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13 Tipps für gesunde Schweine im Außenklimastall

Tiergesundheit ist auch in Außenklima- und Auslaufställen kein Selbstläufer. Hier kommen 13 Tipps, die Sie bereits bei der Planung und beim Bau des Stalles beherzigen sollten.

Unser Autor: Dr. Stefan Wesselmann, Tierärzte Hohenlohe

Mit Tierwohl verbinden die meisten Verbraucher vor allem drei Dinge: mehr Bewegungsfreiheit, Stroheinstreu und viel frische Luft für die Schweine. Inzwischen denken deshalb immer mehr Schweinehalter darüber nach, einen Außenklimastall zu bauen oder ihren vorhandenen Stall mit einem Außenauslauf nachzurüsten – zumindest dort, wo dies möglich ist.

Doch Ställe mit Außenklimareiz stellen den Betreiber vor besondere Herausforderungen – auch in puncto Tiergesundheit. Hier spielt das richtige Management eine wesentliche Rolle. Der Grundstein für ein sicheres Funktionieren des Stalles und eine stabile Tiergesundheit wird jedoch bereits bei der Planung des Stalles gelegt.

Ganzjährig funktionsfähig

Entscheidend ist, dass der Stall zu jeder Jahreszeit sicher funktioniert, also sowohl bei minus 15 °C als auch bei plus 38 °C Außentemperatur.

Klar ist: Auch bei Außenklimaställen dürfen keine gesundheitlichen Kompromisse in Kauf genommen werden, getreu dem Motto: „Ein bisschen Husten ist nicht so schlimm.“ Denn wenn der Stall erst einmal steht, lässt sich nachträglich meistens kaum noch Abhilfe schaffen.

Deshalb sollten bauwillige Landwirte bereits bei der Planung und beim Bau des Gebäudes die folgenden 13 Tipps beherzigen.

1. Ausrichtung des Stalles

Zugluft ist „Gift“ für die Schweine und sicherlich ein entscheidender Auslöser für zahlreiche Atemwegserkrankungen. Aber auch Durchfälle und Schwanzbeißen können unter anderem in Zugluft ihren Ursprung haben. Deshalb sind der Standort und die Ausrichtung des neuen Stallgebäudes ganz entscheidend. Denn nachträglich eingebaute Windschutznetze und andere technische Hilfsmittel beheben das Problem oft nur unzureichend.

An den meisten Standorten herrscht Westwind vor. Mitunter kann allerdings auch der von Osten kommende Wind dem Stall und den Schweinen zu schaffen machen. Der Auslauf sollte deshalb möglichst nach Süden oder Südwesten hin ausgerichtet sein.

Neben der Himmelsrichtung muss auch die Topografie des Geländes berücksichtigt werden. In hügeligen Landschaften gibt es z. B. immer wieder Bereiche, in denen sich die Kälte sammelt oder der Wind besonders stark weht. Hier sollte man möglichst keinen Außenklimastall errichten. Vorteilhaft sind windgeschützte Standorte in der Nähe von Wäldern oder Erhebungen.

Sind mehrere Stallgebäude nebenei-nander geplant, dürfen die Abstände zwischen den Gebäuden nicht zu gering sein. Denn der dadurch erhoffte Windschutz kann zwischen den Gebäuden schnell zu einem Tunneleffekt und ­hohen Windgeschwindigkeiten führen. Sind zwischen den Ställen Ausläufe vorgesehen, sind dadurch Atemwegserkrankungen vorprogrammiert.

Der Mindestabstand orientiert sich an der Gebäudehöhe: je höher, desto größer muss der Abstand sein. Alternativ kann man den Windeinfluss auch durch einen mittigen Verbindungsgang zwischen den Ställen oder Windbremsen an beiden Stirnseiten brechen.

2. Für Sonnenschutz sorgen

Neben Kälte und Zugluft spielt auch die Sonneneinstrahlung eine wichtige Rolle. Schweine liegen gern im Außenauslauf und schlafen dort auch bei stärkstem Sonnenschein ein. Ihre dünne Behaarung bietet jedoch keinen ausreichenden Sonnenschutz. Deshalb kommt es immer wieder zu starken Sonnenbränden mit Hautablösungen, Fieber und Fressunlust.

Sonnenbrand ist keine Lappalie, sondern eine ernst zu nehmende, schmerzhafte und therapiebedürftige Erkrankung. Daher ist es wichtig, sich bereits bei der Bauplanung Gedanken zu machen, wie die Ausläufe beschattet werden können. Dazu bieten sich feste Überdachungen, Schattennetze, Holzpergolen oder Jalousien an.

3. Infektionsketten brechen

Bei den meisten Außenklimaställen handelt es sich um Einraumställe, die in einzelne Buchten unterteilt sind. Eine räumliche Trennung der Altersgruppen ist hier in der Regel nicht möglich. Häufig haben die Tiere an gemeinsamen Futterautomaten, die in die Buchtentrennwand eingelassen sind, oder an den Schwenkgittern im Außenauslauf direkten Kontakt zueinander.

Mastschweine oder Aufzuchtferkel unterschiedlicher Altersgruppen in einem Raum zu halten, kann jedoch erhebliche gesundheitliche Nachteile mit sich bringen. Eine Unterbrechung von Infektionsketten ist hier in vielen Fällen nicht möglich, aus tierärztlicher Sicht aber dringend notwendig.

Ideal wäre es deshalb, das Gebäude im Stall-Rein-Raus zu belegen. Dann könnten die Buchten zwischen den Belegungen gründlich gereinigt und desinfiziert werden. In geschlossenen oder teilgeschlossenen Betrieben mit mittleren Herdengrößen werden die Ställe jedoch in der Regel kontinuierlich belegt.

Deshalb kann es sinnvoll sein, die Großraumställe durch Wände aus Holz, Doppelstegplatten oder Kunststoffprofilen zu unterteilen – zumindest in eine Vor- und...

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