Mästen im Acker-Eldorado Premium

Ferkelerzeuger Heinrich Gerwert hat seinen Maststall 500 km vom Heimatbetrieb entfernt inmitten der Flächen von Ackerbauer Hubertus Paetow gebaut. Davon profitieren beide Landwirte. Die Spielregeln für die Verwertung von Gülle sind in der Düngeverordnung klar definiert. Pro Hektar dürfen nicht mehr als 170 kg N aus Wirtschaftsdüngern ausgebracht werden. Zudem darf der Phosphorüberschuss 20 kg pro ha im sechsjährigen Mittel nicht überschreiten. Wird die Novelle der Düngeverordnung wie geplant noch in diesem Jahr verabschiedet, sind künftig wohl nur noch maximal 10 kg P-Überschuss im sechsjährigen Mittel erlaubt. Besonders für die Schweinehalter in den nordwestdeutschen Veredelungshochburgen verschärft sich die Nährstoffproblematik dadurch weiter. In Zukunft müssen sie noch mehr organischen Wirtschaftsdünger exportieren. Den Transport in die Ackerbauregionen übernehmen häufig Nährstoffbörsen, Nährstoffvermittler oder private Spediteure. Und das Geschäft brummt. Wer regelmäßig auf den Ost-West-Achsen A1, A2 oder der A44 unterwegs ist, dem dürften die „Gülle-Tanker“ bereits aufgefallen sein. Auch Sauenhalter Heinrich Gerwert aus dem Münsterland hatte sich bereits über den Gülleexport in Ackerbau-regionen informiert, als er vor gut fünf Jahren den Einstieg in die Schweinemast plante. „Das hörte sich zunächst recht einfach an. Die Gülle wird direkt vom Behälter abgeholt und um die weitere Verteilung kümmert sich der Spediteur“, erinnert sich der Unternehmer an das Gespräch. Ganz anders wurde dem Landwirt aber, als ihm die Kosten präsentiert wurden. Gut 10 € pro Kubikmeter sollte Gerwert zahlen, umgerechnet etwa 15 € pro Mastplatz. Finanziell wäre die Mast damit zum Verlustgeschäft geworden, weiß der Landwirt. Sauenhalter trifft Ackerbauer.Für Heinrich Gerwert war das Thema Mastschweinehaltung damit erst einmal vom Tisch. Durch Vermittlung der LWK Nordrhein-Westfalen traf der Sauenhalter dann aber auf Ackerbauer Hubertus Paetow, der in Finkenthal in Mecklenburg-Vorpommern einen reinen Marktfruchtbetrieb mit 1300 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche bewirtschaftet. Die Fruchtfolge besteht aus Winterweizen, Wintergerste, Raps und Zuckerrüben. Zudem betreibt der Landwirt auf 600 ha Saatgutvermehrung. „Im fünfjährigen Schnitt ernten wir auf unseren anlehmigen Sandböden 8,5 t Winterweizen, 7,8 t Wintergerste und 4 t Raps. Das ist für die hiesigen Böden mit durchschnittlich 39 Bodenpunkten ein gutes Ergebnis“, erklärt Paetow. Dennoch sorgt sich der Landwirt ernsthaft um den Zustand seiner Böden. „Die Bodenstruktur hat unter der jahrzehntelang rein mineralischen Düngung gelitten“, erklärt Paetow selbstkritisch. Auf vielen Flächen fehlt organische Substanz, der Humusgehalt liegt teilweise unter 1%, optimal wären 2 bis 3%. Das hat ernste Folgen. Durch die geringe ...

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