Vollspalten raus, Stroh rein Plus

Klaus und Marianne Albersmeier gehen neue Wege: Anstatt weiter 5000 Schweine auf Vollspalten zu mästen, halten sie heute 3500 Tiere auf Stroh. Ihr Fleisch vermarktet Rewe West exklusiv.

Marianne und Klaus Albersmeier sind begeisterte Schweinemäster. Bislang haben sie das in voll klimatisierten Mastställen mit Vollspaltenboden getan. In mehreren Entwicklungsschritten baute das Ehepaar insgesamt 5000 Mastplätze und vermarktete jährlich knapp 15000 Schweine.

Die zunehmende Kritik an dieser Haltungsform sowie das im Jahr 2015 veröffentlichte Gutachten des wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik hat die beiden jedoch nachdenklich gemacht. „Als wir das Gutachten gelesen haben, war uns klar, dass es mit unserer derzeitigen Tierhaltung so nicht weitergeht“, erinnert sich Klaus Albersmeier.

Es hat nicht lange gedauert und im Kopf der beiden Unternehmer aus Lippetal bei Soest in NRW reifte die Idee, die Schweinemast vollständig neu auszurichten. „Klar war für uns, dass wir vorerst nicht auf Bioproduktion umsteigen. Denn das größte Problem war, dass wir nicht genügend Bioferkel bekommen konnten. Wir wollten unser Haltungskonzept aber dennoch so gestalten, dass dieser Schritt jederzeit möglich ist“, betont Marianne Albersmeier.

Der Startschuss für den Umbau der Mast erfolgte 2018 und dauerte über ein Jahr. Stück für Stück wurden die bestehenden Mastställe im laufenden Betrieb umgerüstet. Immer wenn ein Stall leer war, wurde das Gebäude entkernt und der Boden planbefestigt. Das einzige, was sie übernommen haben, war die Sensorfütterung mit Kurztrog. Mit dieser Fütterungstechnik hat das Ehepaar sehr gute Erfahrungen gemacht.

In den Mastställen der Familie sieht es nun wie folgt aus:

  • Die Zahl der Mastplätze wurde von 5000 auf 3500 Plätze reduziert.
  • In jedem Abteil sind rund 420 Mastplätze untergebracht.
  • Jedem Tier stehen 1,5 m2 Fläche zur Verfügung.
  • Die Böden in den Ställen sind komplett planbefestigt und werden vollflächig mit Stroh eingestreut.
  • Die Lüftung blieb erhalten. Da die Stallfenster herausgenommen wurden, strömt nun aber ein Teil der Zuluft über die Öffnungen in das Gebäude.

Als besonderes Bonbon bieten Klaus und Marianne Albersmeier allen Tieren Außenauslauf an. Die Ausläufe sind eingestreut und zu ca. 70% überdacht. Schwierig gestaltete sich die Genehmigung der Ausläufe. Das größte Problem war die Unsicherheit der Behörden. „Viele Mitarbeiter wussten nicht, wie sie z.B. die Emissionen bewerten sollen, weil Berechnungsdaten für Außenklimaställe und Ausläufe fehlen. Die Lösung ergab sich durch die Reduzierung der Tierzahlen. Damit waren wir nicht mehr im BImSch-Verfahren“, berichtet Klaus Albersmeier.

Bei der Planung der Umbauten wurde darauf geachtet, dass alle Ställe mit dem Teleskoplader einfach ausgemistet werden können. Dafür mussten die Unternehmer allerdings einen Teil ihrer Verkehrsflächen auf dem Hof opfern.

Gemistet wird jede Woche im Reihum-Verfahren. Während der Mist im Stall aufgeladen wird, sind die Schweine im Auslauf eingesperrt. Danach erfolgt der Seitenwechsel. Um ein Abteil mit 420 Mastplätzen zu misten, benötigen Albersmeiers etwa drei Stunden. „In den Altgebäuden dauert es etwas länger, da wir dort nur mit unserem kleinen Hoftrac fahren können“, erklärt Klaus Albersmeier die bauliche Situation.

Nachgestreut wird zwischen zwei Entmistungsterminen übrigens nicht. Familie Albersmeier und ihre Mitarbeiter stellen nach dem Ausmisten zwei bis drei Großballen in die Bucht, die grob verteilt werden. Die Schweine übernehmen den Rest.

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