Neue Dysenterie-Stämme: Harmlos oder gefährlich? Premium

Eine neue Variante von Dysenterie-Erregern sorgt für Irritation. Unsere Autoren erklären, worauf Sie achten sollten, wenn Sie dysenterieunverdächtige Schweine einstallen wollen.

Die Dysenterie gehört zu den verlustreichsten Erkrankungen in der Schweinemast. Die typischen Krankheitssymptome sind zementfarbener oder blutig-schleimiger Kot und Leistungseinbußen bis hin zu Tierverlusten.

Trotz sofortiger Antibiotikabehandlung kommt es häufig zu erneuten Krankheitsschüben. Deshalb versuchen immer mehr Mäster, Ferkel aus dysenterieunverdächtigen Beständen zu beziehen. Für Jungsauenvermehrer und Ferkelerzeuger ist die Unverdächtigkeit daher inzwischen ein wichtiges Verkaufsargument geworden.

Ferkel plötzlich positiv

Auch Ferkelerzeuger Klaus Kintzel (Name geändert) aus dem Emsland legte großen Wert darauf, seinen neuen Stall ausschließlich mit Sauen zu bestücken, die das Bakterium Brachyspira hyodysenteriae, den Verursacher der Dysenterie, nachweislich nicht in ihrem Dickdarm tragen. Er kaufte die Tiere daher bei einer Zuchtorganisation mit Hochgesundheitsstatus, die ein Dysenterie-Monitoring durchführt.

Umso schockierter war er, als es beim nächsten Ferkelverkauf eine Dysenteriereklamation gab. Einer seiner Mästerkunden hatte nach der Ankunft der Mastläufer Kotproben gezogen und per Polymerase-Kettenreaktion (PCR) auf Brachyspira hyodysenteriae untersuchen lassen. Das Ergebnis war positiv.

Schon begann der Streit: Hatten die Ferkel den Erreger tatsächlich aus dem Bestand von Klaus Kintzel mitgebracht? Oder hatten sie sich erst bei ihrer Ankunft im Mastbetrieb infiziert? Und wenn sie den Erreger mitgebracht hatten, konnte Kintzel seinerseits den Jungsauenvermehrer haftbar machen? Würde die Ertragsschadenversicherung, die er gegen Dysenterie für seinen neuen Bestand abgeschlossen hatte, für den Schaden aufkommen? Und würde die Versicherungssumme für eine Sanierung sowie einen Neuanfang reichen?

Neue Erreger-Variante

Um die Einschleppungsquelle ausfindig zu machen, wurden in allen drei Beständen stichprobenartig Kotproben bei den Tieren gezogen. Und siehe da: Aus einzelnen Proben aller drei Bestände konnte im Labor tatsächlich Brachyspira hyodysenteriae angezüchtet werden. Mithilfe moderner molekularbiologischer Verfahren ließ sich sogar belegen, dass der Erreger mit hoher...

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Artikel geschrieben von

Henning Lehnert

Redakteur Schweinehaltung

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