Wie digital ist die Schweinehaltung? Plus

Neue Ohrmarkentransponder sowie Bild- und Tonsensoren können das Tierwohl im Stall verbessern. Insellösungen sind dagegen die größten digitalen Schattenseiten im Schweinestall.

1. Einzeltierdaten

Die Abnehmer aus dem Lebensmitteleinzelhandel wünschen sich in Zukunft für jedes Schwein einen „Personalausweis“, auf dem wichtige Einzeltierdaten gespeichert sind. Das können z.B. Angaben zur Haltungsform, zur Fütterung (GVO-Freiheit) oder zum Medikamenteneinsatz sein. Das Ziel ist die lückenlose Rückverfolgbarkeit.

Momentan laufen in verschiedenen Praxisbetrieben Versuche, bei denen Ferkel und Mastschweine elektronische Transponder der neuesten Generation (UHF-RFID-Transponder) im Ohr tragen. Sobald die Technik praxisreif ist, käme man der lückenlosen Dokumentation von der Geburt bis zur Ladentheke ein großes Stück näher. Ob sich die Technik am Ende aber wirklich durchsetzt, hängt letztendlich vor allem davon ab, wie gut die Transponder im Ohr halten, wie teuer sie sind und ob sie wiederverwertet werden können. Im Hinblick auf den Seuchenschutz muss z.B. geklärt werden, ob sich die Transponder so gut reinigen lassen, dass sie später auch in anderen Betrieben gefahrlos eingesetzt werden können.

Zu wünschen wäre das. Denn die UHF-RFID-Technik bietet noch viel mehr Chancen. Die Lesereichweite ist deutlich höher und man kann mehrere hundert Transponder parallel erfassen. Dadurch kann man das Bewegungsmuster aller Tiere in einer Gruppe aufzeichnen und dabei z.B. Rückschlüsse auf Lahmheiten oder Fieber ziehen.

Möglich wäre es auch, den Standort des Tieres genau zu bestimmen, weil der Sender jede Sekunde seine Position an den Empfänger schickt. Der Landwirt kann dadurch Schweine in der Gruppenhaltung schneller finden. Die Positionsbestimmung erlaubt es auch, herauszufinden, wie lange Schweine z.B. mit dem einen oder anderen Beschäftigungsmaterial spielen.

2. Managementdaten

Tiere fühlen sich wohl, wenn die Haltungsumwelt passt. Großen Einfluss hat das Klima. Klimaregler steuern das Abteilklima heute ausschließlich mithilfe von Fühlern, die im Stall hängen. In Zukunft werden auch Klimadaten einbezogen, die Wetterstationen liefern, die z.B. im Umkreis von 100 km um den Stall stehen. In diesem Fall wird der Klimarechner also auch mit Daten aus der Atmosphäre „gefüttert“. Dadurch wäre er in der Lage, das Stallklima frühzeitiger auf sich gegebenenfalls veränderndes Wetter vorzubereiten. Das kann zum Beispiel nützlich sein, wenn eine Gewitterfront aufzieht. Der Rechner wird dann den zu erwartenden Temperaturabfall, der in der Regel nach einem Gewitter eintritt, frühzeitiger im Stallabteil einleiten. Für die Tiere unangenehme Temperatursprünge sind dann Vergangenheit.

Der Klimarechner der Zukunft schützt die Schweine auch vor unangenehmen Klimareizen. In Tierwohlställen, die aus einem wärmegedämmten Innenbereich und einem Außenauslauf bestehen, fährt der Rechner z.B. automatisch Sonnensegel aus, sobald die Sonne scheint. So würde man Sonnenbränden effektiv vorbeugen.

In vielen Ställen wird die Futtermenge über Trogsensoren gesteuert. Künftig wird auch die verbrauchte Wassermenge an den Tränken durch Sensoren erfasst. So gleicht der Landwirt die Futter- und Wasseraufnahme miteinander ab und sieht, ob sich eventuell ein Krankheitsgeschehen ankündigt. Denn im Vorfeld von Erkrankungen geht die Wasseraufnahme in der Regel deutlich zurück.

Das Erfassen des Wasserverbrauchs hilft auch bei den immer häufiger auftretenden Extremwetterlagen weiter. Steigen die Temperaturen auf deutlich über 30 °C an, muss der Wasserverbrauch im Stall steigen. Steigt er nicht, ist das ein Warnhinweis dafür, dass im Stall etwas nicht in Ordnung ist.

3. Bild- und Tonsensoren

Die Tierkontrolle erfolgt bislang immer nur dann, wenn der Landwirt oder die Mitarbeiter im Stall sind. Das wird sich durch neue, stalltaugliche Bild- und Tonsensoren ändern. Durch sie wird ein Frühwarnsystem in der Praxis Realität.

Moderne Kamerasysteme ermöglichen die automatisierte, berührungslose, stressfreie und kostengünstige 24-Stunden Überwachung. Die Bildverarbeitung erkennt dabei z.B. die Liegeposition der Sauen im Abferkelstall. Dreht sie sich um oder steht auf, setzt das Kamerasystem einen Mechanismus in Gang, der die Ferkel aus der Gefahrenzone vertreibt.

Auch das Fress-, Trink- und Liegeverhalten von Ferkeln oder Mastschweinen kann per Video festgehalten und analysiert werden. Das ist wichtig, denn das Verhalten erlaubt Rückschlüsse auf das Wohlbefinden der Tiere. Wenn die Schweine z.B. den größten Teil des Tages ruhig auf der Seite liegen, ist das ein Zeichen dafür, dass sich die Tiere wohlfühlen. Eine Software schickt dem Landwirt dann eine Meldung auf sein Handy, dass alles in Ordnung ist. Auch das Verschicken von...


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