Nach Stallbesetzung in den Niederlanden

64 Tierschutzaktivisten angeklagt

Nach der Stallbesetzung in Boxtel müssen sich 64 Tierschutzaktivisten wegen Hausfriedensbruch verantworten. Der betroffene Schweinehalter darf nach der Stallbesetzung drei Wochen keine Tiere vom Hof abtransportieren. Die holländischen Landwirte rücken jetzt zusammen und rufen mit ihrer Aktion "#doesnormaal" zu einer sachlichen Diskussion auf.

In den Niederlanden müssen sich 64 von rund 100 Tierschutzaktivisten der internationalen Bewegung „Meat the Victims“ bald vor einem Richter wegen Hausfriedensbruch verantworten. Sie hatten am 13. Mai einen Schweinebetrieb in Boxtel besetzt und wurden daraufhin festgenommen. Wie die Staatsanwaltschaft in Den Haag mitteilte, wurden alle Festgenommenen bis zum Dienstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Verhandlung soll im August vor dem Gericht in Den Bosch stattfinden. Die Aktivisten stammen der Staatsanwaltschaft zufolge aus unterschiedlichen EU-Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien, Polen, Tschechien, Griechenland, Finnland und Schweden, sowie aus Norwegen. Nach eigener Aussage wollten sie die Öffentlichkeit auf das „Tierleid hinter den Stalltüren“ aufmerksam machen und so zum Verzicht auf den Fleischkonsum bewegen. Ähnliche Aktionen führte die Bewegung bereits in Australien, Kanada, Spanien und Großbritannien durch. Die Tierschützer organisieren sich über den Mikrobloggingdienst Twitter. Einen Hauptsitz hat die Bewegung nicht.

Schweinehalter darf keine Tiere abtransportieren

Landwirtschaftsministerin Carola Schouten bezeichnete die Stallbesetzung auf ihrem eigenen Twitter-Account als „inakzeptabel“. Hier sei einer der Landwirtschaftsbetriebe betroffen, „die für unsere tägliche Ernährung sorgen“. Die Landwirte sollten dabei nicht ständig damit rechnen müssen, schikaniert zu werden, so Schouten. Der betroffene Schweinehalter darf nun drei Wochen lang keine Tiere von seinem Hof abtransportieren. Auch die Anlieferung von Tieren ist untersagt. Die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) begründete die Maßnahme mit Gesundheitsrisiken für die Tiere, weil die Aktivisten bei der Besetzung des Stalles die Hygienevorschriften nicht beachtet hätten. Deshalb sei ein Ausbruch meldepflichtiger Krankheiten nicht auszuschließen

Niederländische Landwirte halten zusammen

Unter den Landwirten hat die Besetzung des Schweinebetriebs zu einer großen Verbundenheit geführt. Wie die Fachzeitschrift Melkvee berichtet, versammelten sich in einer Folge-Aktion am vergangenen Sonntag in den Provinzen Overijssel und Drenthe mehr als hundert Landwirte mit ihren Traktoren auf einer Wiese, um das Wort "#Doesnormaal" zu schreiben. Das Wort bedeutet übersetzt so viel wie "verhalte dich normal/angemessen". Die Kampagne erhielt Aufmerksamkeit von Regionalsendern sowie nationalen und regionalen Zeitungen. Die Landwirte wollen mit der Aktion die Menschen zu einem sachlichen, fairen Umgang miteinander auffordern, auch bei Meinungsverschiedenheiten. Unter dem eigens kreierten Hashtag #doesnormaal sind Landwirte eingeladen, Nachrichten in den sozialen Netzwerken zu teilen und Solidarität zu zeigen.

Die Redaktion empfiehlt

Premium

Im niederländischen Boxtel drangen rund 125 Tierschutzaktivisten in einen Schweinestall ein und führten eine zehnstündige Sitzblockade in den Abteilgängen durch, bevor sie von der Polizei entfernt ...

Benzin, Diesel, Heizöl oder Gas werden teurer

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Schreiben Sie Agra Europe (AgE) eine Nachricht

Caroline Jücker

Volontärin Schweinehaltung

Schreiben Sie Caroline Jücker eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Gerhard Seeger

@ Paul Siewecke, ...

... bei uns würde so entschieden: Bei Ausbruch einer meldepflichtigen Krankheit würde auf die TSK verwiesen, den Betriebsausfall würde man mit Verweis auf das Unternehmerrisiko und ggf. fehlende Sicherungseinrichtungen unausgeglichen lassen, die krimminellen "Aktivisten" sind i.d.R. eh mittellos, selbige würden vor Gericht freigesprochen vielleicht würde noch vom Gericht auf Notwehr erkannt. Die Landwirte welche einige Autos "händisch" aus dem Weg geräumt haben würde man wegen Sachbeschädigung belangen, dort ist ja auch i.d.R. was zu holen. Schöne Welt.

von Paul Siewecke

Was passiert eigentlich....

wenn wirklich eine Seuche in den Stall eingeschleppt wurde? Wer zahlt dann den Schaden? Und wie will man beweisen, dass die "Aktivisten" dafür verantwortlich waren? Und wie kommt der Landwirt an einen finanziellen Ausgleich für den Schaden durch 3 Wochen Betriebsstillstand (Einkommensausfall!)?

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen