Spaniens Schweinehalter spüren heftigen Gegenwind Plus

In Spanien geht die Post ab, die Schweinefleischerzeugung wächst seit Jahren rasant. Nun formiert sich Widerstand, vor allem gegenüber den Großbetrieben. Politik, Tier- und Umweltschützer nehmen die Bauern in die Zange.

Die Zahlen sind beeindruckend: In den letzten 30 Jahren wuchs der spanische Schweinebestand von 15 auf über 30 Mio. Tiere. Allein in den letzten sechs Jahren betrug der Zuwachs gut 5 Mio. Schweine, wie Übersicht 1 zeigt. „Jedes fünfte in der EU produzierte Schwein stammt heute aus spanischer Produktion“, betont Pablo Bernardos Hernández, Leiter des Fachbereichs Schwein und Geflügel beim spanischen Landwirtschaftsministerium in Madrid, stolz.

Beachtenswert ist, dass die spanischen Produzenten ihre Spitzenposition seit Jahren immer weiter festigen. Zwar schwächt sich das Bestandswachstum etwas ab, weil aber der Zweitplatzierte Deutschland allein in den letzten zwölf Monaten über 3 % seiner Schweine verloren hat, steht Spanien heute unangefochten auf Platz eins in der Hitliste der größten EU-Schweinehalter.

Auch im Hinblick auf die Schweinefleischproduktion schicken sich die Südeuropäer an, den ersten Tabellenplatz von Deutschland zu übernehmen. Mit einer Jahresproduktion von rund 4,5 Mio. t Schweinefleisch liegen sie nur noch 1 Mio. t hinter Deutschland. Deutschland führt nur noch, weil die Schlachtgewichte im Schnitt gut 10 kg höher liegen.

Auch global gesehen arbeiten sich Spaniens Schweinehalter immer weiter nach vorn. Aktuell ist man der viertgrößte Schweinefleischproduzent weltweit. Der Umsatz in der Fleischindustrie liegt bereits bei gut 26 Mrd. € pro Jahr. Der Anteil an der spanischen Ernährungsindustrie beträgt 22%, am Bruttoinlandsprodukt 2,2%.

VEredlungshochburgen im Nordosten

Ähnlich wie in Deutschland konzentriert sich die Produktion sehr stark in wenigen Veredlungszentren. Die Hochburgen liegen im Nordosten des Landes. In der Region Katalonien stehen gut 24% der spanischen Schweine (7,8 Mio. Stück), in Aragonien etwa 26% (8,1 Mio. Stück), wie Übersicht 2 zeigt. Vor allem Aragonien hat einen wahren Schweineboom erlebt. Zwischen 2009 und 2018 stieg der Bestand um mehr als 46% an, in Katalonien lag das Plus bei 17%. Große Bedeutung in der Veredlung hat auch noch die Region Kastilien-León. Hier stehen über 4 Mio. Schweine.

Strukturen ändern sich

Im Zuge der rasanten Entwicklung des spanischen Schweinefleischsektors verändern sich auch die Produktionsstrukturen. Wie in Übersicht 3 auf Seite S 6 dargestellt, nahm die Zahl der Schweinehalter mit bis zu 2800 Sauen- bzw. bis zu 7000 Mastplätzen in den letzten elf Jahren um 51% zu! Ein Plus von 16% gab es bei den Betrieben mit maximal 1200 Sauen bzw. 3000 Mastplätzen. Verlierer sind die kleineren, oft von Familien geführten Betriebe mit bis zu 400 Sauen oder 1000 Mastplätzen. Ihr Anteil sank um 25%. Noch deutlicher war der Rückgang bei den Kleinstbeständen mit weniger als 100 Schweinen. Das Minus betrug 47%.

Aktuell betreiben in Spanien knapp 47000 Betriebe intensive Schweinehaltung, so wie wir sie auch in Deutschland kennen. Hinzu kommen aber noch einmal fast 40000 sogenannte „sonstige Schweinehalter“. Dazu zählen die spanischen Behörden Höfe mit Eichelmast, Outdoorhaltung, Bioschweinehalter usw. Diese Betriebe sitzen vor allem in den westlichen Regionen Spaniens wie zum Beispiel Extremadura, Andalusien, dem westlichen Teil von Kastilien-León und Galizien.

Integrationsmodell dominiert

Während das Thema vertikale Integration in Deutschland noch immer in den Kinderschuhen steckt und vielfach kritisch gesehen wird, arbeiten die Spanier bereits seit den 1960er-Jahren mit diesem Modell. Die Formen sind dabei sehr unterschiedlich.

  • Zu einer Integration können z.B. die Mischfutterproduktion, die Ferkelerzeugung, die Aufzucht und die Mast gehören.
  • Die Zusammenarbeit kann sich aber auch auf die...

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