Tier- kontra Umweltschutz: Wie Feuer und Eis Premium

Gesellschaft und Gesetzgeber pochen auf mehr Tierwohl und Umweltschutz in Veredlungsbetrieben. Beides zusammen geht kaum, sagt Peter Spandau von der Landwirtschaftskammer NRW.

Der Ruf nach mehr Tierwohl und höheren Umweltschutzstandards hält unvermindert an. Passt beides zusammen?

Spandau: In der Schweinehaltung ist das schwierig. Kernproblem ist, dass die Emissionen steigen, wenn konventionelle Schweineställe tierfreundlicher gestaltet werden. Mehr Platz, ein geringerer Schlitzanteil im Spaltenboden oder größere Festflächen in den Buchten führen zu steigenden Emissionen.

Etwas besser stellt sich die Situation nur in Außenklimaställen ohne Auslauf dar. Wegen der niedrigeren Stalltemperaturen sinken die Emissionen. Sind Ausläufe vorhanden, wird die Umweltbilanz aber sofort deutlich schlechter, weil Freiflächen eine bedeutende Emissionsquelle sind.

Ein weiteres Problem tritt auf, wenn in Außenklimaställen keine Möglichkeit besteht, die Abluftfahne zu erhöhen. Besonders im Nahbereich können dann auch Gerüche problematisch werden.

Welche Umweltprobleme „erkaufen“ wir uns durch mehr Tierwohl?

Spandau: In der Tierhaltung ist das Ammoniakgas (NH3) das größte Problem. Der Ausstoß steigt, wenn Kot und Harn im Stall nicht schnell genug voneinander getrennt werden. Das Gleiche passiert, wenn die Tiere ständig durch ihre Exkremente laufen und diese immer wieder neu durchmischen.

Dabei können wir uns in Deutschland steigende NH3-Emissionen gar nicht erlauben, denn die Bundesregierung hat sich im Rahmen der NEC-Richtlinie sowie der europäischen NERC-Richtlinie dazu verpflichtet, den NH3-Ausstoß bis zum Jahr 2030 um 34% zu senken. Dieses Ziel werden wir nicht erreichen, wenn wir in der Tierhaltung künftig verstärkt auf Haltungssysteme setzen, die emissionstechnisch schwierig zu steuern sind. Besonders über die vielfach geforderten Ausläufe müssen wir diskutieren. Wir müssen gesamtgesellschaftlich klären, ob wir uns mehr Tierwohl zulasten des Umweltschutzes erkaufen wollen bzw. wo wir auch Abstriche in Kauf nehmen.

Was ist Ihnen als landwirtschaftlichem Berater lieber: Mehr Tier- oder doch mehr Umweltschutz?

Spandau: Wir müssen anerkennen, dass sowohl der Umwelt- als auch der Tierschutz Aufgaben sind, die alle Bürger und Bürgerinnen angehen. Der Verbraucher muss dann am Ende entscheiden, ob sein Schnitzel aus tiergerechterer Haltung kommen soll oder ob er letztendlich eher dazu bereit ist, statt mit 200 PS und 250 km/h über die Autobahn zu...

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Artikel geschrieben von

Marcus Arden

Redakteur Schweinehaltung

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