Teilschäden können teuer werden Plus

Lassen Sie sich bei Teilschäden nicht von Ihrem Vermarkter über den Tisch ziehen! Welche unterschiedlichen Abrechnungsmodelle es gibt, erläutert Christa Niemann vom Deutschen Bauernverband.

Da kann nur ein Irrtum vorliegen“, ist sich Schweinemäster Heinz Weege (Name geändert) sicher, als er die Abrechnung für die letzte Schlachtpartie überfliegt. Satte 41 € hat ihm sein Vermarkter für einen verworfenen Schinken vom Schlachterlös des betroffenen Tieres abgezogen. „Umgerechnet auf ein durchschnittliches Schinkengewicht (schier) von 9 kg macht das 4,56 € pro Kilogramm Schinken. Steckt sich da jemand auf meine Kosten die Taschen voll?“, fragte sich der Mäster empört. Hilfesuchend wendet sich Heinz Weege an den Deutschen Bauernverband (DBV), der die Schlachtabrechnung daraufhin genauer unter die Lupe nimmt. Weege hat die Schlachtpartie nach AutoFOM vermarktet, d.h. der Wert des Schlachtkörpers wird auf Basis der Teilstückgewichte von Lachs, Schinken, Schulter und Bauch berechnet.

Dreifacher Abzug bei AutoFom:

Das AutoFOM-Gerät ermittelt dazu zunächst für jedes Teilstück die sogenannten „Basiswerte“, die zusammen mit dem Schlachtgewicht in eine Formel eingesetzt werden. Und mit Hilfe dieser Formel werden dann die einzelnen Teilstückgewichte des Tieres berechnet.

Das Schwein, bei dem es die Beanstandung gab, weist ein Gesamtschlacht-gewicht von 90,7 kg auf. Im Verlauf des Schlachtprozesses stellt sich heraus, dass ein Schinken des Tieres eine Verletzung aufweist. Er ist dadurch nicht genuss-tauglich und wird deshalb mit den Knochen noch vor der Waage vom Schlachtkörper abgetrennt.

Das Schlachtgewicht (SG) reduziert sich dadurch deutlich – grob überschlagen um 11,5 kg. Denn erfahrungsgemäß beträgt das Schinkengewicht etwa 25% des Schlachtgewichts eines Schweines, in diesem Fall also 23 kg. Geteilt durch zwei Schinken vermindert sich das Gewicht also um etwa 11,5 kg.

Das Fatale daran: Bei der AutoFOM-Vermarktung wirkt sich das verminderte Schlachtgewicht auch negativ auf die Berechnung der übrigen Teilstückgewichte aus. Lachs, Schulter und Bauch werden ebenfalls leichter geschätzt, obwohl sie das gar nicht sind. Am Ende bekommt das Tier dadurch schlechtere Indexpunkte (IP). Das drückt den Erlös für das Schwein um etwa 28 €.

Doch damit nicht genug. Zusätzlich werden Weege vom Schlachthof für den zusätzlichen Aufwand noch für jedes Kilogramm Restschlachtgewicht 0,20 €Abzug in Rechnung gestellt. Bei 79,2 kg Restschlachtgewicht macht das im vorliegenden Beispiel noch einmal satte 15,84 € Abzug...


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