Stallverbot für H1N1-Grippekranke Premium

Wie gefährlich ist das neue Influenzavirus für Schweine? Und lassen sich die Tiere per Impfung schützen? top agrar hat das Thema mit Experten diskutiert.

Braungebrannt kommt Ferkelerzeuger Rainer Fiebig (Name geändert) von einem fünftägigen Mallorca-Kurzurlaub mit seinen Kegelbrüdern zurück. Wetter gut, Stimmung gut und jede Menge Party. Wenn jetzt nur nicht das lästige Kratzen im Hals, ein leichter Schnupfen und die quälenden Gliederschmerzen wären. Lag es an der Klimaanlage im Hotel? Oder brütet er eine dicke Erkältung aus?

Auf Drängen seiner Frau beschließt der junge Betriebsleiter, zum Arzt zu gehen. Schließlich kann es ja auch die berüchtigte „Mexiko-Grippe“ sein, von der im Moment alle reden. Vorher nur noch mal schnell in den Stall huschen zur Rauschekontrolle, damit er rechtzeitig die nötigen Spermaportionen ordern kann.

Doch halt! Darf Fiebig überhaupt noch in den Stall? Oder steckt er dann womöglich auch seine Schweine an? Wie leicht überträgt sich der neue Grippeerreger? Und wie kann Fiebig seinen Sauenbestand am besten schützen?

Gefahr durch neue Mutanten

Aufgrund von Praxisfällen in Kanada, Argentinien und Australien weiß man inzwischen, dass das neue H 1N 1-Influenzavirus auch vom Menschen auf Schweine übertragen werden kann. Experimentelle Infektionsversuche, die am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Ostsee-Insel Riems durchgeführt wurden, bestätigen diesen Verdacht.

Fünf gesunde Schweine, die über die Luft mit den neuen H 1N 1-Influenzaviren infiziert wurden, zeigten schon bald darauf typische Grippesymptome, unter denen auch H 1N 1-infizierte Menschen leiden: Niesen, Schnupfen, Fieber sowie Durchfall. Und drei gesunde Schweine, die ebenfalls mit in den Stall gesteckt wurden, schieden bereits drei Tage später selbst das neue Virus aus. Tags darauf wurden sie krank.

„Für die Tiere selbst ist das zunächst gar nicht weiter schlimm“, stellt Virologe Dr. Thomas Vahlenkamp vom Friedrich-Loeffler-Institut klar. Denn die Infektion verläuft nach bisherigen Erfahrungen recht mild. Der Schweinebestand durchseucht, und oftmals merkt der betroffene Tierhalter vermutlich nicht einmal, dass seine Schweine überhaupt erkrankt sind.

Was dem Wissenschaftler Sorge bereitet, ist jedoch, wie schnell der Erreger von den Schweinen aufgenommen und weitergegeben wird. „In einem Schweinebestand haben wir ein zigfach höheres Infektionspotenzial als unter Urlaubern am Ballermann auf Mallorca. Das neue H 1N 1-Virus könnte sich daher in der Schweinepopulation rasend schnell vermehren und früher oder später über die Luft wieder auf Menschen zurück übertragen werden“, gibt der Riemser Virologe zu bedenken.

Die Übertragung auf Schweine wäre nach Ansicht von Prof. Dr. Volker Moennig, dem Leiter des Instituts für Virologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover, noch aus einem weiteren Grund höchst bedenklich: „Denn das Schwein besitzt zugleich Rezeptoren für Geflügel- und menschliche Influenzaviren. Es wirkt daher wie eine Art Mischgefäß bzw. Reagenzglas. Beispiel: Wenn das neue H 1N 1-Virus ein Schwein ...

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