Jungsauen mit 100% Ringelschwanz Plus

Jungsauenvermehrer Ludger Großekathöfer verzichtet seit Januar bei allen weiblichen Tieren auf das Kupieren des Ringelschwanzes. top agrar hat er verraten, wie sein Erfolgsgeheimnis aussieht.

Schweine mit intaktem Ringelschwanz zu halten, ist für die meisten Sauenhalter und Mäster nach wie vor ein rotes Tuch. Viele haben Angst vor Beißereien im Stall und blutigen Schwanzspitzen, von denen Praktiker immer wieder berichten.

„Die Sorgen meiner Berufskollegen sind berechtigt“, sagt Ludger Großekathöfer, Jungsauenvermehrer aus dem westfälischen Langenberg bei Rheda-Wiedenbrück. Dennoch plädiert er dafür, das Thema aktiver als bislang anzupacken. „Machen wir uns nichts vor, nach dem Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration zum 1. Januar 2021 wird das Kupieren als Nächstes verboten. Das dauert keine zehn Jahre mehr“, ist sich der Landwirt sicher.

Veterinärämter sind kritisch

Großekathöfer gibt außerdem zu bedenken, dass sich die Sauenhalter beim Kupieren seit Jahren in einer rechtlichen Grauzone bewegen. Streng genommen darf nur derjenige kupieren, der eindeutig nachweisen kann, dass die Maßnahme aus Tierschutzgründen unerlässlich ist. „Der Nachweis ist aber gar nicht so einfach zu führen, Kontrolleure bewerten die Situation oft anders als Tierhalter. Außerdem schauen die Mitarbeiter der Veterinärämter uns Bauern immer genauer auf die Finger“, warnt er vor zu viel Sorglosigkeit.

Der 53-jährige Landwirt, der in seinem Betrieb jährlich rund 4000 Jungsauen der Linie Topigs Norsvin TN70 produziert, sucht bereits seit Jahren nach Ansätzen, wie er auf das Schwanzkupieren verzichten kann. Dabei ist Großekathöfer nicht sofort volles Risiko gegangen. Zunächst hat er bei seinen Reinzuchttieren Erfahrungen gesammelt. In jeder Absetzgruppe blieben bei 20% der weiblichen Ferkel die Ringelschwänze dran. Nach und nach hat er den Anteil dann erhöht. Seit gut drei Jahren wird in der Reinzucht nun kein Schwanz mehr eingekürzt.

Die positiven Erfahrungen haben ihn dazu bewegt, den Kupierausstieg auch in der Vermehrungsstufe anzugehen. Auch hier ging er schrittweise vor. „Seit Januar dieses Jahres sind wir nun so weit, dass wir bei allen von uns produzierten Jungsauen keinen Ringelschwanz mehr einkürzen“, beschreibt Großekathöfer die Situation.

Richtige Faser ist wichtig

Doch was macht seinen Erfolg aus? Warum scheint die Haltung von Schweinen mit intaktem Ringelschwanz im Betrieb Großekathöfer recht gut zu funktionieren, während es in anderen Beständen immer wieder Probleme gibt? Für den Landwirt sind es eine Reihe von Faktoren, auf denen sein Erfolg fußt.

Der wichtigste Hebel ist aus seiner Sicht die Fütterung. Entscheidend ist die Auswahl der Faser. „Sie muss qualitativ top sein, die Dünn- und Dickdarmverdauung unterstützen und dafür sorgen, dass die Tiere nach dem Fressen satt sind. Denn nur satte Schweine sind zufrieden“, betont der Jungsauenvermehrer. Er schwört auf den Einsatz von Silomais. Dieser sättigt, ist stärkereich und enthält viel bakteriell fermentierbare Substanz, die für die Ernährung der Mikroorganismen im Dickdarm wichtig ist. So fördert Großekathöfer gleichzeitig die positiven Darmbewohner.

Zudem bringt der Mais Lignocellulose mit in die Ration. Sie ist wichtig für die Darmmotilität, also die Beweglichkeit des Darms. Durch Lignocellulose wird die Vorwärtsbewegung des Darminhaltes unterstützt und es wird verhindert, dass bakterielle Zerfallsprodukte Ohr- und Schwanznekrosen auslösen.

„Allerdings muss der Anteil an Lignocellulose im Futter begrenzt werden, da die...


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