Per Isofluran-Narkose im Schlaf kastriert Premium

Das Bundeslandwirtschaftsministerium favorisiert die Kastration männlicher Ferkel unter Isofluran-Narkose. Wie kommen Praktiker mit dem Verfahren klar? top agrar hat nachgefragt.

Wenn Berufskollegen das Thema Ferkelkastration diskutieren, kann sich Sauenhalter Christian Wesseler ganz entspannt zurücklehnen. Denn er hat sich bereits für ein Verfahren entschieden. Der 36-Jährige, der im niedersächsischen Bissendorf gemeinsam mit seinen Eltern einen Kombibetrieb mit 200 Sauen im Geschlossenen System betreibt, kastriert die männlichen Ferkel schon seit mehreren Jahren unter Betäubung mit dem Narkosegas Isofluran.

Begonnen hat er damit im Juli 2012. Die Erzeugergemeinschaft für Qualitätsferkel im Raum Osnabrück eG (EGF) suchte damals nach Betrieben, die an einem Pilotprojekt teilnehmen und beim Kastrieren freiwillig die Isofluran-Narkose anwenden. Dafür stellte die EGF den Wesselers und zwei weiteren Ferkelzeugerbetrieben kostenlos die in der Schweiz erworbenen Narkosegeräte „PIGNAP Pro“ der Firma Walder-Technik zur Verfügung. Die Geräte verfügten über jeweils zwei Narkoseplätze.

Die Projektphase dauerte ein Jahr. Anschließend landete das Gerät wegen des höheren Aufwands und der Kosten zunächst unter einer Plane im Schuppen. Erst als sich eine interessante Vermarktungsmöglichkeit für betäubt kastrierte Ferkel ergab, holte Wesseler das Narkosegerät wieder hervor. Bereits seit 2017 werden alle männlichen Ferkel vor dem Kastrieren mit Isofluran in einen Kurzschlaf versetzt. Rund 6000 Tiere wurden seitdem mit der Apparatur erfolgreich narkotisiert.

Narkose durch den Tierarzt

Da eine Vollnarkose laut Tierschutzgesetz nur durch den Tierarzt durchgeführt werden darf (Tierärztevorbehalt), wird das Betäuben und anschließende Kastrieren im Betrieb Wesseler von der bestandsbetreuenden Tierarztpraxis Böhne aus Melle durchgeführt. „Wir müssen ohnehin während der gesamten Narkose anwesend sein. Deshalb haben wir mit Herrn Wesseler vereinbart, dass wir auch gleich das Kastrieren mit durchführen“, erläutert Praxisinhaberin Inge Böhne die ungewöhnliche Arbeitsverteilung.

Alle drei Wochen setzen die Wesselers nach vierwöchiger Säugezeit 300 bis 350 Ferkel ab, davon 150 bis 170 männliche. Am dritten Lebenstag bekommen die Ferkel zunächst eine Eiseninjektion und vorbeugend gegen Kokzidiose wird ihnen Baycox oral verabreicht.

Im gleichen Arbeitsgang werden auch die Ohrmarken eingezogen und die Tiere nach Geschlecht sortiert. Die weiblichen Ferkel erhalten eine weiße Gegenplatte zur Ohrmarke und die „Jungs“ eine rote. Auf diese Weise können zum Kastrieren, das zwei bis drei Tage später erfolgt, ganz gezielt nur die männlichen Tiere herausgegriffen werden. Das spart deutlich Zeit. Beim Kastrieren wird nach Zeit abgerechnet, nicht nach Anzahl behandelter Ferkel. Sobald das Narkosegerät einsatzbereit ist, werden die männlichen Ferkel in einen Behandlungswagen...

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