassischen Verlaufsformen zunehmend in den Hintergrund. Immer häufiger beobachten Dr. Maas und seine Kollegen stattdessen schleichende, unauffällige Verläufe.

Influenza als Wegbereiter

Oftmals schwächen die Influenzaviren (SIV) das Immunsystem der Schweine dabei so stark, dass andere Erreger wie PRRS- und Circoviren oder bakterielle Keime wie Streptokokken plötzlich wieder große Probleme bereiten – Erkrankungen, die man durch Impfungen und hohe Biosicherheitsstandards längst im Griff zu haben glaubte.

Das macht auch die Ursachensuche so schwierig. Welcher Erreger ist die Henne und welcher das Ei? Welcher Erreger verursacht tatsächlich die Probleme, und welcher Keim ist dafür nur der Wegbereiter? Das gilt auch für den folgenden Praxisfall. Im Frühjahr 2020 kam ein größerer Ferkelvermarkter aus der Region auf die Vivet-Tierärzte zu. Der Vermarkter vermittelt seit etlichen Jahren Ferkel aus einer Sauenanlage in Sachsen-Anhalt mit 1 700 Sauen an zehn bis 15 Mäster in NRW, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Die Sauenanlage gibt die Tiere bereits als Babyferkel ab. Der Vermarkter transportiert sie dann zu sechs Ferkelaufzuchtbetrieben in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen sowie Thüringen und vermittelt die Mastläufer später an die Mastbetriebe.

Massive Atemwegsprobleme

Das arbeitsteilige System funktionierte lange Zeit ohne größere Probleme. In letzter Zeit kam es in einem der Aufzuchtbetriebe jedoch zu massiven Atemwegsproblemen. Die Tiere husteten bellend. Im fortgeschrittenen Stadium folgten Krankheitssymptome, die auf eine Circoinfektion schließen ließen. Die Tiere kümmerten, und die Verlustrate stieg auf bis zu 7%. Auch die Haut-Nierenform (PDNS) der Erkrankung war zu beobachten.

In den nachgeschalteten Mastbetrieben setzten sich die Probleme fort. In den Blutproben, die der betreuende Tierarzt zog, wurde eine hohe Circo-Viruslast vom Typ PCV2b nachgewiesen, obwohl die Ferkel in der Sauenanlage gegen PCV2 geimpft worden waren.

„Auffallend war, dass aber auch die anderen Aufzucht- und einige Mastbetriebe über leichte Atemwegsprobleme berichteten“, erinnert sich Dr. Maas. Nichts dramatisches, die Verluste waren nicht erhöht, aber die Tiere waren gesundheitlich nicht so stabil wie...